Ölpreis
Rohstoffhändler sieht Ölmarkt vor Trendwende

Mercurio ist einer der größten Rohstoffhändler der Welt. Sein Chef Marco Dunand ist den schwachen Markt. Stark gesunkene Investitionen würden aber bald den Preis steigen lassen. Am Mittwoch aber fällt er erneut.

London/Frankfurt am MainDie rasante Talfahrt am Ölmarkt könnte nach Meinung eines der weltgrößten Rohstoffhändlers bald ein Ende finden. In den USA würden bereits Öl-Sorten zu Preisen unter den Herstellungskosten verkauft, erläuterte Marco Dunand, Gründer und Chef des Handelshauses Mercuria in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Einige Benzinsorten in den USA werden derzeit für fast gar nichts verkauft, (...) das zeigt, dass wir kurz vor einer Neuausrichtung stehen“, sagt Dunand. „Was die Opec nicht machen will, macht der Markt für sie.“

Allmählich wird der Leidensdruck auf der Herstellerseite Dunand zufolge zu groß. „Die Tatsache, dass Öl unter zehn Dollar pro Fass verkauft wird – wie einige Sorten in Kanada und Venezuela – zeigt, wie stark der Druck auf die Produzenten ist.“ Auf diesem Niveau deckten einige nicht einmal ihre Ausgaben. „Und die Kosten, um die Produktion stillzulegen, sind sogar noch höher.“

Und noch ein Faktor könnte in den kommenden Jahren zu höheren Preisen führen: Wegen der stark gesunkenen Investitionen könnte sich das Angebot wieder verknappen. „Die Kapitalausgaben gehen stark zurück, so dass wir den Grundstein für das nächste Angebots-Problem legen, was erst einmal zu höheren Schwankungen und letzten Endes zu Engpässen führen wird.“

In der Gegenwart zeichnet sich noch keine Trendwende ab. Am Mittwoch fällt der Ölpreis erneut. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent war am Nachmittag für 31,47 Dollar zu haben und damit ein Prozent günstiger als am Tag zuvor. Ein Barrel WTI kostete zuletzt 30,81 Dollar.

Wegen der weltweiten Überproduktion ist der Ölpreis seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent eingebrochen und kostete zeitweise weniger als 30 Dollar je Fass. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), allen voran Saudi-Arabien, flutet im Kampf um Marktanteile den Weltmarkt. Verstärkt wird die Ölschwemme vor allem durch den Schieferölboom in den USA, bei dem Öl mit Hilfe des teuren Fracking-Verfahrens aus dem Gestein gelöst wird. Die Opec-Länder wollen diese Konkurrenz mit Rabatten aus dem Markt drängen und verweigern bislang Förderkürzungen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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