Ölpreis
Russland schockt den Öl-Markt

Während Analysten schon von einer Trendwende beim Ölpreis reden, flutet Russland den Markt. Seit 25 Jahren hat das Land nicht mehr so viel Öl gefördert – und zieht die Preise damit in die Tiefe.

DüsseldorfRussland grotesk: Am vergangenen Donnerstag verkündete der russische Energieminister Alexander Nowak noch, dass das Land mit Saudi-Arabien über eine Drosselung der Ölförderung verhandele. Um zwei bis fünf Prozent solle es runtergehen. Am Montag folgte das Dementi Saudi-Arabiens. Nun folgt die – für den Ölpreis harte – russische Realität: Die Ölförderung des Landes steigt auf ein Rekordniveau. Nach vorläufigen Zahlen pumpte das Land im Januar täglich 10,88 Millionen Barrel (159 Liter) aus dem Boden, so viel wie seit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr. Im November 2015 waren es im Schnitt noch 10,79 Millionen Barrel. Weltweit summierte sich die Förderung im vierten Quartal 2015 auf 96,88 Millionen Barrel pro Tag.

Noch in der vergangenen Woche beflügelten Nowaks Äußerungen über eine mögliche Reduktion de Ölpreis. Um acht Prozent ging er auf knapp 36 Dollar je Barrel Brent nach oben. An diesem Dienstag jedoch ließ die Rekordmeldung den Ölpreis abstürzen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet am Dienstag 33,62 Dollar, 1,8 Prozent weniger als am Vortag. Abwärts ging es auch beim Leichtöl WTI, das um 2,1 Prozent auf 31,00 Dollar fiel.

Im Trend der Vorwoche erkannte mancher Analyst schon eine Bodenbildung, träumte gar von einer Trendwende. Dabei scheint vorerst nur eines sicher: Die Volatilität bleibt. Für Schwellenländer sind das miserable Nachrichten, denn sie stehen gehörig unter Druck. Der MSCI Emerging Markets Index fiel erneut stark, auf jede steigende Aktie kamen nahezu zwei fallende.

Nigeria scheint zum Beispiel der Verzweiflung nahe. Die Staatseinnahmen hängen zu 70 Prozent vom Öl ab. Am Montag bat das Land die Weltbank sowie die Afrikanische Entwicklungsbank um einen 3,5 Milliarden Dollar Notkredit, um seine schwächelnde Wirtschaft stützen zu können. Hilfe sucht auch Aserbaidschan, dessen Wirtschaft ebenso stark vom Öl abhängt. Mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank verhandelt das Land über einen vier Milliarden Dollar Kredit.

Am Montag traf sich der russische Energieminister Alexander Nowak mit seinem venezolanischen Amtskollegen Eulogio Del Pino. Es sei vor allem über mögliche Gespräche zwischen Opec-Mitgliedern und Ölförderern außerhalb der Organisation gegangen, erklärte das Ministerium. Venezuela steckt derzeit ebenfalls in massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten, ein Staatsbankrott droht. Das Land kämpft mit einer immer weiter steigenden Inflation. Der Internationale Währungsfond fürchtet, dass sie in diesem Jahr auf 720 Prozent steigen könnte. Das Opec-Mitglied befindet sich daher auf Werbetour für gemeinsame Förderkürzungen, um den Ölpreis wieder in die Höhe zu treiben.

Den Ölpreis belastete zuletzt auch Irans Rückkehr an den Ölmarkt. Bis zu 500.000 Barrel will das Land innerhalb der nächsten Monate wieder auf den Weltmarkt bringen. Dabei sei ein Preisverfall durch diesen Schritt kaum nachvollziehbar, erklärt Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Ende der Sanktionen habe sich schon lang abgezeichnet. Das zusätzliche Öl sei längst eingepreist.

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Mehreinnahmen dank Rubelschwäche

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