Ölmacht Iran
Iran schwimmt in Petro-Euros

Das islamische Land fördert momentan so viel Öl wie seit der Revolution 1979 nicht mehr. Das überrascht, den Experten berichten seit Jahren über veraltete Anlagen und mangelnde Investitionen. Jetzt macht sich Teheran ein weiteres mal für eine Senkung der OPEC-Fördermengen stark.

BERLIN. Iran verlangt bereits seit längerem eine Senkung der Opec -Ölproduktion und will dies jetzt durchsetzen: "Vergangene Jahre haben gezeigt, dass im zweiten Quartal die Nachfrage zurückgeht und dass eine niedrigere Höchstfördermenge notwendig sein kann", erklärte Teherans neuer Ölminister Gholamhossein Nozari vor seiner Abreise zu dem Opec -Treffen.

Zuvor hatte Nozari bekannt gegeben, dass Iran in dem bis Ende März laufenden iranischen Kalenderjahr mit einer Ölförderung von 4,2 Mill. Barrel am Tag den höchsten Stand seit der Islamischen Revolution 1979 erreicht habe. Davor und vor dem Krieg mit dem Irak habe die Produktion täglich bei sechs Mill. Fass gelegen. Insgesamt werde Teheran mit einem Gewinn von 63 Mrd. Dollar aus seinem Ölgeschäft einen Einnahmerekord erzielen. Er rechne für dieses Jahr bei anhaltend hohen Ölpreisen mit einem ähnlichen Ergebnis - allerdings in Form von Petro-Euros, denn Teheran hat wegen der zunehmenden Sanktionen seine Exporte von Dollar auf Euro umgestellt.

Diese Zahlen überraschen. Analysten hatten seit Jahren über eine sinkende Erdölförderung der Mullahs berichtet. Als Grund wurden die stark veralteten Anlagen und mangelnde Investitionen genannt. Dieses Problem könnte nun aber mit Hilfe Russlands und Chinas überwunden werden: Gazprom Neft, die Öltochter des weltgrößten Gaskonzerns, hat gerade mit Teheran den Einstieg in die Rohölförderung in Iran vereinbart. Und Chinas Energiekonzern CNOOC steht laut iranischer Agentur Fars vor dem Abschluss eines 16 Mrd. Dollar umfassenden Produktionsvertrages mit den Persern. Zwar geht es dabei vor allem um das Gasgeschäft, doch werden laut Analysten durch die ausländischen Partner im Gassektor Investitionsmittel für den Ölsektor frei.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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