Öl und Rohstoffe Ölpreis saust auf neue Tiefstände

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„Wir haben uns auf das Schlimmste eingestellt“
Weltuntergangsstimmung in der Ölindustrie: Der Preis für den Rohstoff fällt weiter. Quelle: Imago
Bruce-Ölfeld in der Norsee

Weltuntergangsstimmung in der Ölindustrie: Der Preis für den Rohstoff fällt weiter.

(Foto: Imago)

Damit ist der kurzfristige Preisverfall besiegelt. Und auch mittelfristig stehen die Chancen schlecht. Der Überfluss am Ölmarkt werde noch mindestens bis Ende 2016 anhalten, schätzt auch die Internationale Energieagentur (IEA). „Es wird immer unwahrscheinlicher, dass Brent vor 2017 wieder bei über 60 USD pro Barrel gehandelt werden wird“, sagt Hansen.

Diese Prognosen teilt auch der Rohstoffanalyst der Commerzbank, Eugen Weinberg. „Düstere Stimmung nährt düstere Stimmung“, sagt er. Auf dem Markt spiegele sich jetzt wider, dass die Opec keine Preiskontrolle mehr übernimmt oder gar eine Preisuntergrenze durch kontrollierte Förderung einzieht. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Organisation in naher Zukunft von ihrer Strategie abweicht“, schätzt Weinberg. Besonders düstere Aussichten hält Goldman Sachs. Die Analysten der Bank rechnen damit, dass sich der Preis für ein Barrel WTI 2016 auf 20 Dollar nahezu halbiert.

Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
AT0000743059
Börse
L&S

-0,66 -1,38%
+47,13€
Chart von OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.
OMV
1 von 12

Als einer der wenigen Konzerne hat es der österreichische Öl- und Gaskonzern OMW bisher erfolgreich geschafft, dem Preisverfall an den Ölmärkten die Stirn zu bieten. Die Aktien konnten seit Jahresanfang über 15 Prozent zulegen. Zwar brach der bereinigte Gewinn im dritten Quartal um 25 Prozent auf 495 Millionen Euro ein. Experten hatten jedoch mit deutlich höheren Verlusten gerechnet. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung von einem starken Raffineriegeschäft.

Kursentwicklung: + 15,2 Prozent

TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50

WKN
ISIN
FR0000120271
Börse
L&S

+0,14 +0,30%
+47,11€
Chart von TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50
Total
2 von 12

Der französische Öl-Konzern Total sieht angesichts der jüngsten Opec-Konferenz nicht unter Druck. Das läge vor allem daran, dass der derzeitige Ölpreis vieles davon schon eingepreist habe. Allerdings ist der Blick in die Zukunft alles andere als zuversichtlich. 2016 erwartet Total keine Erholung beim Ölpreis. Im kommenden Jahr werde die Fördermenge weiterhin über der Nachfrage liegen. „Ich bin nicht sehr optimistisch für 2016“, sagte Total-Chef Patrick Pouyanne. Die Aktien haben sich im laufenden Jahr bislang wacker geschlagen. Seit Jahresanfang liegen die Papiere leicht im Plus.

Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2015): + 0,8 Prozent

ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.

WKN
ISIN
IT0003132476
Börse
L&S

+0,02 +0,15%
+13,80€
Chart von ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.
Eni
3 von 12

Effizienzsteigerung ist beim italienischen Ölförderer Eni derzeit oberstes Gebot. Zuletzt hatte sich der Konzern daher von der portugiesischen Galp Energia getrennt. Eni verkaufte seinen Vier-Prozent-Anteil für 325 Millionen Euro. Das Geld soll in Investitionen ins Kerngeschäft von Randgesellschaften fließen. Die Aktien haben den Preisverfall an den Rohölmärkten bisher recht gut verkraftet. Analysten der UBS und von Goldman Sachs halten ihre Kaufempfehlungen für die Eni-Aktien daher bei.

