Öl fällt weiter: Wie die russischen Samoware die Preise drücken

Öl fällt weiter
Wie die russischen Samoware die Preise drücken

Die Ölpreise sinken. Und auch mittelfristig gibt es einiges, was für günstige Preise beim begehrten Energiespender spricht. Russische Mini-Raffinerien, die auch Samoware genannt werden, bedrohen die Ölpreise.
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Die Rohölpreise sind schon wieder auf Talfahrt. Ein Grund: Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien erklärte, das die Fördermenge derzeit nahe dem Rekordvolumen von fast 10 Millionen Barrel läge. Und der Iran könnte täglich bis zu eine Million Barrel Öl auf den Markt werfen, wenn das Land im Nuklearstreit eine Einigung mit den USA und deren Verbündeten erzielt.

Investoren spekulieren aktuell auf ein anhaltendes weltweites Überangebot. Brent kostet heute mit 53,27 US-Dollar gut 1,3 Prozent weniger als Ende vergangener Woche. Auf Monatssicht beträgt das Minus 1,3 Prozent.

Die nächste große Bedrohung für den Ölpreis kommt aber weder aus dem Nahen Osten, noch von der OPEC oder der Bakken-Formation in Nordamerika. Sie geht von den russischen Samowaren, oder Teekesseln, aus. Hierbei handelt es sich um einfache, kleinere Raffinerien, die zumeist Rohöl in Brennöl umwandeln. Sie schrauben ihre Produktion zurück, da sie wegen des Einbruchs beim Ölpreis nun weniger Subventionen für Brennöl-Exporte erhalten. Sie verbrauchen also weniger Rohöl, so dass mehr für Ausfuhren ins Ausland zur Verfügung steht, wodurch das weltweite Überangebot weiter zunimmt.

Russland wird seine Ölexporte in diesem Jahr um bis zu 250.000 Barrel am Tag erhöhen, erwartet James Henderson, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Oxford Institute for Energy Studies, der die Energiebranche des Landes seit mehr als 20 Jahren verfolgt. Das würde eine Steigerung um fünf Prozent bedeuten und wäre der stärkste Anstieg in mindestens einem Jahrzehnt.

„Die niedrigen Ölpreise machen Russland zu schaffen und haben dazu geführt, dass mehr Rohöl für den Export zur Verfügung steht“, erklärte Henderson. „Es könnten durchaus so einige der einfacheren Raffinerien Russlands ihre Kapazitäten reduzieren.“

Wenn die Rohöl-Preise fallen, sinkt auch der Steuernachlass in Russland für den Export von Brennöl, wie es von Schiffen, Kraftwerken und zur Weiterverarbeitung verwendet wird. Bei den gegenwärtigen Preisen sparen die Raffinerien etwa 25 Dollar je Tonne, wenn sie das Produkt statt des Rohöls verkaufen. Bei einem Ölpreis von 100 Dollar je Barrel - dem Durchschnittspreis 2014 - würde die Ersparnis 62 Dollar je Tonne betragen, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.

Steigende Lieferungen aus Russland - das zusammen mit Saudi-Arabien und den USA zu den drei größten Ölexporteuren der Welt zählt - würden den Ölpreis weiter belasten, der seit dem vergangenen Jahr mehr als 50 Prozent eingebüßt hat. In Russland selbst ist die Nachfrage nach raffiniertem Öl gesunken, nachdem das Land an den Rand einer Rezession gerückt ist. Im ersten Quartal wurde von russischen Häfen 9,5 Prozent mehr Rohöl verschifft als ein Jahr zuvor, zeigen Lieferdokumente, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegen.

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Der Markt ist gesättigt

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  • Alles was aus Russland kommt, bedroht anscheinend:

    "Russische Mini-Raffinerien, die auch Samoware genannt werden, bedrohen die Ölpreise."

    Also ich spüre hier keine Bedrohung durch einen niedrigeren Ölpreis, wer sollte sich Ihrer Meinung nach bedroht fühlen?

  • @Vittorio Queri
    Was würde wohl der Oelpreis in EU-Deutschland machen, wenn das Oelangebot knapp wäre bei gleichzeitigen Verfall des Euro....Warum ich mich freue....weil das Angebot die Nachfrage übersteigt und das für den Verbraucher immer gut ist. Auch eine Dämpfung von Preisanstiegen kann für den Verbraucher gut sein.

  • @ Herr Marc Hofmann

    >> Auf den freien Wettbewerbsmarkt ist halt doch verlass! Als Verbraucher freut es mich. >>

    Verstehe Ihre Freude nicht, es sei denn, sie wohnen ausserhalb der €-Sowjetunion.

    Denn vom fallenden Ölpreis haben wir doch in der EUtopia-Zone wegen dem Weich-Ei-€ NICHTS !

    Der Ölpreis wird auf den Welt-Märkten mit dem $ bezahlt und der Zerfall des € zum $ frisst doch den Preisvorteil sofort wieder auf !

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