Ölpreis-Verfall
„Uns stehen weitere schwere Zeiten bevor“

Die Talfahrt des Ölpreises verlangsamt sich – am Nachmittag zogen die Preise wieder leicht an. Ein Rückgang der US-Ölreserven stützt die Märkte – doch Experten bleiben skeptisch. Zu groß sind die Konjunktursorgen.
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Frankfurt/SingapurDie Ölpreise haben am Donnerstag nach anfänglichen Verlusten wieder angezogen. Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete am frühen Nachmittag mit rund 99 Dollar 1,3 Prozent mehr als am Vorabend. US-Leichtöl der Sorte WTI notierte mit 87,91 Dollar 1,4 Prozent im Plus. Allerdings sprachen Händler von einer technischen Erholung. Der Preisrückgang um zehn Prozent seit Monatsbeginn sei übertrieben, hieß es. Noch am Morgen war Brent um ein Prozent auf ein neues Neun-Monats-Tief von 96,75 Dollar gerutscht. Wie nachhaltig die Erholung sei, bleibe abzuwarten. Möglicherweise könnten nur Förderkürzungen der Opec einen stärkeren Preisverfall verhindern, erklärten einige Händler.

Die Analysten der Commerzbank verweisen in ihrem Tageskommentar auf die Nachfragesorgen nach zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus den beiden wichtigsten Ölverbrauchsländern USA und China. Dieser gehe zudem mit dem Anstieg der US-Ölproduktion auf das höchste Niveau seit Juli 1992 einher, was auf die Marktstimmung drücke. "Im Zuge dessen dürften weitere Finanzanleger aus dem Ölmarkt aussteigen, was den Preisrückgang verstärkt", schlussfolgerten die Experten. Die Analysten der Bank of America/Merril Lynch schließen nicht aus, dass der Brent-Preis noch unter 95 Dollar sinken wird.

„Der Markt ist wieder zu der Erkenntnis zurückgekehrt, dass sich Änderungen beim Wachstum und dem Bruttoinlandsprodukt in schwächerer Nachfrage niederschlagen müssen”, sagte Jonathan Barratt vom Rohstoff-Newsletter Barratt's Bulletin in Sydney zu Bloomberg. „Uns stehen weitere schwere Zeiten bevor.”

Die Opec-Länder müssten die Einberufung einer Sondersitzung diskutieren, sollte der Ölpreis länger unter 100 Dollar bleiben, forderte der iranische Ölminister Rostam Qasemi am Mittwoch. Bislang hat sein Vorschlag aber wenig Widerhall im Kartell gefunden. Die nächste reguläre Opec-Sitzung findet am 31. Mai statt. "Solange es von Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten kein Signal für eine Angebotskürzung gibt, dürfte der Ölpreis weiter fallen", sagten unterdessen die Analysten der Commerzbank voraus.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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  • na ja, die Amis werdens schon wieder richten - Sie und nicht die OPEC waren die Initiatoren des hohen Ölpreises Anfang der 70er Jahre (O-Ton) vom damaligen OPEC-Chef Scheich Jamani.

    Die Iraner die damals nicht mitmachen wollten wurden eines anderen belehrt - die CIA klärte das und der Schah mußte sich vertschüssen.

    so schauts aus - wo den die Amis selbst gern am eigenen ÖL verdienen und diese Magnaten und und ihre Ableger die "größte Demokratie" der Welt beherrschen.

    Prost Mahlzeit

  • @HofmannM

    Wenn Sie meinen 3. Absatz gelesen und verstanden haben, dann haben Sie die Antwort für Ihre Nachfrage.

    Für China und Brasilien kann ich Ihnen versichern, dass in beiden Ländern große Anstrengungen unternommen werden, Energie einzusparen, Beispiel Windenergie. In Brasilien fahren mehr als 60% aller PKW mit Alkohol aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr.

    Ob Sie bei sich selbst eine Verantwortung zu einem Ressourcen schonendem Leben suchen, kann ich nicht erkennen. Verbrauchen Sie jeden Tag mehr als einen Kubikmeter Wasser, fahren ein Auto, das 30l auf 100 Kilometer verbraucht und beleuchten Ihr Haus in allen Räumen mit 500 Wattstrahlern? Es klingt fast so!? Zum Glück sind Sie da hoffentlich eine Ausnahme.

  • Es ist eben schwer einen gläubigen mit Fakten zu überzeugen. Die Mutternaturisten vertrauen nunmal Ihrer Kirche und nicht der Wissenschaft.

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