Kursentwicklung: - 1,8 Prozent

HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50

WKN
ISIN
US4062161017
Börse
L&S

+1,34 +3,59%
+39,24€
Chart von HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50
Halliburton
4 von 12

Der zweitgrößte US-Öldienstleister Halliburton muss neben der Flaute in der Energiebranche auch zunächst die Übernahmekosten des Rivalen Baker Hughes verdauen. Im dritten Quartal schrieb der Konzern daher einen Verlust von 54 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte Halliburton noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der US-Konzern beliefert Ölförderer mit Ausrüstung. Der Investitionsrückgang der großen Ölkonzerne macht Halliburton daher stark zu schaffen.

Kursentwicklung: - 7,0 Prozent

STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50

WKN
ISIN
NO0010096985
Börse
L&S

+0,47 +2,61%
+18,80€
Chart von STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50
Statoil
5 von 12

Der norwegische Ölkonzern sucht fieberhaft nach Möglichkeiten seine Kosten zu drücken, um trotz des Ölpreisverfalls eine Dividende auszahlen zu können. Daher will Statoil im kommenden Jahr seine Ausgaben zur Erforschung neuer Ölquellen und Produktionsmethoden senken. „Unsere Aktivitäten werden im nächsten Jahr abnehmen“, erklärte der Chef der Statoil-Forschungsabteilung Tim Dodson.

Kursentwicklung: - 9,8 Prozent

BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
GB0007980591
Börse
L&S

+0,05 +0,85%
+5,44€
Chart von BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25
BP
6 von 12

Unter dem Öl-Überangebot leidet auch die britische BP. Seit dem 1. Januar haben die Aktien über 15 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich derzeit bei 14,9. Im kommenden Jahr rechnen die Experten mit einem KGV von 15,3. Doch angesichts der Entwicklungen auf den Öl-Märkten muss mit einem weiterhin sinkenden Preis gerechnet werden. Dementsprechend geringer dürfte der BP-Gewinn 2016 ausfallen. Ein KGV von 15,3 könnte daher als gewagte Prognose verstanden werden. Bei BP überwiegen derzeit die Abwärtsrisiken die Aufwärtschancen.

Kursentwicklung: - 15,4 Prozent

EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US30231G1022
Börse
L&S

+0,78 +1,25%
+62,85€
Chart von EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Exxon Mobil
7 von 12

Auch der größte Ölkonzern der Welt kann dem Preisverfall kaum etwas entgegensetzen. Im laufenden Jahr haben die Aktien von Exxon Mobil fast 17 Prozent verloren. Der Gewinn fiel im dritten Quartal um satte 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen die Produktion zum Vorjahr leicht steigerte, blieb wegen des massiven Preisrückgangs bei Rohöl viel weniger Geld in der Kasse. Exxon hält mit kräftigen Ausgabenkürzungen dagegen. „Wir legen den Fokus schonungslos auf die Fundamentaldaten, dazu zählt das Kostenmanagement“, erklärte Vorstandschef Rex Tillerson.

Kursentwicklung: - 16,9 Prozent

Die Flutungs-Strategie der Opec zeigt bei seinen Konkurrenten indes Wirkung. Das Angebot von Nicht-Opec-Ländern am globalen Ölmarkt fiel zuletzt so stark wie seit 1992 nicht mehr. Wie drastisch insbesondere die USA darunter leiden, zeigen Statistiken des Erdölzulieferers Baker Hughes. Demnach sank die Zahl der Öl-Fördertürme in den USA im Dezember auf 524. Das ist gerade noch ein Drittel vom Vorjahreswert (1546). Gewissermaßen offenbart sich darin eine Ironie des Schicksals. Denn gerade diese neu erschlossenen Quellen waren es, die den Ölpreis im vergangenen Jahr in die Tiefe stürzten. Im Juni 2014 notierte der Preis für Brent noch bei 115 Dollar.

Wenn der Iran nun seinen Export wieder aufnimmt, könnte sich diese Entwicklung sogar noch verschärfen. Schon im Januar hofft der Iran auf die Aufhebungen einiger Wirtschaftssanktionen. Erste Verträge für den Ölexport seien bereits abgeschlossen, sagte der stellvertretende Ölminister Zamaninia. Künftig wolle der Iran seinen Öl- und Gasmarkt auch Investoren öffnen.

