Devisen + Rohstoffe
Öl-Profiteure am Golf investieren Gewinne gerne in Nachbarschaft

Seit Wochen schon pendelt der Ölpreis nun schon um die kritische 50-Dollar-Marke herum.

dpa-afx KAIRO. Seit Wochen schon pendelt der Ölpreis nun schon um die kritische 50-Dollar-Marke herum. Was Autofahrer, Regierungen und Wirtschaftsexperten in den westlichen Industrienationen mit Sorge erfüllt, beschert nicht nur den großen Ölkonzernen sprudelnde Gewinne, sondern auch den großen Ölexport-Nationen am Persischen Golf. Allerdings verhalten sich die arabischen Golfstaaten heute anders als noch während der Ölkrisen von 1973 und 1979. Denn damals war ein Teil der Öl-Profite der Golfmonarchien in Form von Aufträgen und Investitionen wieder zurück nach Europa und in die USA geschwappt. Heute versuchen die Golfaraber dagegen eher, ihre Profite aus dem Ölgeschäft vor der eigenen Haustür anzulegen.

Dort gibt es inzwischen auch wesentlich mehr Anlagemöglichkeiten als noch in den 70er Jahren, als die Saudis gerade erst die Konsumwelt entdeckten und es noch kaum nennenswerte privatwirtschaftliche Projekte gab. Inzwischen locken besonders in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gigantische Immobilienprojekte arabisches Kapital an. Die Privatisierung von Staatsbetrieben, die am Golf erst spät und zögerlich begonnen hat, zieht ebenfalls Investoren an. Einige Börsengänge der vergangenen Monate, bei denen die Aktien gleich mehrfach überzeichnet waren, belegen außerdem den durch den neuen Ölboom ausgelösten Kapitalüberschuss. Der saudiarabische Aktienindex erreichte zum Wochenende trotz der üblichen Flaute im Fastenmonat Ramadan eine neue Rekordmarke von 7 210 Punkten.

Doch für den Trend zur Geldanlage in der arabischen Nachbarschaft gibt es noch andere Gründe. Einer davon ist nach Einschätzung politischer Beobachter die Tatsache, dass vor allem das saudiarabisch-amerikanische Verhältnis seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gestört ist - trotz aller anders lautenden offiziellen Beteuerungen. Zwar machte die US-Regierung das Herrscherhaus der Ibn Saud nicht direkt dafür verantwortlich, dass 15 der 19 Flugzeugattentäter aus dem islamischen Königreich stammten. Doch wird Geld aus Saudi-Arabien in den USA bis heute misstrauisch beäugt, nachdem einige islamische Wohltätigkeitsorganisationen des Königreiches in den Verdacht geraten waren, bei der Finanzierung des El-Kaida-Terrors geholfen zu haben.

Doch trotz der Millionen, die der Ölpreisanstieg den Saudis in die Taschen spült, bemüht sich die Führung in Riad, den Preis durch Produktionssteigerungen zu drücken. Erstens begleicht sie damit nach Einschätzung arabischer Beobachter eine politische Rechnung bei der Bush-Regierung, die ihr trotz der Vertrauenskrise nach dem 11. September die Treue gehalten hat und nun im Wahlkampf keine Energiekrise gebrauchen kann. Zweitens sind die jüngsten Terroranschläge islamistischer Extremisten gegen Ausländer in Saudi-Arabien einer von vielen Faktoren, die für den derzeitigen Anstieg des Ölpreises verantwortlich sind. Denn die Anschläge schüren die Angst vor Sabotageakten gegen die saudiarabische Ölindustrie oder gar vor einem Umsturz in Riad.

Die saudiarabische Führung bemüht sich nun außerdem, Ölgelder für die Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Arbeitslose zu verwenden. Denn aus dem großen Heer der frustrierten Jugendlichen konnten die Terroristenanführer bisher einen Großteil ihrer Attentäter rekrutieren./abc/DP/

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