Ölmarkt-Analyse
Die Welt schwimmt im schwarzen Gold

Irgendwann werden die Ölquellen versiegen. Doch bislang hat die Welt mehr Öl, als sie braucht. Die Preise fallen deswegen seit Wochen. Sollte die Entwicklung anhaltend, dürfte es kritisch werden – vor allem für Russland.
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FrankfurtDie Krisen im Irak, dem Gaza-Streifen oder der Ukraine halten die Welt in Atem. Doch anders als bei früheren Konflikten reagiert der Ölmarkt nicht mit Hamsterkäufen. Im Gegenteil: Spekulationen auf Versorgungsengpässe sind seit Wochen nicht zu entdecken. Denn es gibt reichlich Öl. Die Internationale Energiebehörde spricht sogar von einer Ölschwemme. Dem steht eine geringe Nachfrage gegenüber. Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich am Montag in der Spitze um ein Prozent auf 99,76 Dollar und kostete damit so wenig wie zuletzt im Juni vorigen Jahres.

Als Grund nannten Händler, dass die Konjunktur in China und den USA – den beiden größten Volkswirtschaften der Welt – nicht so rund wie erwartet läuft. In den USA stockte im August der Arbeitsmarkt, in China gingen die Importe zurück . Die Talfahrt der Ölpreise begann aber schon Mitte Juni, als ein Barrel noch 115,71 Dollar kostete. Doch anders als in den Vorjahren bröckelt der Preis trotz des nahenden Winters immer weiter ab. Schlecht ist das vor allem für Ölförderländer wie Russland und die Opec-Staaten, die unter dem Ausbleiben der Petro-Dollars besonders ächzen.

Rund 40 Prozent der Einnahmen des russischen Staates stammen aus dem Export von Rohöl. Im Haushaltsplan für 2014 rechnet die Regierung in Moskau mit einem durchschnittlichen Preis von 104 Dollar je Fass. Ein Rückgang des Ölpreises um zehn Dollar kostet Moskau nach Angaben von Sergei Aleksashenk, ehemals Zentralbankgouverneur, fünf Prozent der jährliche Budget-Einnahmen. Kein Wunder also, dass der Kreml die Ölpreisentwicklung mit Argusaugen verfolgt. Ein Preis unter 100 Dollar dürfte in Moskau nun die Alarmglocken schrillen lassen, erklären Experten.

Auch Opec-Länder an höherem Ölpreis interessiert

Doch Moskau steht mit seinem Interesse an einem höheren Ölpreis nicht alleine: Auch die Mitglieder des Opec-Kartells sind auf die Einnahmen aus dem Ölgeschäft angewiesen. Im vergangenen Jahr reichten die Einnahmen gerade so, um die Ausgaben zu decken. Der durchschnittliche Ölpreis lag bei 106 Dollar je Barrel, wie eine Gruppe von Experten in London ausgerechnet hat. Aber die Opec gibt sich derzeit gelassen. „Kein Grund zur Sorge“, beruhigte vor kurzem ein Delegierter bei einer Opec-Konferenz.

Dabei setzen die arabischen Produzenten bisher auf einen kalten Winter in der westlichen Hemisphäre. „Dass der Preis derzeit fällt, liegt auch an der Jahreszeit“, erklärt einer. „Im Herbst wird die Nachfrage anziehen.“ Längerfristig werde daher ein Fass Öl nicht weniger als 100 Dollar kosten. Notfalls dürfte das Kartell nachhelfen: Schließlich könnten Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate sich rasch auf eine geringere Fördermenge einigen.

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USA überschwemmen den Markt mit Öl

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  • Russland denkt um. Mittlerweile denkt man nach, die Rohstoffe vermehrt im eigenen Land zu veredeln. Macht auch Sinn, schließlich schafft das Arbeitsplätze.

  • als so unrealistisch würde ich das gar nicht betrachten. In der Krise 2008 ist der russische Haushalt um 35% eingebrochen, das BIP um 23%. Der Ölhandel ist weitaus flexibler als der Gashandel, da sind langfristige Lieferverträge, besonders vor dem langfristigen Hintergrund potenziell steigender Preis, nicht sonderlich notwendig.

  • Russland hat viele langfristige Lieferverträge für Öl teilweise bis 2035. Das bestätigt die Bundesregierung.
    Weshalb also die Panikmache? Sie kommt sicher nicht von Russland sondern aus anderer Richtung...

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