Öl und Rohstoffe

Ölpreis saust auf neue Tiefstände

Der Ölpreis schmiert weiter ab, weil sich die Opec nicht einigen kann und immer mehr Öl fördert. Das lockt Spekulanten an, die auf niedrige Preise wetten. Goldman Sachs erwartet noch Schlimmeres.
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Abwärts geht der Ölpreis, eine wirkliche Umkehr scheint nicht in Sicht. Quelle: Imago
Öltransport per Seilbahn in den Alpen

Abwärts geht der Ölpreis, eine wirkliche Umkehr scheint nicht in Sicht.

(Foto: Imago)

DüsseldorfEr fällt und fällt und fällt. Zum Wochenauftakt macht der Ölpreis genau da weiter, wo er zuletzt aufgehört hat: Bei neuen Tiefstständen. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent kostete am Montag weniger als 37 US-Dollar. So billig war der Rohstoff zuletzt vor sieben Jahren. Bei der vor allem in Amerika gehandelten Sorte WTI sieht es noch düsterer aus. Ein Barrel kostet zuletzt weniger als 35 Dollar.

Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Negativer Preistreiber bleibt die Opec. Die Organisation erdölexportierender Länder konnte sich Anfang Dezember nicht dazu entscheiden, weniger Erdöl zu fördern. Sie wollen ihre Marktanteile verteidigen.

Nun drängt auch noch der Iran auf den Markt. Selbst wenn der Marktpreis weiter sinkt, bestehe „absolut keine Möglichkeit“, dass das Land seine Exportpläne verzögert, erklärte der stellvertretende iranische Ölminister Amir Hossein Zamaninia. Das Land am Persischen Golf möchte nach dem Aufheben der Wirtschaftssanktionen wieder in den internationalen Ölhandel einsteigen.

Für Spekulanten ist damit klar: Trotz übersättigter Nachfrage wird bald noch mehr Öl auf den Markt geschwemmt. Also setzen Hedgefonds andere Großanleger so stark auf sinkende Preise wie noch nie. Das zeigen Daten der amerikanischen Kommission für Rohstoffhandel, die Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Die Wetten auf fallende Preise stiegen in der Woche bis zum 8. Dezember um 5,8 Prozent.

Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
AT0000743059
Börse
FSE

-0,64 -1,15%
+54,78€
Chart von OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.
OMV
1 von 12

Als einer der wenigen Konzerne hat es der österreichische Öl- und Gaskonzern OMW bisher erfolgreich geschafft, dem Preisverfall an den Ölmärkten die Stirn zu bieten. Die Aktien konnten seit Jahresanfang über 15 Prozent zulegen. Zwar brach der bereinigte Gewinn im dritten Quartal um 25 Prozent auf 495 Millionen Euro ein. Experten hatten jedoch mit deutlich höheren Verlusten gerechnet. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung von einem starken Raffineriegeschäft.

Kursentwicklung: + 15,2 Prozent

TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50

WKN
ISIN
FR0000120271
Börse
FSE

-0,47 -1,00%
0,00€
Chart von TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50
Total
2 von 12

Der französische Öl-Konzern Total sieht angesichts der jüngsten Opec-Konferenz nicht unter Druck. Das läge vor allem daran, dass der derzeitige Ölpreis vieles davon schon eingepreist habe. Allerdings ist der Blick in die Zukunft alles andere als zuversichtlich. 2016 erwartet Total keine Erholung beim Ölpreis. Im kommenden Jahr werde die Fördermenge weiterhin über der Nachfrage liegen. „Ich bin nicht sehr optimistisch für 2016“, sagte Total-Chef Patrick Pouyanne. Die Aktien haben sich im laufenden Jahr bislang wacker geschlagen. Seit Jahresanfang liegen die Papiere leicht im Plus.

Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2015): + 0,8 Prozent

ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.

