Öl und Opec
Ein Kartell unter Zeitdruck

Das Ölkartell und Russland machen Ernst. Sie wollen die seit Januar laufende Förderkürzung um jeden Preis verlängern und so die Preismacht am Markt zurückgewinnen. Nun haben sie zumindest einen Tagessieg errungen.
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FrankfurtHatte sich der Ölpreis in den vergangenen Wochen ungewohnt resistent gegen die verbalen Eingriffe der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) gezeigt, ließ die Opec am Montag den Preis einmal mehr kräftig steigen: Am Rande des G20-Treffens in China haben der russische und der saudische Ölminister – Vertreter der zwei größten Ölförderländer der Welt – erklärt, die aktuelle Förderkürzung bis Ende März 2018 zu verlängern. Khalid Al-Falih und Alexander Nowak betonten, sie würden tun, was auch immer nötig sei, um Angebot und Nachfrage am Ölmarkt auszugleichen.

Die Nachricht hat die Ölpreise stark angetrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 2,5 Prozent auf mehr als 52 Dollar. Nordamerikanisches Leichtöl WTI zog ebenfalls deutlich auf gut 49 Dollar an, 1,20 Dollar mehr als am Vortag.

Die Opec kann damit einen Teilerfolg für sich verbuchen. Seit Wochen spekulieren Vertreter des Kartells über eine Verlängerung der Förderkürzung. Doch der leichte Aufwärtstrend stabilisierte sich zunächst nicht, erst jüngst kam es zu einem Preiseinbruch auf deutlich unter 50 Dollar für ein Barrel der Sorte Brent. Um die Kehrtwende zu vollziehen, hat die Opec die Unterstützung ihres wichtigsten Verbündeten gebraucht – Russland. Nachdem der mit elf Millionen Barrel pro Tag größte Ölproduzent der Welt seine Hilfe zugesagt hat, geht es auch mit den Preisen wieder aufwärts.

Der ursprüngliche Kürzungsdeal stammt von Ende 2016. Ziel ist es, den zwischen Mitte 2014 und Anfang 2016 von über 110 zeitweise unter 30 Dollar gefallenen Preis wieder zu kontrollierten und zu stabilisieren. Die Opec verpflichtete sich, 1,2 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger zu fördern. Elf weitere Nicht-Mitglieder, darunter Russland, sagten ihrerseits zu, 600.000 Barrel weniger zu fördern.

Das Problem: Das Abkommen läuft im Juni aus. Zwar leeren sich die prallvollen Öllager der Welt langsam. Es gibt also Zeichen, dass sich das jahrelange Überangebot in ein Defizit verwandelt. Dem Ölkartell geht dies allerdings nicht schnell genug. Sein Plan sah vor, die Vorräte auf einen Fünf-Jahres-Durchschnitt zu senken. Doch davon sind sowohl die entscheidenden Daten aus der OECD, also den wichtigen Industriestaaten, als auch den USA noch entfernt. In den USA lagen die Bestände in der vergangenen Woche bei 522,5 Millionen Barrel, was einer Reserve für 31 Tage entspricht. Die Internationale Energieagentur veröffentlicht am Dienstag ihre Zahlen für den April.

Dem Förderabkommen werden durchaus Effekte am Ölmarkt zugesprochen. Bereits Anfang Mai sagte der Finanzvorstand des Ölkonzerns BP, Brian Gilvary: „Wir erwarten, dass der hohe Stand der Öllager wieder in den oberen Bereich der historischen Spanne fällt, wenn die Opec die Kürzungen ins zweite Halbjahr verlängert.“ Gemeint war der vom Kartell angepeilte Fünf-Jahres-Durchschnitt. Die Preise dürfte das bei etwa 55 Dollar stabilisieren.

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