Ölpreis
Venezuela wirft USA „Öl-Krieg“ vor

Venezuelas Präsident Maduro wirft den USA Preistreiberei im Ölgeschäft vor. Die Ziele seien der Zusammenbruch der Wirtschaft Venezuelas – und die „Zerstörung“ Russlands. Unterdessen fallen die Ölpreise weiter.
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Caracas/Singapur/FrankfurtVenezuelas linksgerichteter Präsident Nicolas Maduro hat den USA vorgeworfen, durch eine Senkung des Öl-Preises sein Land und Russland in den Ruin treiben zu wollen. „Sind Sie sich bewusst, dass ein Öl-Krieg tobt?“ erklärte Maduro am Montag in einer im Fernsehen übertragenen Rede vor Geschäftsleuten. „Dieser Krieg hat ein Ziel: Russland zu zerstören.“

Zudem sei er auch gegen Venezuela gerichtet, „um unsere Revolution zu zerstören und einen Zusammenbruch der Wirtschaft herbeizuführen“. Die US-Regierung überflute den Markt mit billigem Schieferöl.

Maduro zufolge ging der Exportpreis für venezolanisches Öl im zweiten Halbjahr um die Hälfte auf 48 Dollar (umgerechnet 39,40 Euro) je Barrel zurück. Etwa 96 Prozent der Staatseinnahmen des Opec-Mitglieds stammen aus dieser Quelle. Venezuelas Wirtschaft schwächelte dabei bereits vor dem jüngsten weltweiten Rückgang der Marktpreise.

Am Dienstag fielen die Ölpreise weiter. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee und das US-Öl WTI büßten jeweils etwa zwei Prozent ein und sind mit 56,74 beziehungsweise 52,70 Dollar je Barrel jeweils so billig wie zuletzt im Frühjahr 2009.

„Es gibt keinerlei Anzeichen für eine Reduzierung der Fördermengen durch die Opec“, sagte Rohstoff-Händler Ken Hasegawa vom Brokerhaus Newedge. Aus diesem Grund müsse mit weiteren Preisrückgängen gerechnet werden. Seit dem Sommer hat sich Rohöl um etwa die Hälfte verbilligt.

Der Marktpreis pro Fass aus Venezuela liegt dabei wegen eines höheren Anteils an Schweröl unter dem Preis für Richtsorten wie Brent.

Dem stark vom Ölexport abhängigen südamerikanischen Land droht nach Einschätzung von Analysten in wenigen Monaten der Bankrott. Im März muss Venezuela rund eine Milliarde US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) an Staatsanleihen zurückzahlen. Insgesamt werden 2015 mehr als 30 Milliarden Dollar an Zahlungen fällig.

Die Störung der libyschen Öl-Exporte durch die Kämpfe rund um die Verladehäfen Al Sider und Ras Lanuf könne den Preisverfall nur kurzzeitig aufhalten, betonte Anlagestratege Michael McCarthy von CMC Markets. Schließlich sei Libyen ein vergleichsweise kleiner Lieferant.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ölpreis: Venezuela wirft USA „Öl-Krieg“ vor"

