Öl-Krisengipfel in Dschidda
Konzerne sitzen am Katzentisch

Die großen Ölkonzerne werden bei dem Energie-Gipfel im saudi-arabischen Dschidda am kommenden Sonntag nur eine Beobachterrolle einnehmen. Dennoch reisen die Chefs der Ölmultis geschlossen an, um den größten Ölförderstaat der Welt nicht zu verprellen. Unter der Hand jedoch grummelt die Branche über eine PR-Aktion des saudischen Königshauses.

LONDON. "Das Einladungsschreiben der Saudis liest sich eher wie eine Pressemitteilung - das ist ganz klar nach außen gerichtet", heißt es in Kreisen eines großen Ölkonzerns. "Sie müssen einfach der Weltöffentlichkeit demonstrieren, dass sie etwas gegen die hohen Ölpreise tun." Die Chefs der Ölmultis reisten ohne konkrete Erwartungen an, weil sie das Gefühl hätten, dass sie sich dort blicken lassen müssten. Die Initiative liege beim einladenden Königreich und der Opec. "Wir sind ja schließlich nicht diejenigen, die ihren Ölhahn nur halb aufgedreht haben", heißt es.

Die Ölkonzerne beließen es gestern bei knappen Bestätigungen, dass ihre Chefs nach Dschidda flögen. Eine Sprecherin von Royal Dutch Shell sagte, dass Vorstandschef Jeroen van der Veer zur Konferenz reise; ein Sprecher von BP, dass auch Tony Hayward dorthin fliege. In Paris teilte eine Sprecherin von Total mit, dass sich ihr Chef Christophe de Margiere auf den Weg mache. Aus den USA wird nach Informationen der Tageszeitung "Arab News" Conoco-Philips-Chef James Mulva erwartet. Insgesamt würden 30 Ölgesellschaften bei dem Gipfel vertreten sein.

Viel werden sie dort nicht bewegen können: Nach der Tagesordnung der Veranstalter finden sie sich um 13 Uhr Ortszeit ein, um dem Grußwort des Königs Abdullah und einer Rede des britischen Premierministers Gordon Brown zu lauschen. Dann sind zwei Stunden und zehn Minuten Diskussion anberaumt, bevor den Medien das Abschluss-Kommuniqué präsentiert werden soll. In dieser Zeit sind die Probleme des Weltölmarktes wohl kaum zu lösen.

So ganz entspannt können sich die Ölmultis allerdings auch nicht zurücklehnen. Daheim stehen sie schließlich oft ganz vorne in der Schusslinie, wenn Politiker nach Schuldigen für den enormen Ölpreisanstieg suchen. In mehreren Ländern werden Sondersteuern diskutiert, um die Gewinne der Ölkonzerne abzuschöpfen.

Tatsächlich haben die steigenden Ölpreise den Energieriesen Rekordgewinne in die Kassen gespült, während ihr Weltmarktanteil sank. Die vier führenden Ölkonzerne setzten 2007 zusammen 1,3 Billionen Dollar um und verdienten 111 Mrd. Dollar. Ihre Produktion fiel jedoch um drei Prozent auf insgesamt 14 Mill. Barrel (je 159 Liter) am Tag. Für das laufenden Jahr sind neue Rekordgewinne zu erwarten, doch die Produktion wird wohl trotz deutlich steigender Investitionen erneut nicht wachsen.

Seite 1:

Konzerne sitzen am Katzentisch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%