Öl
Neuer Optimismus der Opec

Auch wenn der Ölpreis heute wieder etwas fällt: die Ölförderländer sehen Signale einer konjunkturellen Bewegung. Die Opec verzichtet offenbar auf eine Kürzung der Förderquoten. Eine stärkere Nachfrage wegen besserer Konjunktur könnte die Preise wieder treiben.

Im frühen Handel notierte der Ölpreis wieder etwas im Minus. Ein Barrel WTI kostete 68,10 Dollar, ein Minus von 0,7 Prozent. Auch langjährige Marktbeobachter sind angesichts der hohen Ölpreis-Schwankungen in den letzten Monmatzen am Ende ihres Lateins gewesen: Vor einem Jahr kostete ein Barrel (159 Liter) knapp 150 US-Dollar, vor ein paar Wochen im Februar war der Ölpreis mit weniger als 40 Dollar auf seinem Tiefpunkt angelangt. Doch inzwischen ist Opec-Generalsekretär Abdullah El-Badri auch schon wieder ein wenig zum Schmunzeln zumute. Seit 40 Jahren ist er im Ölgeschäft, doch diese gewaltigen Schwankungen waren auch für ihn etwas Außergewöhnliches. Zu Jahresbeginn waren wir alle frustriert", erzählt der 69-jährige Libyer in der Opec-Zentrale.

Dass die Verantwortlichen im Wiener Opec-Hauptquartier die Welt wieder etwas optimistischer beurteilen, liegt an der Entwicklung der vergangenen zwei Monate: Der Ölpreis hat die Marke von 60 Dollar deutlich überschritten, es gibt erste vorsichtige Zeichen einer langsamen Belebung der Weltkonjunktur. "In Asien sieht man etwas", sagt El-Badri, in China oder Indien werde tatsächlich mehr Öl nachgefragt. Die Opec hat die Hoffnung, dass eine von dort ausgehende Belebung auf absehbare Zeit auch Nordamerika und Europa erreicht. El-Badri glaubt, dass der Ölpreis zum Jahresende zwischen 70 und 75 Dollar liegen wird - Ausdruck des neuen Optimismus, den der Wiener Opec-Chef inzwischen verbreitet.

In der vergangenen Woche haben sich die Ölminister der zwölf Opec-Mitgliedstaaten gegen neuerliche Förderkürzungen ausgesprochen. In mehreren Runden hatten sie zuvor seit dem Herbst vergangenen Jahres angekündigt, dass sie die tägliche Opec-Förderung um mehr als vier Mio. Barrel (oder etwa 15 Prozent) zurücknehmen wollten. Weltweit sind auf dem Ölmarkt Angebot und Nachfrage noch immer nicht im Gleichgewicht, es gibt zu viel Öl. Dass der Preis in den vergangenen zwei Monaten wieder angezogen hat, war weniger durch die reale Nachfrage, sondern vor allem durch spekulative Geschäfte auf den Rohstoffmärkten ausgelöst worden. So mancher Ölexperte hätte es für besser befunden, wenn die Ölminister in der vergangenen Woche eine weitere Kürzung beschlossen hätten. "Die Opec hat es verpasst, die fundamentalen Daten am Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen", kritisiert Johannes Benigni, Chef des Wiener Ölberatungsunternehmens JBC Energy.

Opec-Generalsekretär El-Badri verteidigt die Entscheidung. Das Ungleichgewicht am Markt habe seine Organisation durchaus gesehen. Den Ölförderländern sei es aber wichtiger gewesen, ein positives Signal zu setzen und den vorsichtigen Trend zu einer Wende der Weltkonjunktur zu unterstützen. Eine Opec und ein Generalsekretär also, die voll auf Optimismus setzen.

Es gibt allerdings eine offizielle und eine inoffizielle Opec. Offiziell hat die Organisation zwar die Förderkürzungen von mehr als vier Mio. Barrel beschlossen. In Wahrheit sind davon aber erst gut drei Mio. oder etwa 80 Prozent erreicht. Mit ihrem Beschluss aus der vergangenen Woche verkündet die Opec zwar nach außen Stabilität. Auf den Ölfeldern können die tatsächlichen Fördermengen aber noch weiter reduziert werden, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Generalsekretär El-Badri fordert jedenfalls, dass sich die Opec-Mitgliedsländer besser an die offiziellen Fördervorgaben der Organisation halten: "Ich würde mir wünschen, dass wir 95 Prozent der angekündigten Förderkürzungen erreichen." Aber vielleicht muss sein Wunsch gar nicht mehr in Erfüllung gehen, wenn eine stärkere Weltkonjunktur die Ölnachfrage langsam in die Höhe treibt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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