Ölpreis unter Druck
Das Opec-Kartell ist tot

Jedes Opec-Land kann so viel Erdöl fördern, wie es will: Das hat der Zusammenschluss der Ölstaaten am Freitag de facto entschieden. In der Folge gaben die Ölpreise weiter nach. Ob es dabei bleibt, ist umstritten.

Die Sitzung verlief vergleichsweise chaotisch: Erst nach sieben statt wie geplant nach vier Stunden trennten sich am vergangenen Freitag die in Wien versammelten Energieminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Nach offenbar schwierigen Verhandlungen entschieden sie, an ihrer bisherigen expansiven Förderpolitik festzuhalten: In der Abschlusserklärung der Opec-Konferenz sucht man vergeblich eine Förderobergrenze. Sie liegt nach offizieller Lesart bislang bei 30 Millionen Barrel (Fass zu je 159 Liter) pro Tag.

Damit ist klar: Die Rohölschwemme hält vorerst an. Eine Botschaft, die dem Ölpreis am Montag erneut zugesetzt hat. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 0,9 Prozent auf 42,62 Dollar je Barrel, die US-amerikanische Sorte WTI kostete mit 39,20 Dollar je Fass zeitweise 1,9 Prozent weniger.

Mit ihrer Entscheidung schlossen sich die Opec-Mitglieder der Politik Saudi-Arabiens an. Bereits seit einem Jahr pumpt der Golfstaat so viel Erdöl wie möglich. Das Ziel: Die Marktanteile von Konkurrenten wie Russland und der US-Schiefergasförderer sollen deutlich geschrumpft werden.

Beobachter werten die Absage der Opec an eine verbindliche Förderobergenze als Ende des Ölkartells: „Viele Leute haben gesagt, die Opec ist tot - und die Opec selbst hat es bestätigt”, kommentierte etwa Jamie Webster, Ölanalyst in Washington bei IHS, die in Wien getroffene Vereinbarung. Tatsächlich sagte Suhail Al Mazroui, Energieminister aus den Vereinigten Arabischen Emiraten: „Wir werden nicht zu einem Kartell zurückkehren und gegen die Kunden arbeiten.”
Seit 1982 hielt die Opec fast ohne Unterbrechungen ein Produktionsziel aufrecht - auch wenn die Mitgliedsländer es oft ignorierten und über die Quote hinaus Öl förderten. Die Decke von 30 Millionen Barrel täglich, die seit 2011 galt, und nun als zu rigide abgeschafft wurde, ist dabei keine Ausnahme. Denn bereits 18 Monate in Folge förderten die Opec-Mitgliedsländer mehr, als die Quote vorgab. Jetzt will die Organisation so viel pumpen wie bisher - rund 31,5 Millionen Barrel täglich - was praktisch einem unbegrenzten Volumen gleichkommt.

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