„Niedriger Öl-Preis kann noch Jahrzehnte bestehen“

„Niedriger Öl-Preis kann noch Jahrzehnte bestehen“

Bereits im November förderte der Iran 2,8 Millionen Barrel Öl pro Tag – Ende 2014 waren es noch 1,8 Millionen Barrel. Diesen Aufwärtstrend wird wohl auch der niedrige Preis nicht stoppen können. „Wir rechnen ohnehin mit einem Niedrigpreis-Markt und haben uns auf das schlimmste Szenario eingestellt”, sagt der stellvertretende Ölminister Zamaninia. Das dürften gute Nachrichten für die Wetten der Spekulanten sein.

Mit Material von Bloomberg.

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Mehr zu: Öl und Rohstoffe - Ölpreis saust auf neue Tiefstände

17 Kommentare zu "Öl und Rohstoffe: Ölpreis saust auf neue Tiefstände"

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  • Es ist schon erstaunlich, wie die USA für alles Übel in der Welt verantwortlich sind - selbst wenn der Ölpreis sinkt und ich für wenig Geld durch die Straßen brettern kann. Diese Gesellschaft wird das Heulen und Jammern auch nie verlernen. Schimpfen, das kann der Deutsche auf alles und jeden. Aber wehe es geht ans eigene Portfolio! So manchem bösen Kommentator dichte ich hier ein Ölhaltiges Depot an... :)

  • Ist Ihnen der Aluhut weggeflogen?

  • Soll nur weiter runtersausen, so billig habe ich noch Benzin für mein Feuerzeug bekommen.
    Jetzt gönne ich mir drei-vier Zigarettchen mehr am Tag.

  • Soll ich Bloomberg so verstehen, weil der Iran nun eine Million Fass Öl mehr produziert als voriges Jahr, sinkt der Ölpreis für 90 Millionen Fass am Tag um fast 70 Prozent von 115 Dollar für Brent auf 37 Dollar. Dieser Preis soll nun weiter sinken. Aber kann der Ölpreis denn nochmal um 70, 50 oder 40 Dollar je Fass sinken? Will denn niemand erklären, warum halbierter Preis nicht doppelte Nachfrage ergibt? Gilt doch sonst bei allen Gütern.

  • @Rainer von Horn
    Wettbewerb und wirtschaftliche Wertschöpfungskette ist bei den sog. Erneuerbaren Energien ein Fremdwort. Das wissen wir doch alle.
    Und von Dauersubventionsgesetzen wie dem EEG lässt sich auf Dauer keine Volkswirtschaft erfolgreich bestreiten. Das sollten sie doch auch wissen. Danke!

  • @J. Teufel
    Sagen wir es mal so...nicht die USA sind Schuld daran, wenn sich Europa verabschiedet, sondern da ist Europa bzw. die Regierungen der europäischen Ländern schon selbst daran schuld, wenn die sich einen Institution namens EU unterwerfen, die bewusst von den USA unterstützt und gleichzeitig unterwandert wurde. Die EU ist nichts anders als der verlängerte Arm der USA damit die europäischen Nationalstaaten wirtschaftlich und politisch unter die Kontrolle der USA gebracht werden können. Europa war und ist nur stark mit der Vielfalt ihrer Kulturen, Gesellschafts- und Wirtschafts- wie auch Währungssysteme. Das ist die Kraft auf die Europa gebaut hat. Und genau diese Kraft der Unterschiede = Vielfalt in Form von Nationalstaaten wurde mit der EU abgeschafft und dagegen wehren sich aber jetzt immer mehr EU Länder...in Frankreich, Dänemark, England, Polen, Österreich und auch in Deutschland will man zurück zu seinen kulturellen Nationalen Wurzeln. Und das ist auch gut so! Der Sozialistische Einheitsbrei in Form der EU hat kein gutes Ende für die Europäer. Auch das DDR System ist zum Schluss gescheitert. Und genauso wird die EU an der freien Markt Gesellschaft scheitern.

