Öl, Silber, Gold
Ölpreise nehmen Jahreshoch ins Visier

Unbeeindruckt von der Krisenpolitik der amerikanischen Notenbank steigen die Ölpreise. Das Jahreshoch rückt näher. Benzin ist so teuer wie seit Sommer 2008 nicht mehr. Und auch Gold und Silber gehen weiter auf Rekordjagd.
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Die Ölpreise steigen immer weiter. Heute erzielte ein Barrel der Nordseesorte Brent den Höchststand von 126,75 Euro. Der Preisanstieg beträgt heute 0,6 Prozent. Das Jahreshoch von 127,51 Euro rückt damit in Reichweite.

Die Investoren zeigen sich unbeeindruckt von negativen Signalen aus den USA. Die Zinspolitik der US-Notenbank Fed deutet auf eine negative Konjunktureinschätzung hin, was eine eher maue Nachfrage der größten Volkswirtschaft der Welt nach Öl bedeuten könnte.

Verbraucher merken den Preisanstieg auch an der Zapfsäule. Der Benzinpreis hat mit rund 1,60 Euro pro Liter das Rekordniveau vom Sommer 2008 überschritten. Am Mittwoch lag der Durchschnittspreis für Superbenzin bei 1,597 Euro pro Liter, wie ein Sprecher der größten deutschen Tankstellenkette Aral am Donnerstag mitteilte. Damit sei der bisherige Rekordpreis von 1,595 Euro vom 4. Juli 2008 leicht übertroffen worden. Diesel lag mit 1,46 Euro noch vier Cent unter dem Höchststand von 2008, wie es hieß.

Neben Öl waren an den Rohstoffmärkten vor allem Edelmetalle gefragt. Das lag vor allem an den schwächelnden Dollar. Die Aussicht auf eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik in den USA machen Gold und Silber attraktiv. Die Äußerungen von Fed-Chef Ben Bernanke hätten nicht gerade Signale für eine baldige Zinswende geliefert - Edelmetalle blieben als sicherer Hafen daher gefragt, sagte Afshin Nabavi, leitender Händler bei MKS Finance.

Gold kletterte auf ein neues Rekordhoch von 1535,90 Dollar je Feinunze. Silber, das in diesem Jahre bereits um mehr als 50 Prozent zugelegt hat, verteuerte sich um gut drei Prozent auf bis zu 49,34 Dollar.

Ungeachtet der Zinswende in Europa bleibt die Fed vorerst geldpolitisch auf dem Gaspedal. Wie die Zentralbanker um Fed-Chef Bernanke am Mittwochabend erklärten, belassen sie den Leitzins weiter zwischen Null und 0,25 Prozent und wollen auch das 600 Milliarden Dollar schwere Ankaufprogramm von Staatsanleihen wie geplant bis Ende Juni weiterlaufen lassen. Sorgen bereitet den Währungshütern vor allem der auf wackeligen Füßen stehende Aufschwung in den USA und die weiterhin schwierige Lage am Arbeitsmarkt.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg von Januar bis März mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von lediglich 1,8 Prozent. Analysten hatten für das erste Quartal im Schnitt mit einem annualisierten Anstieg von 2,0 Prozent gerechnet. Noch zu Jahresende lag das Plus bei 3,1 Prozent. Die US-Währung stand am Donnerstag stark unter Druck: Der Dollar-Index, der die Kursentwicklung zu einem Währungskorb misst, fiel auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren. Der Euro stieg um gut einen US-Cent auf bis zu 1,4881 Dollar.

Analysten gehen davon aus, dass die Preise für Edelmetalle angesichts der Dollar-Schwäche sowie der weltweiten Inflationssorgen und ungelösten Schuldenprobleme in Europa weiter steigen dürften. Rohstoff-Analyst Bayram Dincer von LGT Capital Management hält bei Silber einen Höchstpreis von knapp 60 Dollar je Feinunze für möglich. Das Edelmetall sei nicht nur als Reservewährung sondern auch in der Industrie zunehmend gefragt. Silber ist ein wichtiges Material für die Schmuckindustrie, wird zur Reinigung von Wasser eingesetzt, in der Medizintechnik oder auch bei Solarmodulen.

Bemerkbar machte sich der Dollar-Rückgang am Donnerstag auch bei den Industriemetallen. Das für Stromkabel und Wasserrohre verwendete Kupfer verteuerte sich zeitweise um mehr als zwei Prozent auf 9515 Dollar je Tonne. Schwächelt der Greenback, werden in der US-Währung gehandelte Rohstoffe für Investoren außerhalb des Dollar-Raumes billiger. Zudem würden auch die Preisrückgänge der vergangenen Tage als attraktive Kaufgelegenheit betrachtet, schrieben die Analysten der Commerzbank. Angesichts der sich weiter füllenden Vorratslager in London war der Preis für die Tonne Kupfer am Mittwoch auf 9295 Dollar zurückgefallen.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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