Ölpreis-Absturz
Dem Nordsee-Öl droht das Aus

Öl aus der Nordsee war vor 40 Jahren eine Antwort auf die Ölkrise. Doch nun sind die Felder alt und der aktuelle Ölpreis reicht kaum aus, um die Kosten der Förderung zu decken. Die Branche steht vor dem Kollaps.
  • 7

HamburgDie Ölförderer in der Nordsee schlagen Alarm. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Brent pendelt sich offenbar nachhaltig unterhalb der Marke von 50 Dollar ein, das ist ungefähr das Niveau von 2009. Und für die Ölindustrie eine Katastrophe. „Wir stehen kurz vor dem Kollaps“, sagt Robin Allan, Chef des britischen Branchenverbandes Brindex, der vor allem kleinere Ölfirmen vertritt. „Beim derzeitigen Ölpreis ist es fast unmöglich, Geld zu verdienen.“

Das ist eine dramatische Trendwende für die Nordsee-Ölindustrie und vielleicht der Anfang von ihrem Ende. Noch vor zwei Jahren hatte die Branche Investitionen von 120 Milliarden Dollar in die Nordsee-Ölförderung angekündigt – verbunden mit der Aussicht, die Produktion vielleicht noch einmal steigern zu können. Doch nun stellen die Förderunternehmen, ihre Lieferanten und Dienstleister alle Investitionspläne auf den Prüfstand oder legen sie auf Eis.

Die Ölfelder in der Nordsee sind alt und erschöpfen sich. Zu den besten Zeiten, Ende der 90er-Jahre, wurden mehr als 250 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr in der Nordsee gefördert. Danach war der Zenit überschritten und die Produktion ging immer schneller zurück. Mittlerweile ist die Förderung nicht einmal mehr halb so hoch wie vor 20 Jahren.

Mit immer größerem technischen Aufwand haben es die Förderunternehmen geschafft, weiter Öl aus den Feldern herauszuholen. Speziell die Norweger gelten als Weltmeister darin, die Lagerstätten maximal auszufördern. Aber das kostet auch viel Geld. Seit 2011 sind auf den Ölfeldern vor der Küste Schottlands die Förderkosten um mehr als 60 Prozent gestiegen. Die Zulieferer und Service-Unternehmen haben beim Ölpreis oberhalb von 100 Dollar ihren Teil vom Kuchen abbekommen.

Doch der Ölpreis hat sich seit vergangenen Sommer mehr als halbiert. „Dieser Preisschock wird die Ölwelt langfristig verändern“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. „Die Renditerisiken teurer Ölprojekte und alternativer Energieangebote müssen nun grundsätzlich anders bewertet werden.“ Riskante Hochpreisprojekte würden es von nun an schwer haben, Investoren oder Kreditgeber zu finden.

Seite 1:

Dem Nordsee-Öl droht das Aus

Seite 2:

Deutsche Förderung in der Nordsee ist gering

Kommentare zu " Ölpreis-Absturz: Dem Nordsee-Öl droht das Aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Herr Ralf Jochim

    >> Eine sehr kurzsichtige Schadenfreude! >>

    Falsche Analyse. Es ist eine RICHTIGE Freude der Vernunft, hat mit Schadensfreude rein gar nichts am Hut !

    Es gibt genug Gas- und Öl auf dieser Welt, ja gar im Überfluß...für die nächsten Hunderte von Jahren.

    Die Selbstlosten der Förderung ( eigentliche Förderkosten für einen Barrel ) betragen zur Zeit zwischen 5 $ bei den Saudis und 9 $ bei den Russen !

    Wer hat den Ölpreis über 100 $ hingetrieben...? Die Amis, um ihre Science-Fiktion-Frackingaktion starten zu können.

    Wozu brauchen wir eine gefährliche ( siehe Golf von Mexico ) und sehr teure Tiefseeförderung...?

    Kein Mensch braucht diese.

    Bei Ölpreisen von 20 $ per Barrel ist schon eine sehr gute Gewinnspanne drinnen.

    Alles drüben ist ein POLITISCHER PREIS, kein wirtschaftlicher.

    Ihre Logik basiert auf ausbeuterischen Spekulationspreisen.

    Sie ist schlicht weg propagandistisch und falsch !



  • Glück mit dem Schottland Referendum! Die Schotten haben in ihre Bestrebuungen zur Unabhängigkeit hohe Einkommen aus den Ölvorkommen für die nächsten Jahre eingepreist.

    Ich denke, in Schottland ist man nun heilfroh, damals mit Mehrheit mit Nein gestimmt zu haben. Man stelle sich eine beginnende Unabhängigkeit vor und die schottischen Einnahmen aus Ölverkäufen gingen auf Null. Die Folge wäre eine weitere Instabilität in Europa gewesen.

  • Heute freut den Geldbeutel. Wenn die Fracking Industrie (und Nordsee, usw.) pleite sind dann kommen die auch so schnell wieder nicht zurueck. Dann geht es mit dem Preis wieder rapide aufwaerts. Ein Oelfeld ist kein Wasserhahn den man bei Bedarf auf oder zudrehen kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%