Öl und Rohstoffe Ölpreis fällt unter 35 Dollar

Sogar die gefährliche Zuspitzung im Nahen Osten kann dem Ölpreis offenbar nichts anhaben. Zu stark dominiert das Überangebot. Die Lagerbestände steigen auf Rekordhöhe.
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Dank seines Ölbooms Ende des 20. Jahrhunderts ist Norwegen reich geworden. Jetzt bedrohen die niedrigen Rohstoffpreise des Landes. Quelle: Imago
Ölbohrplattform Statfjord Bravo in der Nordsee

Dank seines Ölbooms Ende des 20. Jahrhunderts ist Norwegen reich geworden. Jetzt bedrohen die niedrigen Rohstoffpreise des Landes.

(Foto: Imago)

DüsseldorfWie gewonnen, so zerronnen. Selten passt dieses alte Sprichwort so zu einer Entwicklung wie bei den Kurssprüngen des Ölpreises in den vergangenen Tagen. Wegen des verschärften diplomatischen Verhältnisses zwischen Iran und Saudi-Arabien kletterte der Preis am Montag um mehr als vier Prozent auf 38 Dollar je Barrel der Sorte Brent. Und für kurze Zeit schien es, als könne die politische Krise zwischen den beiden Ölförderländer eine Trendwende einleiten. Doch nur zwei Tage nach dem Aufstieg kommt nun der Fall. Am Mittwoch krachte der Ölpreis auf ein neues Elf-Jahres-Tief. Zuletzt kostete er nicht einmal mehr 35 Dollar. Nachdem der Streit zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran eskalierte, ist der Ölpreis an den vergangenen drei Handelstagen um fast acht Prozent gefallen.

Eigentlich gilt der Nahe Osten als das wichtigste Ölfördergebiet der Welt. Fast ein Drittel des geförderten Rohstoffs kommt aus dieser Region. Während der Ölkrise in den 1970ern trieben die Golfstaaten den Ölpreis noch von drei Dollar auf 38 Dollar nach oben. Vierzig Jahre später kann die diplomatische Krise im Nahen Osten dem Preis offenbar nichts mehr anhaben. Der Grund: Es gibt einfach zu viel Öl auf dem Markt und die Opec weigert sich, die eigene Förderung zu drosseln.

Wie die neuesten Statistiken des amerikanischen Energieministeriums laut Nachrichtenagentur Bloomberg nun belegen, haben sich die Reserven der USA allein in der vergangenen Woche um 10,6 Millionen Barrel auf 232 Millionen Barrel erhöht. Das ist der höchste Anstieg in einer Woche seit 1993.

Allein im größten Öllager der Vereinigten Staaten, in Cushing im Bundesstaat Oklahoma, hätten sich die Vorräte in der vergangenen Woche um 1,37 Millionen Fässer erhöht. Das geht aus einem Bericht des American Petroleum Institute hervor.

Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
AT0000743059
Börse
Xetra

+0,81 +1,62%
+50,46€
Chart von OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.
OMV
1 von 12

Als einer der wenigen Konzerne hat es der österreichische Öl- und Gaskonzern OMW bisher erfolgreich geschafft, dem Preisverfall an den Ölmärkten die Stirn zu bieten. Die Aktien konnten seit Jahresanfang über 15 Prozent zulegen. Zwar brach der bereinigte Gewinn im dritten Quartal um 25 Prozent auf 495 Millionen Euro ein. Experten hatten jedoch mit deutlich höheren Verlusten gerechnet. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung von einem starken Raffineriegeschäft.

Kursentwicklung: + 15,2 Prozent

TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50

WKN
ISIN
FR0000120271
Börse
Xetra

+0,02 +0,04%
+50,35€
Chart von TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50
Total
2 von 12

Der französische Öl-Konzern Total sieht angesichts der jüngsten Opec-Konferenz nicht unter Druck. Das läge vor allem daran, dass der derzeitige Ölpreis vieles davon schon eingepreist habe. Allerdings ist der Blick in die Zukunft alles andere als zuversichtlich. 2016 erwartet Total keine Erholung beim Ölpreis. Im kommenden Jahr werde die Fördermenge weiterhin über der Nachfrage liegen. „Ich bin nicht sehr optimistisch für 2016“, sagte Total-Chef Patrick Pouyanne. Die Aktien haben sich im laufenden Jahr bislang wacker geschlagen. Seit Jahresanfang liegen die Papiere leicht im Plus.

Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2015): + 0,8 Prozent

ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.

WKN
ISIN
IT0003132476
Börse
Xetra

-0,05 -0,30%
+15,93€
Chart von ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.
Eni
3 von 12

Effizienzsteigerung ist beim italienischen Ölförderer Eni derzeit oberstes Gebot. Zuletzt hatte sich der Konzern daher von der portugiesischen Galp Energia getrennt. Eni verkaufte seinen Vier-Prozent-Anteil für 325 Millionen Euro. Das Geld soll in Investitionen ins Kerngeschäft von Randgesellschaften fließen. Die Aktien haben den Preisverfall an den Rohölmärkten bisher recht gut verkraftet. Analysten der UBS und von Goldman Sachs halten ihre Kaufempfehlungen für die Eni-Aktien daher bei.