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  • Das einzige was mich dabei interessiert, wo liegt das Minimum, damit ich mich dort mit einem ETF eindecken kann und mir mindestens für 5 Jahre dieses Minimum beim
    Spritkauf sichern kann. Im übrigen, ob es Kaffee oder Öl ist, alles was da so flexibel gehandelt wird ist ein Preis auf Zeit. So fiel z.B. Kaffee von 300 auf 100 und stieg dann auf 200 um heute bei etwa 165 zu notieren bei fallender Tendenz. Man kann aber nicht sagen das die Angebotsseite oder die Nachfrageseite sich in dieser Zeit
    groß bewegt hätte. Die Märkte waren manipuliert als Öl auf 150 ging und sie sind wiederum gezinkt wenn es heute
    bei 53 (WTI) liegt. Die großen Player, wie die Saudis
    können aus einer halb leeren Tube Öl immer wieder noch volles Rohr rausdrücken und den halbleeren Zustand vergessen lassen. Langfristig wird sich aber der Füllzustand am Markt bemerkbar machen. Wir können das erleben oder auch nicht. Jedenfalls habe ich mir die 1,20
    bei der Tanke gesichert für 1,5 Jahre. Bei 40 $ nehme ich die nächsten 1 1/2 Jahre ins Depot. Bei 20 $, weitere 3 Jahre. Unfassbar, das eine Flasche Apollionaris
    mehr kostet als 1 Ltr dieses Energie/Rohstoffs der mit milliardenschweren Investitionen gewonnen wird und eine
    sehr spezielle Nachbearbeitung bedarf und über eine weiter sehr komplexe Struktur an den Verbraucher kommt.
    Irgendwas stimmt da nicht. Entweder ist Apollinaris viel zu teuer oder Öl viel zu billig. Ich vermute Öl ist zu billig. Bleibt es so, kann man auch die kapitalintensiven
    Erneuerbaren in die Tonne hauen. Nicht das Kraftwerk ist
    teuer, sondern der Brennstoff. Die Welt, außer die verblendeten Deutschen wird sich überlegen ob man viel
    Geld in die Hand nimmt für wenig Energie, oder ob man
    mit wenig Geld für ein Kraftwerk und Brennstoff für einen
    Appel und ein Ei nicht besser fährt. Somit machen die Saudis auch die Erneuerbaren zur Sau und sie bauen sich
    neue Skihallen um die von uns mühsam ersparten CO2 raus zu hauen. Der Mensch an sich, ist verrückt, das ist das
    Problem.

  • @ Herr Fritz Yoski

    Ich habe nicht geleugnet, dass in Venezuela massive Probleme bestehen und Korruption herrscht.

    Das ändert aber nichts daran, dass die Ammis mit ihrem Fracking-Öl den Markt überschwemmen und somit durch den Preisverfall stark unter Wert verkaufen müssen.
    Das heißt sie machen Verlust dabei.

    Das macht ihnen aber nicht aus, da der Dollar die Weltwährung ist und immer noch etwa 85% aller Geschäfte in Dollar abgewickelt werden.
    Somit können sich die Ammis immer das Geld drucken, dass sie gerade brauchen, was sie ja auch tun mit ihrer Neuverschuldung von 4 Bio. $ in den letzten paar Jahren und der Gesamtverschuldung von 17 Bio. $.

    Viele Probleme von Venezuela sind hausgemacht, jedoch verschärft die USA diese auf eigene Kosten durch den künstlich klein gehaltenen Ölpreis, weil die USA einen längeren Atem haben als Venezuela und somit deren Wirtschft ruinieren können, die ja fast ausschließlich auf Öl basiert (95% oder so??? Natürlich auch wegen Misswirtschaft und unterlassenen Investitionen in andere Wirtschaftsbereiche usw.)

  • Schuld sind immer die Anderen wenn man selbst zu bloed ist.
    Beispiele gibt es genug in Venezuela.
    Oel Ingenieure bekommen etwa 400 Euro pro Monat. Wer was kann geht nach Kanada, USA, Saudi-Arabien oder sonstwo hin und verdient das 10-20 fache. Zurueck bleibt wen sonst niemand haben will. Die Oelproduktion sinkt und es kommt zu Katastrophen/Explosionen weil kein faehiges Personal mehr vorhanden ist und keine Mittel zur Instandhaltung bereit gestellt werden.
    Die industrielle Fischerei wurde zu Gunsten kleiner Betriebe enteignet. Resultat ist das es keine Fische mehr zu kaufen gibt.
    Die Preiskontrollen fuer fast alle Waren sind unterhalb des Einfuhrpreises angesetzt. Sie lassen sich also fuer den Verkaufspreis nicht ersetzen. Resultat ist das die Laeden leer bleiben und schliessen.
    Was es an privater Industrie gab wurde enteignet und stellt heute fast nichts mehr her. Resultat ist ein Mangel an Klopapier, Zucker, Mehl und allem was man sonst noch so zum Leben braucht.
    Aber natuerlich sind an alle dem die USA schuld, nicht etwa die eigene Inkompetenz....und ich bin sicher kein Freund der anglo-amerikanischen Kriegstreiber aber die Probleme die Venezuela hat sind zu 99% aus eigener Produktion.

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