Ölgeschäfte im Iran
Russland als lachender Dritter

Christophe de Margerie zieht die Notbremse: Der Chef des französischen Ölkonzerns Total hat die Förderprojekte des Konzerns im Iran gestoppt. Sollten auch andere dem politischen Druck nachgeben, freut sich ein Dritter - denn Europas Abhängigkeit von Russland vergrößert sich.

BERLIN/LONDON. Damit reagierte Total auf die Verschärfung des Konflikts um das Nuklearprogramm Teherans. Zugleich verschärft sich das Dilemma auf dem Weltmarkt für Öl und Gas, auf dem die Sorge über ein knappes Ölangebot zuletzt den Preis auf Rekordhöhe getrieben hat. Politische Konflikte sind der größte Bremsklotz für die Konzerne. Sie lähmen mit dem Iran und dem benachbarten Irak zwei der Staaten mit den größten Energiereserven der Welt.

Der Iran ist der zweitgrößte Ölexporteur im Opec-Kartell. Er hat nach eigenen Angaben eine Produktionskapazität von 4,35 Millionen Barrel (159-Liter-Fass) am Tag, fast halb so viel wie Saudi-Arabien. Bis 2014 will er sie auf 5,3 Mill. Barrel steigern. Die Gasexporte will Iran sogar auf das Zweieinhalbfache steigern. Doch dafür braucht der fundamentalistische Staat Hunderte von Milliarden Dollar aus dem Ausland.

Die USA haben gegen den Iran Sanktionen verhängt, um ihn von seinem Nuklearprogramm abzubringen. US-Ölkonzerne dürfen hier nicht tätig werden. Nun geben auch europäische Konzerne dem Druck nach. Sie haben zwar schon Milliarden in die Erschließung von Öl- und Gasfeldern investiert, fürchten aber großen politischen Schaden. Eine Total-Sprecherin gestand am Donnerstag ein, es sei keine gute Zeit für Investitionen im Iran.

Europas größter Ölkonzern Royal Dutch Shell verhandelt gerade mit dem Iran darüber, seinen Block "South Pars 13" im Persischen Golf gegen ein anderes, später zu erschließendes Gasfeld einzutauschen. Offiziell sind dafür kommerzielle Gründe ausschlaggebend, doch mit der Verschiebung kauft sich Shell Zeit. "Wenn wir die endgültige Entscheidung treffen, dann werden wir politische Erwägungen einbeziehen", sagt eine Sprecherin.

Shells spanischer Partner Repsol hat noch nicht über sein weiteres Vorgehen entschieden. Der italienische Energiekonzern Eni und die norwegische Statoil Hydro wollen ihre Verträge einhalten, aber keine neuen abschließen.

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