WKN
ISIN
IT0003132476
Börse
FSE

-0,06 -0,40%
+14,78€
Chart von ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.
Eni
3 von 12

Effizienzsteigerung ist beim italienischen Ölförderer Eni derzeit oberstes Gebot. Zuletzt hatte sich der Konzern daher von der portugiesischen Galp Energia getrennt. Eni verkaufte seinen Vier-Prozent-Anteil für 325 Millionen Euro. Das Geld soll in Investitionen ins Kerngeschäft von Randgesellschaften fließen. Die Aktien haben den Preisverfall an den Rohölmärkten bisher recht gut verkraftet. Analysten der UBS und von Goldman Sachs halten ihre Kaufempfehlungen für die Eni-Aktien daher bei.

Kursentwicklung: - 1,8 Prozent

HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50

WKN
ISIN
US4062161017
Börse
FSE

-0,80 -1,84%
0,00€
Chart von HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50
Halliburton
4 von 12

Der zweitgrößte US-Öldienstleister Halliburton muss neben der Flaute in der Energiebranche auch zunächst die Übernahmekosten des Rivalen Baker Hughes verdauen. Im dritten Quartal schrieb der Konzern daher einen Verlust von 54 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte Halliburton noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der US-Konzern beliefert Ölförderer mit Ausrüstung. Der Investitionsrückgang der großen Ölkonzerne macht Halliburton daher stark zu schaffen.

Kursentwicklung: - 7,0 Prozent

STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50

WKN
ISIN
NO0010096985
Börse
FSE

-0,28 -1,44%
0,00€
Chart von STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50
Statoil
5 von 12

Der norwegische Ölkonzern sucht fieberhaft nach Möglichkeiten seine Kosten zu drücken, um trotz des Ölpreisverfalls eine Dividende auszahlen zu können. Daher will Statoil im kommenden Jahr seine Ausgaben zur Erforschung neuer Ölquellen und Produktionsmethoden senken. „Unsere Aktivitäten werden im nächsten Jahr abnehmen“, erklärte der Chef der Statoil-Forschungsabteilung Tim Dodson.

Kursentwicklung: - 9,8 Prozent

BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
GB0007980591
Börse
FSE

-0,08 -1,39%
+5,79€
Chart von BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25
BP
6 von 12

Unter dem Öl-Überangebot leidet auch die britische BP. Seit dem 1. Januar haben die Aktien über 15 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich derzeit bei 14,9. Im kommenden Jahr rechnen die Experten mit einem KGV von 15,3. Doch angesichts der Entwicklungen auf den Öl-Märkten muss mit einem weiterhin sinkenden Preis gerechnet werden. Dementsprechend geringer dürfte der BP-Gewinn 2016 ausfallen. Ein KGV von 15,3 könnte daher als gewagte Prognose verstanden werden. Bei BP überwiegen derzeit die Abwärtsrisiken die Aufwärtschancen.

Kursentwicklung: - 15,4 Prozent

EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US30231G1022
Börse
FSE

-0,40 -0,56%
+71,00€
Chart von EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Exxon Mobil
7 von 12

Auch der größte Ölkonzern der Welt kann dem Preisverfall kaum etwas entgegensetzen. Im laufenden Jahr haben die Aktien von Exxon Mobil fast 17 Prozent verloren. Der Gewinn fiel im dritten Quartal um satte 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen die Produktion zum Vorjahr leicht steigerte, blieb wegen des massiven Preisrückgangs bei Rohöl viel weniger Geld in der Kasse. Exxon hält mit kräftigen Ausgabenkürzungen dagegen. „Wir legen den Fokus schonungslos auf die Fundamentaldaten, dazu zählt das Kostenmanagement“, erklärte Vorstandschef Rex Tillerson.

Kursentwicklung: - 16,9 Prozent

Das hat Folgen. So sank der Brent-Preis allein in der vergangenen Woche um knapp elf Prozent. So stark ging er seit einem Jahr nicht mehr zurück. Am Montag gaben sowohl Brent als auch WTI um weitere zwei bis drei Prozent nach.