  • Ich meinte damit auch in erster Linie die Steuer auf die Steuer. Also die MwSt., die ja bekanntlich erst on Top draufgeschlagen wird. Ist schon ein sehr perfides ausgeklügeltes System, wenn man als Verbraucher Steuern auf Steuern zahlen muss. Sowas können sich nur Menschenverächter ausdenken.

  • Ich stime Ihnen vollkommen zu Frau Engel,

    zumindest sind die Ergebnisse der amerikanischen Aussenpolitik sichtbar und keine Theorien. Und natürlich geht es darum, auch Europa zu schwächen.
    Man muss sich doch nur die Euro-Entwicklung von 2000 bis 2008, also bis zur Finanzkrise anschauen, dann sieht man womit die USA ein Problem hatten.

    Russland ist eine Atommacht und liefert Rohstoffe. Zusammen mit Russland war Europa doch wirtschaftlich unschlagbar und alle Seiten profitierten. Ausser den USA natürlich, denen die Felle davonschwammen.

    Die sich anbahnende Wirtschaftsachse China - Russland - Europa muss ja der Albtraum für einige Politiker der USA gewesen sein. Es ist natürlich für die USA einfacher, gegen Russland zu agieren als gegen Europa, wo die wirtschaftliche Konkurrenz stark ist.

    Eine andere Frage: Was gewinnt Russland aus den Krisen insbesondere in der Ukraine???
    Wirtschaftlich war es nicht Russland, das V O R der Ukraine-Krise stark angeschlagen war, im Gegenteil. Aus einem Pleitestaat vor 15 Jahren wurde eine kräftige Wirtschaftskraft.

    In dieses Bild passt auch:
    Wozu braucht man TTIP, ein zum Grossteil geheimes Wirtschaftsabkommen, bei dem die nationalen Justizen bei Handelsdifferenzen abgeschaft werden und wir endgültig verkauft werden?

    Für den 1. Irak-Krieg wurde zumindest noch ein UN-Mandat eingeholt. Heute bewegen sich die USA und jetzt auch die Europäer ausserhalb des Völkerrechts und es ist für alle OK.

    Bomben werden keine Probleme lösen, aber sie schaffen die Vorraussetzungen, um dem Volk alles möglich zu verkaufen.

    Und Deutschland stand hier in der Verantwortung und hätte Schlimmeres verhindern können, aber nicht mit diesen Politikern, die wir heute haben.

  • Ich füge noch hinzu, daß die deutsche Politik die USA so ziemlich vorbehaltlos unterstützen, mehr oder weniger. Somit auch für das Erstarken des IS verantwortlich sind, und das bewußt. Ja sogar von dem Chaos dort profitieren will. Die Sorge um das Wohlergehen der Flüchtlinge lassen wir mal getrost beiseite, das christliche Mitgefühl sowieso. Sowas gibt's nur zu Weihnachten. Also wir alle, die wir hier Steuern zahlen, und die Parteibonzen gewählt haben, sind indirekt mitverantwortlich für die Greueltaten die da im Nahen Osten verübt werden. Eines muß man aber den deutschen Obermotzen zugute halten. Dort haufenweise Waffen hinzuverkaufen ist anerkennenswert. Auf das die sich dort gegenseitig in Klump schießen. Da hat man deren Mentalität gut erkannt.
    Sarkasmus inklusive unter Vorbehalt.

  • Solange die USA den Handel zwischen den IS-Kopfabschneidern und den Türken nicht unterbindet oder vielmehr bekämpft, also den IS als Verbündeten in einem Ölpreiskrieg gegen Rußland benutzt, kann der IS auch nicht besiegt werden. Vielleicht wollen die Amis ja nicht nur Rußland mit dem billigen Öl destabilisieren, sondern auch in Kauf nehmen, daß überall Chaos entsteht? Theorien darüber gibt es ja zuhauf, weil die Ergebnisse amerikanischer Außenpolitik immer dieselben Desaster hervorrufen.

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