Ölpreise
Den Worten der Opec folgen keine Taten

Die Opec will mit aller Macht seine Ölförderkürzung durchsetzen. Doch die Skepsis daran nimmt zu. Spekulanten wetten wieder auf fallende Preise. Und selbst die Opec schlägt erneut einen Förderrekord.

FrankfurtDer Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) läuft die Zeit für ihr geplantes Abkommen über eine Ölförderkürzung davon. Vor einem Monat hatte das Ölkartell den Plan verkündet. In einem Monat sollen die Details ausgehandelt werden. Doch allem Opec-Optimismus zum Trotz: Statt Fortschritten erleidet das Vorhaben vor allem Rückschritte.

Den jüngsten musste die Opec am Wochenende hinnehmen: In Wien traf sich das Kartell mit einigen wichtigen Nicht-Opec-Ländern wie Aserbaidschan, Kasachstan, Mexiko, Oman, Russland und Brasilien. Zum Auftakt hatte Opec-Generalsekretär Sanusi Barkindo noch beschworen: „Nur gemeinsam kommen wir vorwärts. Wenn wir uns dessen bewusst sind, bin ich guter Dinge, dass das Resultat dieses Treffens positiv sein wird.“

Doch selbst in insgesamt achtzehn Stunden der Gespräche konnten die Parteien keinen Konsens finden. Der Ölpreis steigt am Dienstag zwar wieder leicht. Doch bei 48,84 Dollar je Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent notiert der Rohstoff so günstig wie seit der Verkündung der Förderkürzung nicht mehr. Seit seinem Hoch von über 53 Dollar hat sich der Rohstoff wieder um viereinhalb Dollar verbilligt.

Dass der Preis so stark einbrach liegt nicht zuletzt an der Produktion der Opec. „Dank einer höheren Förderung in Libyen und Nigeria produzierte das Ölkartell im Oktober laut einer Reuters-Umfrage mit 33,8 Millionen Barrel rund 800.000 Barrel pro Tag über dem angekündigten Zielkorridor“, erklären die Rohstoffanalysten der Commerzbank. Die erklärte Absicht ist es jedoch, künftig nur noch 32,5 bis 33 Millionen Fass täglich zu pumpen. Das zeigt: Zwar sprechen die Ölmächte über eine Kürzung. Doch den Worten folgen bislang keine Taten. Im Moment pumpt die Opec so viel Öl aus dem Boden wie nie zuvor.

Den Glauben an ein Opec-Abkommen scheint auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs zu verlieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal die Lagerbestände erfolgreich sinke, seien gering, schrieben Analysten der Bank in einem Kommentar. Scheitern die Gespräche sieht Goldman Sachs den Ölpreis nahe 40 Dollar fallen.

Selbst bei den Spekulanten, die nach der Absichtserklärung der Opec zunächst noch überzeugt waren, dreht die Stimmung. Erstmals seit Ende Mai weiteten sie wieder ihre Wetten auf fallende Preise aus und verstärken damit den Abwärtstrend beim Ölpreis.

Am Wochenende war es ein altes Problem, das die Opec-Gespräche zum Scheitern brachte: Meinungsverschiedenheiten mit dem Iran gewesen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet und sich auf einen Insider beruft. Seit Monaten ist das Land mit Saudi-Arabien, dem wichtigsten Förderland der Opec und Treiber der Kürzungsstrategie, im Zwist. Der Iran besteht darauf, seine Produktion auszuweiten. Damit ist das Land nicht allein. Auch Libyen, Nigeria und der Irak fordern, von der Kürzung ausgenommen zu werden – insgesamt also vier von 14 Staaten.

Vor dieser Ungewissheit, wer überhaupt welche Last innerhalb des Ölkartells tragen soll, halten sich die Nicht-Opec-Staaten mit Zusagen zurück. In drei Wochen wollen sie sich nun noch einmal mit dem Ölkartell treffen – in der Hoffnung, genauere Zusagen von der Opec zu erhalten. Zuletzt erklärte sich Russland bereit, seine Förderung zu kürzen – sofern die Opec ihren Plan auch wirklich in die Tat umsetzt.

„Die Gespräche zwischen der Opec und Nicht-Opec-Staaten sollten eigentlich den Glauben in ein Kürzungsabkommen stärken. Stattdessen haben sie die Skepsis befeuert“, kommentieren die Analysten von Morgan Stanley. „Scheitert die Opec an einem Abkommen Ende November, könnte eine deutliche Preiskorrektur folgen. Und das weiß die Opec auch.“

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Letztlich hängt es an Saudi-Arabien

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