Kursentwicklung: - 1,8 Prozent

HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50

WKN
ISIN
US4062161017
Börse
Xetra

-0,30 -0,71%
+41,85€
Chart von HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50
Halliburton
4 von 12

Der zweitgrößte US-Öldienstleister Halliburton muss neben der Flaute in der Energiebranche auch zunächst die Übernahmekosten des Rivalen Baker Hughes verdauen. Im dritten Quartal schrieb der Konzern daher einen Verlust von 54 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte Halliburton noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der US-Konzern beliefert Ölförderer mit Ausrüstung. Der Investitionsrückgang der großen Ölkonzerne macht Halliburton daher stark zu schaffen.

Kursentwicklung: - 7,0 Prozent

STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50

WKN
ISIN
NO0010096985
Börse
FSE

-0,31 -1,48%
+20,58€
Chart von STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50
Statoil
5 von 12

Der norwegische Ölkonzern sucht fieberhaft nach Möglichkeiten seine Kosten zu drücken, um trotz des Ölpreisverfalls eine Dividende auszahlen zu können. Daher will Statoil im kommenden Jahr seine Ausgaben zur Erforschung neuer Ölquellen und Produktionsmethoden senken. „Unsere Aktivitäten werden im nächsten Jahr abnehmen“, erklärte der Chef der Statoil-Forschungsabteilung Tim Dodson.

Kursentwicklung: - 9,8 Prozent

BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
GB0007980591
Börse
Xetra

-0,05 -0,88%
+5,88€
Chart von BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25
BP
6 von 12

Unter dem Öl-Überangebot leidet auch die britische BP. Seit dem 1. Januar haben die Aktien über 15 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich derzeit bei 14,9. Im kommenden Jahr rechnen die Experten mit einem KGV von 15,3. Doch angesichts der Entwicklungen auf den Öl-Märkten muss mit einem weiterhin sinkenden Preis gerechnet werden. Dementsprechend geringer dürfte der BP-Gewinn 2016 ausfallen. Ein KGV von 15,3 könnte daher als gewagte Prognose verstanden werden. Bei BP überwiegen derzeit die Abwärtsrisiken die Aufwärtschancen.

Kursentwicklung: - 15,4 Prozent

EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US30231G1022
Börse
Xetra

-0,47 -0,73%
+64,10€
Chart von EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Exxon Mobil
7 von 12

Auch der größte Ölkonzern der Welt kann dem Preisverfall kaum etwas entgegensetzen. Im laufenden Jahr haben die Aktien von Exxon Mobil fast 17 Prozent verloren. Der Gewinn fiel im dritten Quartal um satte 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen die Produktion zum Vorjahr leicht steigerte, blieb wegen des massiven Preisrückgangs bei Rohöl viel weniger Geld in der Kasse. Exxon hält mit kräftigen Ausgabenkürzungen dagegen. „Wir legen den Fokus schonungslos auf die Fundamentaldaten, dazu zählt das Kostenmanagement“, erklärte Vorstandschef Rex Tillerson.

Kursentwicklung: - 16,9 Prozent

Die gesamten Vorräte hielten sich damit mehr als 130 Millionen Barrel über dem Fünf-Jahres-Schnitt, schätzen Analysten der Schweizer Bank UBS. Ihrer Meinung nach könnte der Preis in den kommenden Monaten auf 30 Dollar je Barrel fallen.

An dem wichtigen Londoner Rohstoffhandelsplatz ICE Futures Europe fiel der Terminpreis für ein Barrel Brent im Februar am Mittwoch um 4,4 Prozent auf 34,83 Dollar. Mit dem neuen Tiefstand liegt der Brent-Preis schon fast auf dem Niveau des hauptsächlich in den USA gehandelten West Texas Intermediate (WTI). Dessen Kurs hat um bis zu 1,17 Dollar verloren und gab zuletzt auf 34,80 Dollar nach.

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26 Kommentare zu "Öl und Rohstoffe: Ölpreis fällt unter 35 Dollar"

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  • Ich stimme Herrn Queri zu und Saudi Arabien hat ja diese Woche die Verkaufspreise wieder gesenkt. Der Ölpreis IST politisch niedrig, um Russland zu schaden und Putin auszuhebeln.

    Die USA sind Pleite.
    Die Gesamtschulden (mit Sozialversicherungen, etc.) übersteigen 100 Billionen und die gesamten Werte liegen bei 117 Billionen) mit dem Problem, dass jetzt die Werte fallen während die Schulden weiter steigen.
    Ein Blick auf die Dept Clock reicht, um dies zu sehen. Dann sind da noch die fast 500 Billionen an Derivaten, im Moment fallend.
    Wir sind im Endspielzustand, deshalb die Krisen weltweit.
    Die mächtigste Militärmacht hat die größten Schulden. Wohin das führen wird, kann sich jeder ausrechnen.
    Der niedrige Ölpreis gibt noch etwas Aufschub.

  • Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Sachverstand zu unterschieklichen Themen in Deutschland existiert.

