Ökonomen
„Zentralbanken sind schlechte Goldhändler“

Sie kaufen zu Höchstkursen und verkaufen, wenn der Preis am Boden liegt. Mit ihren Goldinvestments haben die weltweiten Notenbanken kein glückliches Händchen bewiesen. Zuletzt verbuchten sie hohe Verluste.
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Düsseldorf/FrankfurtDem mächtigsten Zentralbanker der Welt ist der Goldpreis suspekt. Im Juli hat Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des US-Senats erklärt, dass „niemand den Goldpreis wirklich versteht und ich auch nicht vorgeben will, ihn wirklich zu verstehen.“ Hätten seine Kollegen dem US-Notenbankchef doch bloß besser zugehört, dann hätten sie vielleicht aufgehört, ihre Goldreserven auszubauen. Denn die haben ihnen zuletzt nur Miese eingebracht.

Im September 2011 markierte der Preis für das gelbe Edelmetall sein bisheriges Rekordhoch von 1921,15 Dollar je Unze. Seither ist der Goldpreis allerdings um 31 Prozent abgestürzt. Das Problem: Die Zentralbanken griffen fleißig weiter zu. Seit dem Rekordhoch 2011 haben sie netto 884 Tonnen Gold gekauft, zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds. Die Bilanz ist verheerend: Auf 545 Milliarden Dollar summiert sich der Wertverlust der Goldreserven nach Berechnungen des Börseninformationsdienstes Bloomberg seit 2011 insgesamt.

Die Zentralbanken halten 18 Prozent der weltweiten Goldbestände – Tendenz steigend. Nach Prognosen des World Gold Council werden sie in diesem Jahr ihre Goldreserven um bis zu 350 Millionen Tonnen im Wert von rund 15 Milliarden Dollar aufstocken. 2012 erwarben sie 535 Millionen Tonnen Gold, das waren die umfangreichsten Käufe seit 1964. Größter Goldkäufer ist Russland: Das Land vergrößerte seine Reserven um 20 Prozent oder rund 171 Tonnen seit dem Rekordhoch im September 2011.

Während die Zentralbanken noch kauften, verloren die übrigen Investoren den Glauben an Gold als wertbeständige Anlage. Der Wert börsengehandelter Goldprodukte (Exchange Traded Products, ETP) sank dieses Jahr um 60,4 Milliarden Dollar oder 43 Prozent, wie Daten von Bloomberg zeigen. Das bescherte Hedgefonds-Managern wie John Paulson deutliche Verluste. Andere bekannte Investoren zogen zwischenzeitlich die Reißleine: George Soros beispielsweise verkaufte seine Bestände am größten Gold-ETP. Unternehmen, die Gold fördern, schrieben den Wert ihrer Vermögenswerte um mindestens 26 Milliarden Dollar ab.

Bereits im April rutschte Gold in einen „Bärenmarkt“, bisher fiel der Preis um etwa 20 Prozent auf 1320 Dollar je Unze und steht damit vor dem größten Rückgang seit 1981. Gold ist in diesem Jahr der Rohstoff mit der drittschlechtesten Entwicklung nach Mais und Silber. Zuvor sah das ganz anders aus: Der Goldpreis versechsfachte sich in den zwölf Jahren bis Ende 2012 und schlug damit die Aktien im MSCI All-Country World Index, die auf ein Plus von 17 Prozent kamen. In Zeiten von Finanz- und Euro-Krise war Gold als sicherer Hafen gefragt.

Kommentare zu " Ökonomen: „Zentralbanken sind schlechte Goldhändler“"

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  • Die Weltbanken und die Bank for International Settlements (BIS) - also die Weltbank der Weltbanken - mögen schlechte Goldhändler sein. Dafür sind sie umso bessere Preismanipulierer.

  • Auch das stand schon im Handelsblatt:

    „Der Gesetzgeber hat der Bundesbank die deutschen Währungsreserven anvertraut. Diese bestehen aus Gold, Devisen und Sonderziehungsrechten. Die Gegenleistung ist Geldwertstabilität“ (17.02.12).

  • Zitat: "Nach Prognosen des World Gold Council werden sie in diesem Jahr ihre Goldreserven um bis zu 350 Millionen Tonnen im Wert von rund 15 Milliarden Dollar aufstocken. 2012 erwarben sie 535 Millionen Tonnen Gold..."

    Das ist totaler Blödsinn! Bitte bleiben SIE sachlich, werte Redaktion. Es gibt weltweit nur etwa 160.000t Gold.

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