Öl-Produktion
Opec senkt doch überraschend Fördermenge

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) senkt jetzt doch die eigenen Fördermengen. Überraschend reduziert sie die Rohöl-Produktion um rund 520 000 Barrel täglich. Und es gab noch mehr Neuerungen. Russland will seine Zusammenarbeit mit der Opec ausbauen.

WIEN. Die Erdölminister der 13 Mitgliedsstaaten haben am frühen Mittwochmorgen auf ihrem Treffen in Wien eine Senkung der täglichen Förderung um knapp zwei Prozent auf 28,8 Millionen Barrel (159 Liter) beschlossen. Experten hatten im Vorfeld damit gerechnet, dass die Opec die Fördermengen trotz des starken Preisrückgangs während der vergangenen Wochen konstant halten würde. Am Dienstag war der Preis für ein Barrel Rohöl in London erstmals wieder unter 100 US-Dollar gefallen. Im Frühjahr kostete die gleiche Menge Rohöl noch fast 150 Dollar.

Chakib Khelil, Ölminister aus Algerien und Vorsitzender der Opec-Ministerkonferenz, begründete die Produktionssenkung mit Überkapazitäten am Markt. Darüber herrsche unter den Opec-Mitgliedsstaaten Einmütigkeit. „Überall gibt es große Vorräte“, ergänzte der Minister, „zum Ende des Jahres gibt es einen Überhang.“ Die Kürzung der Produktion werde deshalb nicht zu neuen Belastungen für die Konsumenten führen, mit größeren Preiserhöhungen als Folge des Opec-Beschlusses sei nicht zu rechnen.

Zunächst blieb unklar, wie die Opec-Mitglieder die Senkung der Produktion unter sich aufteilen werden. George Chakko, Ölanalyst in Wien, äußerte die Vermutung, dass Saudi-Arabien einen Großteil, vielleicht sogar auch die komplette Kürzung übernehmen werde. Der Preis werde aber auf Dauer nicht mehr unter die Grenze von 100 Dollar fallen. Die Saudis hatten ihr eigene Fördermenge in den vergangenen Monaten wegen der Finanz- und Börsenkrise von sich aus und ohne Rücksprache mit den anderen Opec-Mitgliedern deutlich gesteigert. Überhöhte Fördermengen Mitgliedssaaten will die Opec künftig durch stärkere Kontrollen verhindern. Insgesamt kommen von der Opec etwa 40 Prozent des weltweit geförderten Erdöls.

Künftig will auch Russland seine Zusammenarbeit mit der Opec ausbauen. Eine entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) sei dem Ölkartell bereits übermittelt worden, sagte der russische Vizepremierminister Igor Sechin am späten Dienstagabend in Wien. „Die Zusammenarbeit mit der Opec ist eine der wichtigsten Ziele Russlands“, sagte Senchin, der auch Vorsitzender des größten russischen Ölkonzerns Rosneft ist. Analysten brachten die Absichtserklärung mit den Spannungen zwischen dem Westen und Russland über den Georgien-Konflikt in Verbindung.

Die Ölpreise stiegen am Mittwoch nach Bekanntgabe der Maßnahmen leicht. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober kostete im asiatischen Handel 103,66 US-Dollar. Das sind 40 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Oktober stieg um 26 Cent auf 100,60 Dollar. Am Dienstag war der Brent-Preis erstmals seit fünf Monaten zeitweise unter 100 Dollar gefallen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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