Öl und Rohstoffe: Ölpreis fällt unter 35 Dollar

Öl und Rohstoffe
Ölpreis fällt unter 35 Dollar

Sogar die gefährliche Zuspitzung im Nahen Osten kann dem Ölpreis offenbar nichts anhaben. Zu stark dominiert das Überangebot. Die Lagerbestände steigen auf Rekordhöhe.
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DüsseldorfWie gewonnen, so zerronnen. Selten passt dieses alte Sprichwort so zu einer Entwicklung wie bei den Kurssprüngen des Ölpreises in den vergangenen Tagen. Wegen des verschärften diplomatischen Verhältnisses zwischen Iran und Saudi-Arabien kletterte der Preis am Montag um mehr als vier Prozent auf 38 Dollar je Barrel der Sorte Brent. Und für kurze Zeit schien es, als könne die politische Krise zwischen den beiden Ölförderländer eine Trendwende einleiten. Doch nur zwei Tage nach dem Aufstieg kommt nun der Fall. Am Mittwoch krachte der Ölpreis auf ein neues Elf-Jahres-Tief. Zuletzt kostete er nicht einmal mehr 35 Dollar. Nachdem der Streit zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran eskalierte, ist der Ölpreis an den vergangenen drei Handelstagen um fast acht Prozent gefallen.

Eigentlich gilt der Nahe Osten als das wichtigste Ölfördergebiet der Welt. Fast ein Drittel des geförderten Rohstoffs kommt aus dieser Region. Während der Ölkrise in den 1970ern trieben die Golfstaaten den Ölpreis noch von drei Dollar auf 38 Dollar nach oben. Vierzig Jahre später kann die diplomatische Krise im Nahen Osten dem Preis offenbar nichts mehr anhaben. Der Grund: Es gibt einfach zu viel Öl auf dem Markt und die Opec weigert sich, die eigene Förderung zu drosseln.

Wie die neuesten Statistiken des amerikanischen Energieministeriums laut Nachrichtenagentur Bloomberg nun belegen, haben sich die Reserven der USA allein in der vergangenen Woche um 10,6 Millionen Barrel auf 232 Millionen Barrel erhöht. Das ist der höchste Anstieg in einer Woche seit 1993.

Allein im größten Öllager der Vereinigten Staaten, in Cushing im Bundesstaat Oklahoma, hätten sich die Vorräte in der vergangenen Woche um 1,37 Millionen Fässer erhöht. Das geht aus einem Bericht des American Petroleum Institute hervor.

Die gesamten Vorräte hielten sich damit mehr als 130 Millionen Barrel über dem Fünf-Jahres-Schnitt, schätzen Analysten der Schweizer Bank UBS. Ihrer Meinung nach könnte der Preis in den kommenden Monaten auf 30 Dollar je Barrel fallen.

An dem wichtigen Londoner Rohstoffhandelsplatz ICE Futures Europe fiel der Terminpreis für ein Barrel Brent im Februar am Mittwoch um 4,4 Prozent auf 34,83 Dollar. Mit dem neuen Tiefstand liegt der Brent-Preis schon fast auf dem Niveau des hauptsächlich in den USA gehandelten West Texas Intermediate (WTI). Dessen Kurs hat um bis zu 1,17 Dollar verloren und gab zuletzt auf 34,80 Dollar nach.

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  • Ich stimme Herrn Queri zu und Saudi Arabien hat ja diese Woche die Verkaufspreise wieder gesenkt. Der Ölpreis IST politisch niedrig, um Russland zu schaden und Putin auszuhebeln.

    Die USA sind Pleite.
    Die Gesamtschulden (mit Sozialversicherungen, etc.) übersteigen 100 Billionen und die gesamten Werte liegen bei 117 Billionen) mit dem Problem, dass jetzt die Werte fallen während die Schulden weiter steigen.
    Ein Blick auf die Dept Clock reicht, um dies zu sehen. Dann sind da noch die fast 500 Billionen an Derivaten, im Moment fallend.
    Wir sind im Endspielzustand, deshalb die Krisen weltweit.
    Die mächtigste Militärmacht hat die größten Schulden. Wohin das führen wird, kann sich jeder ausrechnen.
    Der niedrige Ölpreis gibt noch etwas Aufschub.

  • Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Sachverstand zu unterschieklichen Themen in Deutschland existiert.

    An dieser Stelle nur ein paar Anmerkungen zu den Kommentaren:

    BRICS-Staaten
    Nehmen wir das C für China aus dieser Wortschöpfung mal raus. Die Bedeutung des Restes für die deutsche Exportwirtschaft von den Lieferungen nach Brasilien, Russland, Indien und Südafrika insgesamt ist nicht einmal so groß, wie das Volumen nach Österreich,sondern um ca. 4 Mrd. geringer, wenn man die ersten neune Monate 2015 betrachtet.

    Die Probleme sind bekannt: Brasilien und Russland hängen am Fliegenfänger, Indien wird total überschätzt - ist mir vor zehn Jahren selbst passiert. Südafrika ?

    Das Russland riesige Vorkommen in der Arktis erschließt, eine Option, wenn realisierbar, die nur mit westlicher Technologie erschlossen werden kann. Da ist Russland auf das Wohlwollen von amerikanischen und europäischen Unternehmen angewiesen. Wie u. a. bei Offshore und Osnhore-Explorationsplattformen und den Systemen für die Öl- und Gasförderung.

    Eine andere Option: Der Zar bohrt und pumpt selbst.

  • Ich kann nicht erkennen, wieso der derzeitige Ölpreis "niedrig" sein soll. Historisch betrachtet, ist er das jedenfalls nicht. Insgesamt über 40 Jahre lang (bis zur Ölkrise 1973) lag der Ölpreis zwischen 10 und 18 Dollar. Inflationsbereinigt, versteht sich!

    Die unfaßbare Spekulationsblase, die jetzt (endlich!) geplatzt ist, hat also noch viel Luft zum entweichen.

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