Ölpreis
Trügerische Ruhe am Ölmarkt

Die Weltölmärkte sind nach wie vor außerordentlich labil. Wo die Reise mit dem Ölpreis hingeht, ist unter Ölexperten so ungewiss wie lange nicht mehr. Nur eins scheint sicher: Die Schwankungen werden erheblich sein.

DÜSSELDORF. Ölpreisturbulenzen in beiden Richtungen würden die Marktteilnehmer weiterhin herausfordern, sagt der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt. Und das New Yorker Fachblatt Petroleum Intelligence Weekly (PIW) prognostiziert: Es komme immer wieder anders als die große Mehrzahl der Experten vermute. Das Jahr 2005 sei ein Beispiel dafür, wie sehr sich Fachleute mit preispolitischen Voraussagen geirrt hätten, stellen die PIW-Experten heraus. Für das laufende Jahr drohten ähnliche Überraschungen, auch wenn der Preis seit einer Weile auf relativ hohem Niveau verharrt.

Die Erfahrungen aus den letzten Jahren mahnen zur Vorsicht. Während die Ölproduktionsbeiträge kartellungebundener Anbieter in aller Regel systematisch überschätzt worden sind, wurden die Zuwächse beim Weltölverbrauch zumeist viel zu gering vorausgesagt. Die Vervierfachung der Rohölnotierungen gegenüber den Durchschnittswerten in der letzten Dekade habe insgesamt „eine völlig neue Energiewelt“ geschaffen, resümiert Schmitt. Tatsache sei, dass nach wie vor erhebliche Marktzugangsbarrieren zu den besonders attraktiven Öl- und Gasförderregionen der Welt fortbestünden.

Ein großer Unsicherheitsfaktor entsteht dadurch, dass das Kostengefälle in der weltweiten Erdölproduktion beträchtlich ist. In der RWE-Studie „Weltenergiereport 2005“ werden selbst die langfristigen Grenzkosten der relativ teuren Ölgewinnung außerhalb der Opec lediglich auf zwischen sechs bis 15 Dollar pro Barrel (159 Liter) beziffert. Die geopolitischen Unsicherheiten würden jedoch auch künftig beträchtliche Aufschläge realistisch machen, meinen die Autoren der Studie. Um wie viel höher das Preisniveau ausfallen könnte, darüber wagen die RWE-Experten jedoch keine konkrete Aussage. Sie sehen aber in jedem Fall „erhebliche Schwankungen“.

„Der wahre Grund für die gestiegenen Preise“ liege in der derzeitig historisch ausnehmend niedrigen Reservekapazität, diagnostiziert der Deutsche-BP-Chef Uwe Franke. Der Markt habe bisher zwar mit zusätzlichen Lieferungen auf die steigende Weltölnachfrage reagieren können, aber der Spielraum sei seit 2004 wesentlich enger geworden. Die Reservekapazität – das heißt die Menge an Erdöl, die bei Bedarf zusätzlich sofort gefördert werden könnte – betrage vermutlich weniger als 1,5 Mill. Barrel pro Tag. Trotz der neuen Förderquellen, die auch in diesem Jahr in verschiedenen Ländern in Betrieb genommen werden – zum Beispiel im Kaspischen Meer, im Golf von Mexiko, in Westafrika und in Russland – und trotz der vermehrten Lagerhaltung gebe es momentan keine Anzeichen dafür, dass die Ölpreise in absehbarer Zeit auf unter 40 Dollar pro Barrel sinken werden, glaubt der BP-Chef. Zu groß sei die Nachfrage nach zusätzlicher Lagerhaltung, getrieben von politischer Unsicherheit.

Auf Grund einer Kombination von Bevölkerungswachstum und um sich greifendem Wohlstand werde vermutlich die Nachfrage nach Öl auch weiterhin steigen. Seit der Jahrhundertwende sei allein die Weltölnachfrage absolut gesehen um 7,2 Millionen Barrel pro Tag geklettert; dies entspreche in etwa dem Vierfachen der heutigen Gesamtproduktion aus der britischen Nordsee, gibt Franke zu bedenken.

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