Öl-Fördermengen sollen gedrosselt werden
Opec-Entscheidung treibt Öl-Preis

Die Minister der Organisation Erdöl exportierenden Länder (Opec) haben sich überraschend auf eine Drosselung ihrer Fördermengen geeinigt und wollen damit einen weiteren Verfall der Ölpreise verhindern. Damit wurden Befürchtungen geweckt, höhere Energiekosten könnten die erhoffte Erholung der Wirtschaft in den Industriestaaten abwürgen. Öl verteuerte sich um mehr als einen Dollar.

HB WIEN. Die Minister hätten sich auf eine Drosselung der Fördermengen der zehn Opec-Länder (ohne den Irak) um 900 000 Barrel (1 Barrel sind knapp 159 Liter) auf 24,5 Mill. Barrel täglich ab 1. November verständigt, teilten Ölminister des Kartells nach der Ratifizierung der neuen Vereinbarung mit. Damit sollen die Preise in der angestrebten Spanne zwischen 22 und 28 Dollar gehalten werden.

Zudem sei per 1. Januar 2004 als neuer Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und Nachfolger des kuwaitischen Ölministers Abdullah el Attijah der indonesische Energieminister Purnomo Yusgiantoro gewählt worden, hieß es. Die Wahl eines Nachfolgers für Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez sei auf das nächste Treffen verschoben worden. Am 4. Dezember wollten die Ölminister erneut zusammenkommen, um die Preis- und Mengenpolitik der Opec für das erste Quartal 2004 zu überprüfen.

Der Preis für einen Barrel der marktführenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im November sprang um fast 1,30 Dollar auf 26,80 Dollar. Leichtes US-Öl verteuerte sich um 1,31 Dollar auf 28,44 Dollar.

„Wir glauben, dass wir im ersten Quartal eine Überversorgung des Marktes um täglich 2,5 Mill. Barrel haben würden, deshalb ist es besser rechtzeitig gegenzusteuern“, sagte der iranische Ölminister Bidschan Sanganeh. Der nigerianische Präsidentenberater Rilwanu Lukman fügte hinzu: „Wir wollen nicht erleben, dass der (Öl-)Markt über unseren Köpfen zusammenbricht“.

"Preise könnten Wirtschaftserholung dämpfen"

Volkswirte äußerten die Befürchtung, dass die nun wohl weiter steigenden Ölpreise kurz vor Beginn der Heizperiode auf der nördlichen Halbkugel der Erde die weltweite Wirtschaftserholung dämpfen könnten. „Wenn die Ölpreise weiter steigen, müssen die Zinsen in die sieben führenden Industrieländern (G-7) möglicherweise nach oben angepasst werden, was ohne höhere Energiekosten nicht notwendig gewesen wäre. Das ist nicht gut für die Erholungsaussichten“, sagte Paul Robson, Volkswirt bei der Banc One in London. „Das zeigt, dass sich die Opec mehr um ihre Einnahmen und Preise sorgt, als um irgend etwas sonst“, fügte er hinzu. Die Opec kontrolliert etwa die Hälfte des weltweiten Handels mit Erdöl. Kevon Norrish von Barclays Capital sagte: „Früher oder später musste eine Drosselung kommen, wenn die Opec keine ernsthafte Bedrohung für ihr angestrebtes Preisband erleben will. Sie haben nur etwas früher gehandelt, als die meisten Leute dachten.“

Delegierten bei der Konferenz zufolge haben offenbar der jüngste Preisverfall auf das niedrigste Niveau seit rund vier Monaten und wachsende Liefermengen von Konkurrenten außerhalb der Opec, allen voran des Erzrivalen Russland, die Ölminister zu der Beschränkung von Förderung und Export veranlasst. Allein im August sind die Ölausfuhren Russlands, des zweitgrößten Ölexporteurs hinter Saudi-Arabien, im Jahresvergleich um 15 % auf mehr als vier Mill. Barrel pro Tag gestiegen. Die Ölminister seien besorgt, dass es durch die hohe Versorgung der Ölmärkte zu einem saisonunüblichen Lageraufbau der Verbraucherländer im Winter kommen könnte, der die Preise im Frühjahr unter Druck setzen könnte.

Irak bleibt in der Opec

Der Irak, dessen Ölminister erstmals seit der Besetzung durch die USA an einem Treffen der Opec teilnahm, bekräftigte: „Der Irak wird Mitglied in der Opec bleiben.“ Der neue Ölminister Ibrahim Bahr el Ulum sagte, der Einfluss der USA werde den Irak davon nicht abhalten. Allerdings müsse die vollständige Reintegration des Irak in das Quotensystem der Opec so lange warten, bis die Vorkriegsförderung wieder erreicht sei. Derzeit führt der Golfstaat nicht einmal eine Million Barrel täglich (bpd) aus, entgegen der Vorkriegsmenge von rund 2,2 Mill. bpd.

Die Mitgliedschaft des Irak ruhte seit dem Golfkrieg 1991, als Truppen Saddam Husseins das Nachbarland Kuwait besetzt hatten. Nach der Arabischen Liga hat nun auch die Opec zugestimmt, den von den USA ernannten Regierenden Rat des Irak als Vertretung des Landes zu akzeptieren.

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