Der Preis für ein Barrel WTI-Öl zur Lieferung im Januar sank am Terminmarkt um bis zu 43 Cent auf 35,19 Dollar. Noch ärger erwischte es Brent. Ein Fass des Nordseeöls kostete auf dem Terminmarkt für Januar 66 Cent weniger. Schon am Freitag schlossen Terminkontrakte für Brent auf nur 37,93 Dollar – dem niedrigsten Wert seit Dezember 2008.

„Das Fehlen einer klaren Strategie der Opec, wie in den kommenden Quartalen mit den Produktionszuwächsen aus dem Iran umgegangen werden soll, belastet den Ölpreis. Erschwerend hinzu kam jüngst die Nachricht, dass die Novemberproduktion des Kartells auf ein Drei-Jahres-Hoch gestiegen ist“, sagt der Rohstoffexperte der Saxo-Bank Ole Hansen.

„Wir haben uns auf das Schlimmste eingestellt“
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17 Kommentare zu "Öl und Rohstoffe: Ölpreis saust auf neue Tiefstände"

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  • Es ist schon erstaunlich, wie die USA für alles Übel in der Welt verantwortlich sind - selbst wenn der Ölpreis sinkt und ich für wenig Geld durch die Straßen brettern kann. Diese Gesellschaft wird das Heulen und Jammern auch nie verlernen. Schimpfen, das kann der Deutsche auf alles und jeden. Aber wehe es geht ans eigene Portfolio! So manchem bösen Kommentator dichte ich hier ein Ölhaltiges Depot an... :)

  • Ist Ihnen der Aluhut weggeflogen?

  • Soll nur weiter runtersausen, so billig habe ich noch Benzin für mein Feuerzeug bekommen.
    Jetzt gönne ich mir drei-vier Zigarettchen mehr am Tag.

  • Soll ich Bloomberg so verstehen, weil der Iran nun eine Million Fass Öl mehr produziert als voriges Jahr, sinkt der Ölpreis für 90 Millionen Fass am Tag um fast 70 Prozent von 115 Dollar für Brent auf 37 Dollar. Dieser Preis soll nun weiter sinken. Aber kann der Ölpreis denn nochmal um 70, 50 oder 40 Dollar je Fass sinken? Will denn niemand erklären, warum halbierter Preis nicht doppelte Nachfrage ergibt? Gilt doch sonst bei allen Gütern.

  • @Rainer von Horn
    Wettbewerb und wirtschaftliche Wertschöpfungskette ist bei den sog. Erneuerbaren Energien ein Fremdwort. Das wissen wir doch alle.
    Und von Dauersubventionsgesetzen wie dem EEG lässt sich auf Dauer keine Volkswirtschaft erfolgreich bestreiten. Das sollten sie doch auch wissen. Danke!

  • @J. Teufel
    Sagen wir es mal so...nicht die USA sind Schuld daran, wenn sich Europa verabschiedet, sondern da ist Europa bzw. die Regierungen der europäischen Ländern schon selbst daran schuld, wenn die sich einen Institution namens EU unterwerfen, die bewusst von den USA unterstützt und gleichzeitig unterwandert wurde. Die EU ist nichts anders als der verlängerte Arm der USA damit die europäischen Nationalstaaten wirtschaftlich und politisch unter die Kontrolle der USA gebracht werden können. Europa war und ist nur stark mit der Vielfalt ihrer Kulturen, Gesellschafts- und Wirtschafts- wie auch Währungssysteme. Das ist die Kraft auf die Europa gebaut hat. Und genau diese Kraft der Unterschiede = Vielfalt in Form von Nationalstaaten wurde mit der EU abgeschafft und dagegen wehren sich aber jetzt immer mehr EU Länder...in Frankreich, Dänemark, England, Polen, Österreich und auch in Deutschland will man zurück zu seinen kulturellen Nationalen Wurzeln. Und das ist auch gut so! Der Sozialistische Einheitsbrei in Form der EU hat kein gutes Ende für die Europäer. Auch das DDR System ist zum Schluss gescheitert. Und genauso wird die EU an der freien Markt Gesellschaft scheitern.

