Ölkartell sorgt sich um Nachfrage-Rückgang
Experten: Opec wird Förderung kürzen

Die Ölförderung wird vorerst nicht gekürzt. Das hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf ihrem Sondertreffen in Kairo am Samstag beschlossen. Allerdings trifft sich das Produzentenkartell bereits am 17. Dezember erneut in Oran, Algerien. Experten erwarten dann in jedem Fall eine Kürzung der Produktion. Fraglich ist nur noch, wie hoch diese ausfallen wird.

DUBAI/ DÜSSELDORF. Die Ölpreise waren als Folge eines kräftigen Nachfragerückgangs eingebrochen. Anfang Juli war Rohöl mit über 140 Dollar je Barrel (159 Liter) so teuer wie nie zuvor. Inzwischen kosteten das europäische Brentöl und auch die US-Marke WTI zeitweise weniger als 50 Dollar. Angesichts des Preisrückgangs hatte die Opec, die für gut 40 Prozent des Weltölangebots steht, ihre Förderung Ende Oktober um 1,5 Mio. Barrel am Tag gekürzt.

„Die Minister sind übereingekommen, die Situation am Markt über die nächsten zwei Wochen genau zu prüfen“, sagte Opec-Präsident Chakib Khelil. Das Ölkartell sei sich zudem einig darüber, in Oran jede weitere Maßnahme zu ergreifen, die „dem Gleichgewicht von Ölangebot und -Nachfrage und der Stabilisierung der Märkte diene“. Sorgen bereiten der Opec vor allem die Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Nachfragerückgang.

Erstmals seit Jahren wurde in Opec-Kreisen ein Preisziel genannt. „Es gibt gute Gründe für einen Preis von 75 Dollar je Barrel“, sagte der arabische Ölminister Ali al-Naimi. Langfristig ist dieses Preisniveau nach Einschätzung von Eugen Weinberg, Rohstoffspezialist der Commerzbank, vertretbar, im Moment sei angesichts der wirtschaftlichen Risiken daran aber nicht zu denken. „Eigentlich interessiert sich an den Märkten niemand für das nun gesetzte Preisziel von 75 Dollar“, bringt es Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf Punkt. Es werde daher keine Auswirkungen haben.

An den Märkten wird darüber spekuliert, wie stark das Kartell Mitte Dezember seine Produktion kappen wird. „Eine Kürzung von mindestens einer Million Barrel ist wahrscheinlich“, sagte Weinberg. Bei einem kleineren Produktionsschnitt werde die Wirkung an den Märkten verpuffen. Auch Fachleute aus der Golf-Region rechnen fest mit einer weiteren Drosselung. „Die Tatsache, dass die Produktion zurückgefahren wird, ist unbestritten: Es dreht sich nur noch um die Menge“, sagte der frühere geschäftsführende Generalsekretär der Opec, Adnan Shihab-Eldin, dem Handelsblatt.

Informelle Schätzungen gingen von einer Kürzung zwischen 500 000 und einer Million Barrel pro Tag aus, betonte Shihab-Eldin, der heute den stellvertretenden kuwaitischen Premierminister berät. Die Öl-Allianz werde ihre Entscheidung von Daten abhängig machen, die Mitte Dezember auf den Markt kämen. Dabei gehe es um die Hochrechnung für den globalen Ölbedarf im ersten Quartal 2009, die OECD-Lagerbestände und die US-Nachfrage.

Den Ölpreis sieht Shihab-Eldin in den nächsten Monaten zwischen 40 und 60 Dollar bei „hoher Volatilität“. Auch Georges Makhoul, Chef der US-Bank Morgan Stanley für den Mittleren Osten und Nordafrika, erwartet für das kommende Jahr einen durchschnittlichen Ölpreis von 60 bis 70 Dollar. „Der langfristige Trend bei den Energie-Preisen zeigt nach oben“, sagte Makhoul dem Handelsblatt. „Kurzfristig steht der Ölpreis durch die erwartete Kürzung der Opec-Fördermenge sowie den Winter-Einbruch in Europa und den USA unter Aufwärtsdruck“, so Makhoul.

Die Opec werde künftig neben dem Preis auch andere Daten für ihre Produktion zugrunde legen, betonte Catherine Hunter von dem Wirtschafts-Informationsdienst Global Insight. „Wegen Wechselkurs-Schwankungen und unterschiedlicher Währungs-Kalkulationen werden zunehmend die Lagerbestände der OECD-Länder herangezogen“, sagte Hunter. Dabei zeichne sich ab, dass die Opec für die Öl-Reserven eine Obergrenze von 51 bis 52 Tagen toleriere. Im dritten Quartal war das Volumen hingegen auf rund 55 Tage gestiegen. „Der Ölpreis ist nicht mehr das einzige Kriterium“, so Hunter.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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