Ölförderung
Bis zum letzten Tropfen

Der spektakuläre Ölfund vor der Küste Brasiliens hat den Ölpreis nicht sinken lassen. Im Gegenteil, das „schwarze Gold“ jagt weiter die eigenen Rekordhöhen. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage scheinen ausgehebelt – und die Branche sieht dafür gute Gründe.

DÜSSELDORF. Nichts, aber auch gar nichts kann den Ölpreis stoppen. Eine Rezession in den USA, dem größten Ölverbraucher der Welt? Der Ölpreis steigt. Milliardeninvestitionen in alternative Kraftstoffe? Der Ölpreis steigt. Und ein riesiger Fund, ein gigantisches neues Ölfeld in Brasilien? Am Dienstag lief diese Meldung wie ein Lauffeuer durch die Börsensäle. Die Aktien der betroffenen Unternehmen legten um fünf bis zehn Prozent zu. Und der Ölpreis? Er stieg auch. Auf 111 Dollar pro Fass. Ein neuer Rekord.

„Der Markt verhält sich außerordentlich seltsam“, sagt Robert Mabro vom Oxford Institute for Energy Studies. „Aber inzwischen müssen wir wohl Öl mehr als Finanzanlage betrachten und weniger als Rohstoff. Die Leute stecken ihr Geld in Öl, weil sie anderen Finanzanlagen misstrauen. Was wir hier sehen, hat mit den Gesetzen von Angebot und Nachfrage nicht mehr viel zu tun.“

Deshalb steigt der Preis auch dann, wenn das Angebot sich massiv erhöht. 33 Mrd. Barrel – so groß ist das Ölfeld, das ein internationales Konsortium vor der Küste Brasiliens entdeckt hat. 33 Mrd. Barrel – das ist auch für die an Gigantismus gewöhnte Ölbranche eine gewaltige Menge. Zum Vergleich: Die kompletten Ölreserven der USA betragen nur rund 20 Mrd. Barrel.

Dennoch warnen Experten vor falschen Schlüssen. Weder müsse der Ölpreis in absehbarer Zeit sinken, noch sei ausgemacht, dass der Fund in Brasilien überhaupt nennenswerte Auswirkungen habe, sagt Hans Georg Babies von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. „Das Öl in Brasilien liegt 2 000 Meter unter der Wasseroberfläche. Keiner weiß, wie hoch die tatsächlich förderbare Menge ist und um welches Öl es da überhaupt geht.“

Wenn es gut läuft für Brasilien, dann können nach derzeitigem Technikstand rund 35 Prozent des Ölvorkommens gefördert werden. Das ist schon eine erhebliche Steigerung gegenüber der Vergangenheit, als nur ein Viertel des vorhandenen Öls gefördert werden konnte. Doch technischer Fortschritt und höhere Ölpreise haben die Grenzen des Möglichen nach oben verschoben.

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