Nur kurzfristig sehen Experten nach dem Preisboom Rückschlagsgefahr
Rohstoffe steigen langfristig weiter

Die Rohstoffpreise bleiben auf Klettertour. Darüber sind sich viele Anlageexperten einig. Auch Ökonomen und Rohstoffanalysten argumentieren mit steigender Nachfrage nach „Commodities“, insbesondere aus den Schwellenländern.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Preistreibend wirken ihrer Meinung nach zusätzlich die Verknappungstendenzen auf der Angebotsseite, weil neue Kapazitäten oft nur mit langer Vorlaufzeit bereitgestellt werden können. Trotz der guten Perspektiven halten jedoch auch manche der optimistischen Vermögensverwalter einen kurzfristigen Rückschlag nach den massiven Preissteigerungen für denkbar.

Nach über 20-jähriger Baisse befinden sich die Rohstoffpreise seit Ende 2001 in einem steilen Aufwärtstrend (Grafik). Gemessen am CRB-Index der Warenterminpreise, der insbesondere die Bereiche Energie, Industrie- und Edelmetalle sowie Landwirtschaftsprodukte berücksichtigt, haben sie seitdem rund 70 Prozent zugelegt und ein neues 25-Jahreshoch erreicht.

Treibende Kraft des Preisaufschwungs ist vor allem die steigende Nachfrage aus sich schnell industrialisierenden Entwicklungsländern. So sehen es Experten wie Bernhard Hillebrand. Der Gründer des EEFA-Instituts (Energy Environment Forecast Analysis), Münster, resümierte in einer Studie: Der Preisauftrieb ist im wesentlichen nachfragegetrieben, wobei China den stärksten Einfluss ausübt. Dagegen war die Preishausse bei der ersten Erdölkrise 1973/74 durch politisch verursachte Angebotsstörungen verursacht.

Den China-Faktor unterstreicht auch das Institut für Energetik und Umwelt, Leipzig, in einer Analyse. Danach wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einzelner Schwellenländer bislang immer noch unterschätzt. Der Wachstumshunger Chinas bleibe erhalten und absorbiere weiterhin die Angebote auf den Weltrohstoffmärkten. Das Riesenreich sichere sich beispielsweise Kohlelagerstätten in Afrika und verhandle über Öl- und Gaslieferungen aus Russland.

Viele Experten unterstreichen, dass die Angebotsseite bei den Preissteigerungen ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Die steigende Nachfrage trifft auf nur sehr langsam zu steigernde Kapazitäten, weil beispielsweise die Inbetriebnahme einer neuen Kupfermine vom Beginn der Suche nach abbauwürdigen Lagerstätten bis zur Aufnahme der Produktion viele Jahre dauert.Die guten Langfristperspektiven bieten für Anleger auch nach den Preissteigerungen noch Chancen. Das unterstrichen Analysten und Geldverwalter auf einem Seminar in München.

Der in den USA sehr angesehene und auch in Deutschland populär werdende Investment-Guru James Rogers glaubt an eine „Hausse, die 15 bis 23 Jahre dauert“. Der renommierte Vermögensverwalter Jens Ehrhardt erkennt einen „klaren und anhaltenden Aufwärtstrend“ in diesem Bereich. Claus Vogt, Leiter Research bei der Berliner Effektenbank, interpretiert die Preisanstiege der vergangenen Jahre ebenfalls als „Beginn einer langfristigen Aufwärtsentwicklung bei den Rohstoffen“.

Vogt begründet seinen Optimismus: „Der alte Gedanke, Vermögen gegen Inflation schützen zu müssen, wird eine Renaissance erleben.“ Steigende Inflation ist seiner Meinung nach angesichts der „unseriösen Fiskalpolitiken“ rund um den Globus unausweichlich. Das Zukunftsthema Inflation ist auch für Ehrhardt ein wichtiger Faktor in seiner Strategie. Er sieht eine „Riesengeldvermehrung“ der Notenbanken, die sich zwangsläufig in höherer Inflation niederschlagen müsse. „Dann ist gerade Gold ein weit besserer Schutz als Anleihen, in die viel Geld geflossen ist.“ Ähnlich denkt Markus Mezger, bei der BW-Bank verantwortlich für Anlagestrategie bei Aktien und Rohstoffen. „Man sollte das Geld lieber in reale Werte als in Bonds anlegen“, sagte er.

Ehrhardt wittert wie andere Fachleute bei vielen Rohstoffen wie Kupfer oder Landwirtschaftsprodukten kurzfristig Rückschlagpotenzial. „Im Kupfermarkt steckt sehr viel Optimismus“, sagt er, und diese Stimmungslage macht ihn misstrauisch.

Bei der Prognose kurzfristiger Tendenzen liegt Guru Rogers nach eigener Einschätzung oft falsch. Er verlässt sich auf sein Langfristszenario. Seine Favoriten sind Agrarprodukte wie Kaffee, Orangensaft oder Baumwolle. Auch für Industriemetalle sieht er gute Chancen und argumentiert unter anderem mit den Engpässen auf der Angebotsseite. Er nennt zwei Beispiele: „In über 25 Jahren wurde nur eine neue Bleimine eröffnet – und keiner sucht nach Zinnvorkommen.“

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