Ölpreis
Energiekonzerne haben Mitschuld am Preissturz

Experten sehen die Energieunternehmen in einer Mitschuld am Ölpreisverfall. Am Montag stehen die Zeichen aber auf Erholung. Die Opec rechnet derweil mit einer höheren Nachfrage nach ihrem Öl.
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London/SingapurDie Energiekonzerne haben ihren Schuldenstand seit 2003 vervierfacht. Diese Entwicklung habe möglicherweise zum Ölpreisverfall im vergangenen Jahr beigetragen, schrieb die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einer am Samstag veröffentlichten Studie. Die Firmen hätten die Drosselung der Produktion verschoben und Terminkontrakte verkauft, um sich gegen den Rückgang abzusichern.

Die ausstehenden Schulden der Energieunternehmen seien auf mehr als 800 Milliarden Dollar (705 Milliarden Euro) in diesem Jahr angestiegen, von weniger als 200 Milliarden Dollar im Jahr 2003, schreibt die Bank der Zentralbanken. Sinkende Ölpreise hätten den Wert der Vermögenswerte, die die Ölförderer als Sicherheiten anbieten, gedrückt und sie so gezwungen, mehr Öl auf den Terminmärkten zu verkaufen.

Rohöl der Sorte Brent hat zwischen Juni und Januar 60 Prozent an Wert verloren, nachdem Opec-Länder als Reaktion auf die hohe Ölförderung der USA darauf verzichtet hatten, ihre eigene Ölproduktion zu drosseln. Seitdem hat sich der Preis um gut 20 Prozent erholt; es wird spekuliert, dass Händler Verkaufspositionen geschlossen und US-Ölförderer mehr Förderanlagen stillgelegt haben als jemals zuvor.

„Die Veränderungen bei Förderung und Verbrauch können offenbar den abrupten Absturz der Ölpreise nicht befriedigend erklären“, so die BIZ. „Die höhere Schuldenlast des Ölsektors dürfte die jüngste Dynamik am Ölmarkt beeinflusst“ und zu dem Preisverfall beigetragen haben, hieß es.

Der Ölpreisverfall habe die Kreditkosten der Energieunternehmen erhöht und die Spreads von hochverzinslichen Anleihen solcher Firmen seien per Januar auf 800 Basispunkte angestiegen, von nur 330 Basispunkten im Juni, schreibt die BIZ. Das habe die Firmen veranlasst, sowohl Terminpreise zu sichern, was den Verkaufsdruck zusätzlich erhöhte, als auch eine hohe Produktion aufrecht zu erhalten, um Einnahmen sicherzustellen. Dadurch sei das Überangebot länger bestehen geblieben, so die Studie.

Der Schub bei der Kreditaufnahme im Energiesektor habe über den Zuwachsraten seit 2003 der Gesamtwirtschaft gelegen. Dieser Wert habe sich seit 2003 auf etwa sechs Billionen Dollar verdreifacht, heißt es in der Studie.

Zum Wochenstart konnten die Ölpreise leicht zulegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 58,05 Dollar. Das waren 25 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 38 Cent auf 52,07 Dollar.

Seit Ende Januar gibt es bei den Ölpreisen nach ihrem monatelangen Sturzflug eine Aufwärtsbewegung. Der Brent-Preis ist seither um etwa acht Dollar gestiegen, WTI konnte um etwa fünf Dollar zulegen. Ausschlaggebend sind erste Auswirkungen des Preissturzes in der amerikanischen Ölindustrie, wo sich die Anzahl der Bohrlöcher seit Wochen verringert. Angesichts des immer noch hohen Überangebots an Rohöl sind sich Analysten aber nicht sicher, ob schon von einer Wende hin zu anhaltend höheren Ölpreisen gesprochen werden kann.

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  • Zum gestrigen EEX (Phelix) Preis von 12,44 Euro/MWh wäre ein Barrel Öl (ca. 1,59 MWh) nach Energiegehalt nur knappe 20 Euro Wert gewesen.

    Berücksichtigt man, dass man aus Öl mit Motoren nur ca. 40% der Energie nutzbar machen kann, dann hätte das Barrel im Wettbewerb zu Strom sogar nur etwa 8 Euro kosten dürfen.

    Aber welchen Analysten interessiert heute schon noch Wettbewerb.

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