Ölpreis
Verbraucher spüren den Preisanstieg

Zwei Wochen vor dem Beginn der ersten Sommerferien hat der Ölpreis abermals die 50-Dollar-Marke geknackt. Doch dieses Mal könnte sich er länger über dieser Marke halten. Die Szenarien der Experten.

SingapurDie Klettertour der Ölpreise hat am Donnerstag zumindest vorerst ein Ende gefunden. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August 51,89 US-Dollar und damit 62 Cent weniger als am Vortag. Für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juli mussten 50,75 Dollar gezahlt werden und damit 45 Cent weniger als am Vortag. Zuvor hatte der Brent-Preis am Donnerstag den höchsten Stand seit Oktober 2015 bei 52,86 Dollar erreicht. Der WTI-Preis war zwischenzeitlich mit 51,67 Dollar so teuer wie zuletzt im Juli 2015, Brent kostet damit so viel wie letztmalig im Oktober 2015

 Experten des Bankhauses Metzler sahen in dem jüngsten Preisrückgang eine Gegenbewegung zu den schnellen Zuwächsen zuvor. Die Aufwärtsbewegung im Vorfeld sei durch massive Fondskäufe mitverursacht worden, schrieben die Analysten. Wesentlicher Treiber sei dabei der Anlagenotstand angesichts extrem niedriger Zinsen. Auch Hedgefonds hätten zuletzt kräftig am Ölmarkt mitgemischt.

Als Ursache für den vorherigen Preisanstieg machten Ölhändler den schwächelnden Dollarkurs aus sowie Produktionsausfälle in Venezuela, Nigeria und Kanada. Hinzu kamen neue Lagerdaten aus den USA und Meldungen über neue Waldbrände in Kanada. In Kanada sahen sich demnach einige Ölförderer gezwungen, aufgrund neuer Brandherde ihre Produktion wieder einzustellen. In den USA sind die Rohölbestände nach Zahlen vom Mittwoch zum dritten Mal in Folge gefallen. Die amerikanische Ölförderung stieg dagegen erstmals seit mehreren Wochen an.

Schon im Mai war Öl mit einem Durchschnittspreis von 47,74 Dollar je Barrel viel teurer als im Januar, als der Preis sogar unter 30 Dollar fiel. Das war der tiefste Stand seit einer Dekade. Seitdem ging es stetig aufwärts; allein von April auf Mai verteuerte sich Öl um mehr als zehn Prozent.

Von einem nachhaltigen Trend mögen die vorsichtigen Forscher vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) dennoch nicht sprechen. „Das waren zum Teil auch besondere Einflüsse“, sagt HWWI-Energieexperte Leon Leschus. So wüteten in Kanada wochenlang schwere Waldbrände und brachten die Ölförderung oder den Transport stellenweise zum Erliegen.

Die Verbraucher in Deutschland spüren den Preisanstieg an der Tankstelle oder beim Heizölkauf. Ölprodukte haben sich seit Januar verteuert, aber sie sind immer noch günstiger als vor einem Jahr. So kosten 100 Liter Heizöl in dieser Woche gut 52 Euro (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt).

Vor einem Jahr war die gleiche Menge elf Euro teurer. Ähnlich ist es beim Benzin: Der aktuelle Preis für einen Liter Super E10 beträgt im bundesdeutschen Durchschnitt ungefähr 1,32 Euro; vor einem Jahr waren es noch 1,44 Euro je Liter.

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