Nur mit Hilfe Saudi-Arabiens kann das Kartell die steigende Nachfrage befriedigen
Die Opec ringt um eine Strategie

Ali al Naimi, Ölminister von Saudi-Arabien und einflussreicher Vertreter seines Landes bei der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), muss zurzeit auf vielen Hochzeiten tanzen. Schon lange war der politische Druck auf die Opec nicht mehr so groß wie heute, die Ölhähne aufzudrehen, um eine weltweite Wirtschaftskrise zu vermeiden.

DÜSSELDORF. Intern sind sich die Ölproduzenten, die zwischen 50 % und 60 % der Weltölproduktion bestreiten, noch nicht einig, wie sie auf diesen Druck reagieren sollen. Naimi weiß: Die Welt blickt vor allem auf Saudi-Arabien, denn nur das Wüstenkönigreich kann überhaupt noch seine Produktion anschieben. Er weiß auch, wie das bei den anderen Opec-Mitgliedern ankommt: Wenn der saudische Marktanteil wächst, macht sich das Königreich nicht unbedingt Freunde, zumal einige Vertreter des Ölkartells wie der Venezolaner Rafael Ramirez noch nicht daran glauben, dass das Anschieben der Produktion mittelfristig den Markt beruhigt. Vor dem Opec-Treffen in der nächsten Woche in Beirut will der Saudi daher seinen Spielraum testen – und die aufgeheizte Stimmung an den Märkten abkühlen.

Grafik: Die Fördermengen der Opec- und der Nicht-Opec-Mitglieder

„Die Nachricht, dass die Saudis zusätzliche 1,5 Mill. Barrel fördern wollen, ist eine sehr gute“, sagt Fatih Birol, Chefökonom der IEA, der Ölkoordinationsstelle der Industrieländer in Paris. Die Nachfrage nach Rohöl werde weiter steigen, im Jahr 2004 lassen sich die höchsten Zuwächse seit 16 Jahren verzeichnen, „es müssen daher neue Felder erschlossen werden“, fordert Birol.

Genau das wollen die Saudis nun tun. Ihre tägliche Förderung könnte innerhalb der nächsten 18 Monate damit auf bis zu 12 Mill. Barrel steigen, lässt das Königreich streuen. Im April förderte das Land 8,29 Mill. Barrel pro Tag. Allein in diesem Jahr soll die Produktion auf zwei weitere neue Ölfelder ausgedehnt werden. Experten zweifeln aber, ob das reicht: „Kurzfristig können die Saudis durchaus ihre Ankündigungen erfüllen“, meint Peter Kemp, Herausgeber des renommierten Branchendienstes Petroleum Intelligence Weekly (PIW). Ob sie mittelfristig in der Lage seien, das Niveau zu halten, sei aber fraglich, da auf anderen Ölfeldern der Ertrag zurückgehe. Einige Experten gehen hinter vorgehaltener Hand noch weiter: Sie sehen die saudischen Äußerungen als rein „psychologisches Spiel“.

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