Ölpreis, US-Konjunktur und Präsidentenwahlen bestimmen den Wechselkurs
Der mexikanische Peso hat seine Schwäche offenbar überwunden

Als die mexikanische Währung Mitte Mai ihren historischen Tiefstand von 11,69 Peso je US-Dollar erreicht hatte, gerieten die ersten Analysten schon leicht in Panik.

MEXIKO-STADT. Die Währung, die lange Zeit als eine der stabilsten der Welt galt, schien sich mitten in einem Abwärtsstrudel zu befinden. Binnen Jahresfrist hatte der Peso gut 13 Prozent an Wert verloren. Doch letztlich setzte sich im Markt die Auffassung durch, dass die hohe Schwankungsanfälligkeit der Währung vor allem eine nervöse Überreaktion aus Angst vor einer Zinserhöhung in den USA war – und nicht zur stabilen Verfassung der mexikanischen Wirtschaft passt. „Der Markt ist damals über das Ziel hinaus geschossen“, sagt Damian Fraser von UBS Warburg.

Inzwischen hat sich der Peso stabilisiert und notiert im Interbankenhandel gegenwärtig bei 11,35 Peso je Dollar. Die Mehrzahl der Experten geht davon aus, dass die mexikanische Währung bis zum Jahresende fest bleibt oder nur wenig abwerten wird – vorausgesetzt die Ölpreise bleiben annähernd so hoch und die Zinsen annähernd so niedrig, wie sie im Augenblick sind.

Die mexikanische Konjunktur ist in Fahrt, und die Devisenreserven des Landes haben vor allem aufgrund der hohen Ölpreise den Rekordstand von knapp 58 Milliarden Dollar erreicht. Zudem fließen allein durch die Überweisungen der Auslandsmexikaner jeden Monat mehr als eine Milliarde Dollar ins Land. Da die Zentralbank Banxico eine straffe Geldpolitik betreibt, ist auch die Inflationsgefahr gering. Erst am Freitag erhöhte die Notenbank die Geldmenge, die sie dem Markt jeden Tag entzieht (Corto). Angesichts gestiegener Preise in der zweiten Augusthälfte wurde der Corto von 41 auf 45 Millionen Peso täglich angehoben, was einem Gegenwert von knapp vier Millionen Dollar entspricht. „Ich sehe keinen Grund für eine Schwäche des Pesos“, resümiert UBS-Experte Fraser und schätzt, dass der Wechselkurs zum Jahresende bei 11,40 Peso je Dollar liegen wird.

Nicht ganz so optimistisch ist die Dresdner Bank Lateinamerika (DBLA), die den Peso im vierten Quartal erneut unter Druck sieht, wenn die Dynamik des Konjunkturaufschwungs nachlässt. Die Analysten der DBLA halten zum Jahresende einen Wechselkurs von 11,90 für einen US-Dollar für wahrscheinlich.

Die mittel- und langfristige Perspektive für den Peso sieht der Direktor der mexikanischen Investmentberatungsgesellschaft Ecanal, Rogelio Ramírez de la O, getrübt. Möglicherweise gerate die mexikanische Währung bereits nach den Wahlen in den USA im November unter Druck, mutmaßt der Volkswirt: „Wenn sich die Fed dann bewegt und die Zinsen anhebt, werden wir das hier auch spüren.“ Die Wirtschaft des Schwellenlandes ist eng mit der des nördlichen Nachbarn verzahnt. Im Rahmen der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta wickelt Mexiko 85 Prozent seines Außenhandels mit den Vereinigten Staaten ab.

„Vor allem 2005 sehe ich den Peso schwächer“, sagt Ramírez de la O. In den USA werde der Aufschwung nachlassen, und in Mexiko werde sich das politische Klima ein Jahr vor der Präsidentenwahl verschärfen. Bereits jetzt schaffe es der bürgerliche Präsident Vicente Fox nicht, notwendige Strukturreformen, etwa im Energiesektor, umzusetzen. „Nächstes Jahr wird die Unsicherheit noch größer“, fürchtet der Fachmann. Er sieht die Währung im 2005 rasch die Marke von zwölf Peso zum Greenback durchbrechen und hält sogar einen Wechselkurs von 12,70 Peso je Dollar für möglich. Damit wäre der Peso gut zehn Prozent schwächer als heute. Freuen dürften sich darüber vor allem die mexikanischen Exporteure, die beim aktuellen Kurs ihre Konkurrenzfähigkeit in Gefahr sehen. Seit seinem Rekordjahr 2001 hat der Peso inzwischen allerdings rund 20 Prozent an Wert verloren. Damals war die mexikanische Währung hart und hatte fünf Prozent gegenüber dem Dollar und zehn Prozent gegenüber dem Euro hinzugewonnen.

Auch in Chile, einem Land mit hohen Kupferausfuhren, stand die Landeswährung in diesem Jahr unter Druck. Der Peso verlor seit Anfang Januar rund sieben Prozent. Das liegt daran, dass es im ersten Halbjahr zu Kapitalabflüssen gekommen ist und die Regierung ihre Kreditverbindlichkeiten im Ausland reduziert hat. Weil diese Entwicklungen sich nun verlangsamen dürften, rechnet Thomas Pohl von der Dresdner Bank Lateinamerika mit einer leichten Aufwertung des chilenischen Pesos in den nächsten Monaten.

In Peru hat die Landeswährung Sol erstmals seit zwei Jahren wieder leicht aufgewertet, und zwar drei Prozent seit Mai. Der Sol profitiert von den Rohstoffexporten Perus.

Mitarbeit: Alexander Busch

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