  • Ich meinte damit auch in erster Linie die Steuer auf die Steuer. Also die MwSt., die ja bekanntlich erst on Top draufgeschlagen wird. Ist schon ein sehr perfides ausgeklügeltes System, wenn man als Verbraucher Steuern auf Steuern zahlen muss. Sowas können sich nur Menschenverächter ausdenken.

  • Ich stime Ihnen vollkommen zu Frau Engel,

    zumindest sind die Ergebnisse der amerikanischen Aussenpolitik sichtbar und keine Theorien. Und natürlich geht es darum, auch Europa zu schwächen.
    Man muss sich doch nur die Euro-Entwicklung von 2000 bis 2008, also bis zur Finanzkrise anschauen, dann sieht man womit die USA ein Problem hatten.

    Russland ist eine Atommacht und liefert Rohstoffe. Zusammen mit Russland war Europa doch wirtschaftlich unschlagbar und alle Seiten profitierten. Ausser den USA natürlich, denen die Felle davonschwammen.

    Die sich anbahnende Wirtschaftsachse China - Russland - Europa muss ja der Albtraum für einige Politiker der USA gewesen sein. Es ist natürlich für die USA einfacher, gegen Russland zu agieren als gegen Europa, wo die wirtschaftliche Konkurrenz stark ist.

    Eine andere Frage: Was gewinnt Russland aus den Krisen insbesondere in der Ukraine???
    Wirtschaftlich war es nicht Russland, das V O R der Ukraine-Krise stark angeschlagen war, im Gegenteil. Aus einem Pleitestaat vor 15 Jahren wurde eine kräftige Wirtschaftskraft.

    In dieses Bild passt auch:
    Wozu braucht man TTIP, ein zum Grossteil geheimes Wirtschaftsabkommen, bei dem die nationalen Justizen bei Handelsdifferenzen abgeschaft werden und wir endgültig verkauft werden?

    Für den 1. Irak-Krieg wurde zumindest noch ein UN-Mandat eingeholt. Heute bewegen sich die USA und jetzt auch die Europäer ausserhalb des Völkerrechts und es ist für alle OK.

    Bomben werden keine Probleme lösen, aber sie schaffen die Vorraussetzungen, um dem Volk alles möglich zu verkaufen.

    Und Deutschland stand hier in der Verantwortung und hätte Schlimmeres verhindern können, aber nicht mit diesen Politikern, die wir heute haben.

  • Ich füge noch hinzu, daß die deutsche Politik die USA so ziemlich vorbehaltlos unterstützen, mehr oder weniger. Somit auch für das Erstarken des IS verantwortlich sind, und das bewußt. Ja sogar von dem Chaos dort profitieren will. Die Sorge um das Wohlergehen der Flüchtlinge lassen wir mal getrost beiseite, das christliche Mitgefühl sowieso. Sowas gibt's nur zu Weihnachten. Also wir alle, die wir hier Steuern zahlen, und die Parteibonzen gewählt haben, sind indirekt mitverantwortlich für die Greueltaten die da im Nahen Osten verübt werden. Eines muß man aber den deutschen Obermotzen zugute halten. Dort haufenweise Waffen hinzuverkaufen ist anerkennenswert. Auf das die sich dort gegenseitig in Klump schießen. Da hat man deren Mentalität gut erkannt.
    Sarkasmus inklusive unter Vorbehalt.

  • Solange die USA den Handel zwischen den IS-Kopfabschneidern und den Türken nicht unterbindet oder vielmehr bekämpft, also den IS als Verbündeten in einem Ölpreiskrieg gegen Rußland benutzt, kann der IS auch nicht besiegt werden. Vielleicht wollen die Amis ja nicht nur Rußland mit dem billigen Öl destabilisieren, sondern auch in Kauf nehmen, daß überall Chaos entsteht? Theorien darüber gibt es ja zuhauf, weil die Ergebnisse amerikanischer Außenpolitik immer dieselben Desaster hervorrufen.

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