Ölpreis Hoffnung auf Iran-Abkommen lässt Preise fallen

Für die Politik wäre eine Einigung über das Atomprogramm des Iran ein großer Erfolg. Wegfallende Sanktionen würden die Lage auf dem globalen Ölmarkt jedoch verschärfen – in einer Branche gibt es bereits Notverkäufe.
Update: 01.04.2015 - 13:38 Uhr 1 Kommentar
Im Fokus der Teilnehmer am Ölmarkt stehen weiterhin die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm. Quelle: dpa
Das Ölfeld As Sarah in Libyen

Im Fokus der Teilnehmer am Ölmarkt stehen weiterhin die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm.

(Foto: dpa)

SingapurDie Verhandlungen über das Atomprogramm des Iran gehen trotz bereits verstrichener Frist weiter und es wird von „guten Fortschritten“ berichtet. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif äußerte sogar die Hoffnung, dass nach den Gesprächen vom Mittwoch mit der Verschriftlichung des Abkommens begonnen werden könne. Politisch betrachtet wäre die Einigung eine Sensation, denn der Atomkonflikt dauert schon zwölf Jahre. Negativ wirkt sie sich jedoch auf den Ölpreis aus. Ein Barrel Öl der Nordsee-Sorte Brent kostete am Mittwochmittag nur etwa 53,65 Dollar – das ist zwar ein kleines Plus von 0,3 Prozent, doch Experten rechnen nicht mit einem nachhaltigen Anstieg.

Im Falle einer Einigung könnte das OPEC-Mitglied Iran seine Ölexporte deutlich ausweiten und so das globale Überangebot verstärken. Das würde die Preise weiter drücken. Seinen zwischenzeitlichen Tiefpunkt hatte der Brent-Ölpreis im Januar bei 45,86 Dollar erreicht. Bis Mitte Februar hatte er sich immerhin wieder auf 62,33 Euro erholt, danach war er wieder eingebrochen.
„Der Iran verfügt über gewaltige Förderkapazitäten und das macht den Marktteilnehmern derzeit Sorgen“, sagte Jonathan Barratt von Ayers Alliance Securities in Sydney. Der Effekt werde durch einen bereits überversorgten Weltmarkt nur noch verstärkt.

Die Folgen der Turbulenzen am Ölmarkt
Preisrückgang beflügelt
1 von 8

Der niedrige Ölpreis ist gut für die globale Konjunktur, sagt die Studie. Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer der Deutschen Asset & Wealth Management sieht zunächst „positive Effekte“, die die Weltwirtschaft „beflügeln.“

Quelle: Deutsche Asset & Wealth Management

Probleme für Exportnationen
2 von 8

Doch es gibt auch Verlierer: Bei vielen ölexportierenden Ländern machen die Rohstoff-Verkäufe in andere Länder einen hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus. Ländern wie Venezuela droht deshalb ein Einbruch der heimischen Wirtschaft. Laut Studie wird der Preis für die US-Sorte WTI in diesem Jahr durchschnittlich zwischen 50 und 55 US-Dollar liegen - ein Rückgang von 42 Prozent gegenüber 2014. Als Folge würde das BIP in Venezuela um fünf bis zehn Prozent zurückgehen.

Opec bleibt Machtfaktor
3 von 8

An den Machtverhältnissen im Markt hat der Angebotsüberschuss und der niedrige Ölpreis im vergangenen Jahr nicht viel geändert. Das amerikanische Amt für Energiestatistik (EIA) sieht den Marktanteil des Kartells Opec bei rund 39 Prozent. Bei einem Preis von 50 Dollar pro Barrel nimmt es 661 Milliarden Dollar ein. Die OPEC besitzt zudem über 73 Prozent der bekannten globalen Ölreserven.

Deflationsspirale
4 von 8

Doch die Ölbranche befindet sich der Studie zufolge in einer Deflationsspirale. Ölproduzenten wie Repsol berichten, dass Zulieferer für ein Bohrschiff nur noch 400.000 Dollar verlangen, vor zwei Jahren kostete das noch 600.000 Dollar. Auch das Fracking-Unternehmen Midstream Petroleum berichtet von Preisnachlässen der Lieferanten zwischen zehn und 15 Prozent.

Rückgang der Fracking-Investitionen
5 von 8

Die Kapazitäten aus der Fracking-Produzenten werden sich in diesem Jahr verringern. Die Produktionszyklen sind sehr kurzfristig und benötigen Anschlussinvestitionen. Das Volumen der Investitionen dürfte aber der Studie zufolge erstmal um 40 Prozent zurückgehen. 2014 erreicht die Fracking-Produktion mit 1,6 Millionen Barrel laut EIA ihren Höhepunkt.

Schwieriges Jahr für Fracking
6 von 8

Die Studie geht von einem schweren Jahr für die Fracking-Branche aus. Auch in den USA mehrt sich aktuell die Kritik an der Methode in der Gesellschaft. Zudem sind viele Unternehmen hoch verschuldet. So konnte der Energiekonzern Repsol den kanadischen Fracking-Produzenten Talisman, einer der großen Förderer in den USA, günstig kaufen.

US-Banken drohen Verluste
7 von 8

Der niedrige Ölpreis und der Rückgang beim Fracking gefährdet auch die Erträge einiger US-Banken. Viele Institute sind massiv in den Energiemarkt investiert. In den letzten Jahren bezogen einige Geldhäuser sogar 15 Prozent ihrer Erträge aus dem Energiesektor. Weitere Risiken sind die Studie in Abschreibungen auf direkte Beteiligungen und die steigende Kreditversorge.


Belastend wirkt sich auch das Fracking aus, eine ökologisch umstrittene Fördertechnik, bei der tief lagerndes Schieferöl mit Chemikalien gelöst wird. Amerika hatte die Produktion in den Vorjahren kräftig ausgeweitet. Weil auch andere große Ölstaaten wie Saudi-Arabien ihr Angebot nicht drosseln, schwimmt die Weltwirtschaft in billigem Öl, für das es keine ausreichende Nachfrage gibt - deshalb fallen die Preise.

Einen raschen Anstieg der Ölpreise erwarten die meisten Analysten nicht. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat angesichts der anhaltend hohen Ölproduktion in den USA erst kürzlich vor weiter fallenden Ölpreisen gewarnt. Zuletzt erreichten die US-Reserven an Rohöl laut Daten des Energieministeriums ein Rekordhoch von 466,7 Millionen Fässern.


Besonders hart trifft der Ölpreissturz die Förderindustrie in den USA. Dort führen die niedrigen Preise zum Abbau von Jobs, Investitionen und Ausrüstung und es gab bereits Notverkäufe. Laut einer Statistik der Ölservicefirma Baker Hughes ist die Zahl der US-Bohranlagen seit Mitte Oktober um fast 50 Prozent auf zuletzt 813 gesunken. Weil sich der Ölpreis seit Sommer mehr als halbiert hat, rechnet sich die Produktion für viele Firmen nicht mehr. Die US-Industrie ist an dem Preisverfall allerdings selbst alles andere als unschuldig.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Solarbranche könnte profitieren
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

1 Kommentar zu "Ölpreis: Hoffnung auf Iran-Abkommen lässt Preise fallen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mir ist nicht ganz klar warum zusätzlich zu den fünf Vetomächten nicht die Türkei anstelle von Deutschland an den Verhandlungen teilgenommen hat.
    Die Türkei ist bei weitem am einem Abkommen interessiert als Deutschland.
    In der Zukunft wird sowieso die Türkei eine wesentlich wichtigere Rolle in der Region spielen als Deutschland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%