Ölmacht Venezuela
Venezuelas Drohungen verunsichern die Märkte

Hugo Chavez' Macht als Ölförderer sinkt eigentlich seit Jahren. Dennoch kann er mit ein paar markigen Sprüchen den Preis immer wieder in die Höhe treiben. Denn für die gehassten USA ist Venezuela immer noch einer der wichtigsten Lieferanten - und Chavez gilt als unberechenbar.

SAO PAULO. Venezuelas Bedeutung als Ölförderer nimmt Jahr für Jahr ab - dennoch gelingt es Venezuelas Präsident Hugo Chávez immer wieder, mit ein paar Drohungen gegenüber den USA den Ölpreis in die Höhe zu treiben. Das hat mehrere Gründe: Venezuela ist zwar schon lange nicht mehr der wichtigste Öllieferant der USA, aber nach Kanada, Saudi-Arabien und Mexiko immer noch der viertgrößte Zulieferer. Zwölf Prozent der US-Ölimporte kommen aus Venezuela. Vor zehn Jahren waren es noch 17 Prozent.

Die Raffinerien im Süden der USA sind seit Jahrzehnten fest auf das schwere Öl aus Venezuela eingestellt. Deshalb kann Chávez den Ölhahn gar nicht zudrehen - selbst wenn er wollte: Niemand sonst kann das Öl kurzfristig gebrauchen. Es lässt sich auch schwer auf Spotmärkten verkaufen. Der Linkspopulist Chávez ist also auf die Abnehmer im verhassten "Imperium" angewiesen. Wie Pech und Schwefel hängen die Länder zusammen.

Dennoch werden Chávez? Drohungen auf den Ölmärkten ernst genommen. Dem Hitzkopf traut man zu, dass er die Öllieferungen tatsächlich stoppen könnte - auch wenn das gegen die Interessen Venezuelas wäre. Dabei liegt Chávez nichts ferner als dies: Der Populist weiß zu genau, dass er sich nicht lange an der Macht halten könnte, wenn die Öldollars nicht mehr fließen. Doch schon jetzt pfeift Venezuelas Ölindustrie, die einst zu der modernsten der Welt zählte, auf dem letzten Loch.

Venezuelas staatlicher Ölkonzern PdVSA kann die vorgegebenen Förderziele immer weniger einhalten. Statt offizieller 3,1 Mill. Fass am Tag (bpd) produziert der Konzern nur noch 2,4 Mill. bpd, so die Internationale Energie-Agentur. In Caracas schätzen Experten die Kapazitäten sogar nur noch auf 2,1 Mill. bpd. PdVSA hätte demnach seit Amtsantritt von Chávez Kapazitäten von 1,3 Mill. bpd verloren.

Seit Jahren zweigt Chávez den Cash-Flow des Konzerns ab - zum Teil für seine Sozialprogramme, zur Aufrüstung, aber auch, um den Korruptionsapparat zu schmieren. Investiert wird kaum noch. Die Regierung braucht jeden Dollar, um ihren Etat zu finanzieren. Die prekäre Lage zeigt sich in den Kleinigkeiten: Die Zahlungsfristen für Öl hat PdVSA jetzt von 30 auf acht Tage verringert. Kunden müssen das Öl vor Erhalt bezahlen - auf Schweizer Bankkonten. Die Regierung fürchtet, dass bei den Entschädigungsklagen durch ausländische Ölkonzerne wie Exxon Konten in den USA gesperrt werden können.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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