    An dieser Stelle nur ein paar Anmerkungen zu den Kommentaren:

    BRICS-Staaten
    Nehmen wir das C für China aus dieser Wortschöpfung mal raus. Die Bedeutung des Restes für die deutsche Exportwirtschaft von den Lieferungen nach Brasilien, Russland, Indien und Südafrika insgesamt ist nicht einmal so groß, wie das Volumen nach Österreich,sondern um ca. 4 Mrd. geringer, wenn man die ersten neune Monate 2015 betrachtet.

    Die Probleme sind bekannt: Brasilien und Russland hängen am Fliegenfänger, Indien wird total überschätzt - ist mir vor zehn Jahren selbst passiert. Südafrika ?

    Das Russland riesige Vorkommen in der Arktis erschließt, eine Option, wenn realisierbar, die nur mit westlicher Technologie erschlossen werden kann. Da ist Russland auf das Wohlwollen von amerikanischen und europäischen Unternehmen angewiesen. Wie u. a. bei Offshore und Osnhore-Explorationsplattformen und den Systemen für die Öl- und Gasförderung.

    Eine andere Option: Der Zar bohrt und pumpt selbst.

  • Ich kann nicht erkennen, wieso der derzeitige Ölpreis "niedrig" sein soll. Historisch betrachtet, ist er das jedenfalls nicht. Insgesamt über 40 Jahre lang (bis zur Ölkrise 1973) lag der Ölpreis zwischen 10 und 18 Dollar. Inflationsbereinigt, versteht sich!

    Die unfaßbare Spekulationsblase, die jetzt (endlich!) geplatzt ist, hat also noch viel Luft zum entweichen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Der Ölpreis wird wohl erst dann wieder steigen, wenn man den BRICS-Staaten ihre Bestrebungen ausgetrieben hat, sich aus dem Petro-Dollar-System auszuklingen und eine zweite Weltbank zu gründen. Fraglich ist aber, ob das unseren Freunden jensseits des Atlantiks so einfach gelingt, Herr Otto.

    http://www.n-tv.de/politik/Brics-Staaten-gruenden-eigene-Weltbank-article13219656.html

  • Es gibt Leute die wollen Rohstoffe nicht mehr nur gegen Dollars verkaufen und die werden gerade auf dem Weg der Tugend zurückgeführt.

  • Dem Klima ist es auch sche... egal, was der Mensch gerade anstellt.

    90% der Weltgeschichte waren die Pole eisfrei. Und sie werden es wieder werden, denn das ist die Normalität.

    Menschen ohne echte Bildung verfallen ja gerne in den Wahn, dass menschliches Tun die Erde beeinflusst. Aber Erde ist ein lebender Organismus, der sich selbst reguliert.

  • Hinzu kommt, dass man gerade dabei ist, den Größenwahn der Muselmänner auf den Boden der Tatsachen zurück zu führen. Und das geht am Besten, wenn man ihnen (fast) kein Geld mehr für das Öl gibt.

    Den Rest besorgt die ISIS.

    Der tiefe Ölpreis ist also vom Westen gewollt und das wird man durchziehen, bis die Muselmänner wieder ihre Kamele durch den Sand treiben und die Türken ihre Zicken übers Hochland treiben. Erst dann ist Preis-Entwarnung.

  • @Marc Otto
    Das ist doch gerade das Schizophrene an unseren selbsternannten "Deutschen Energieexperten" aus der Grün-Sozialistischen Ecke. Erst beschweren Sie sich darüber, dass die Scheichs in Reichtum schwimmen. Einen Reichtum, der auf Basis eines OPEC Kartell mit hohen festgeschriebenen und damit marktfeindlichen Oelpreisen basiert und wenn jetzt die USA mit Fracking und Russland und andere Oelförderländer den Markt und damit für ein Überangebot an Oel den Durchbruch schaffen und somit das Oelpreiskartell OPEC in die Knie zwingt damit die Verbraucher in den Rohstoffarmen Länder wie Deutschland davon profitieren, dann ist das auf einmal etwas ganz schlimmes für die Welt.
    Ein niedrigere Oelpreis hat zur Konsequenz, dass nicht nur die Energiepreise für den Verbraucher sinken, sondern auch dass die Saudis und Scheichs und auch der IS weniger Einnahmen hat und somit die Kluft zwischen den in Reichtum schwimmenden Scheichs und den Rest der Welt kleiner wird.

  • Hallo Herr Hofmann,
    bin 100% bei Ihnen. Das witzige ist doch, dass derselbe Steuermonsterstaat sich zunehmend weigert, seinen Verpflichtungen nachzukommen und seine KERNFUNKTIONEN zu erfüllen. Siehe Köln. Deutsche Steuergelder werden in Richtung Europa und USA zweckentfremdet und der Staat aufgelöst.

    Lesen Sie auf Russia Today mal den Offenen Brief von Klaus Habel, der aus der SPD asgetreten ist. Titel: "Kann diese Politik nicht mehr unterstützen."

    Habels Erkenntnis ist leider noch nicht im Bewusstsein der Bürger angekommen. Kommt aber noch. Zwangsläufug.

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