Ölpreise: Jemen-Krise macht Öl teurer

Ölpreise
Jemen-Krise macht Öl teurer

Die Ölpreise sind am Donnerstag erneut gestiegen: Grund dafür sind ein schwacher Dollar und die hohe Ölproduktion der USA. Aber auch die Sorge vor einem neuen Krieg in den erdölfördernden Ländern schiebt die Ölpreise an.
  • 1

FrankfurtDie militärische Eskalation der Krise im Jemen hat am Donnerstag die Ölpreise an kräftig angeschoben. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich in der Spitze um 5,8 Prozent auf 59,78 Dollar je Barrel (159 Liter). „Geopolitische Risiken wie diese sind zuletzt ausgeblendet worden, da sich die Marktteilnehmer auf das globale Überangebot fokussiert haben“, erklärte Ole Hansen, Rohstoffanalyst bei der Saxo Bank.

Doch mit dem Eingreifen der Nachbarländer unter saudiarabischer Führung sei die Weltpolitik schlagartig wieder in den Fokus gerückt – zumindest kurzfristig, fügte Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht hinzu. Der unverändert hohe Bestand an Öl in den USA dürfte die Preise aber bald wieder drücken.

In der Nacht hatte Saudi-Arabien Luftangriffe gegen die Huthi geflogen, die nach Einschätzung westlicher Staaten vom Iran unterstützt werden. Die Regierung in Teheran verhandelt derzeit mit dem Westen über eine Beilegung des Atomstreits im Tausch für die Aufhebung von Sanktionen bei der Ölausfuhr und scheint laut Bundesregierung erstmals seit langem einer Lösung nahe zu sein. Im Jemen selbst wurden in der Nacht alle großen Seehäfen geschlossen.

Jemen ist laut Commerzbank zwar als Ölproduzent mit einer schrumpfenden Förderung von zuletzt nur noch 100.000 Barrel pro Tag eher unbedeutend. Aber seine geographische Lage sei von hoher Relevanz, da die Meerenge Bab el-Manded laut US-Energiebehörde (EIA) ein entscheidender Knotenpunkt für den Öltransport sei.

Die Tanker der arabischen Ölproduzenten passieren auf dem Weg zum Suez-Kanal den Golf von Aden entlang der jemenitischen Küste. Nach EIA-Schätzungen von 2013 transportieren sie auf dieser Linie täglich 3,8 Millionen Fässer mit Rohöl. „Eine Verschlechterung der Sicherheitslage in dieser Region würde die Transportwege massiv verlängern“, erläuterte Lambrecht. Doch das ändere nichts an der Ölschwemme in den USA.

Der US-Ölboom durch die Förderung von Schieferöl hat trotz des Rückgangs von Bohrungen in diesem Jahr zu einem enormen Anstieg der Ölbestände in den USA geführt. Seit Wochen steigen diese auf immer neue Rekordhöhen. Erst in der vergangenen Woche hatten die Bestände zudem mit über acht Millionen Barrel so stark zugenommen wie seit mindestens 80 Jahren nicht mehr, wie das US-Energieministerium mitteilte.

Diese Rekordbestände könnten nicht einfach abfließen, erklärte Analyst Hansen von der Saxo Bank. Dagegen können laut Lambrecht Risikoprämien ebenso schnell verschwinden wie sie steigen. „Dagegen eher langsam bauen sich physische Ungleichgewichte ab.“ Das Aufwärtspotenzial der Preise sei begrenzt, es sei denn, die Krise eskaliere, stimmte Hansen zu. Man müsse abwarten, wie sich die Lage im Jemen weiter entwickle.

Laut Lambrecht sorgen sich auch viele Anleger darüber, dass im Jemen eine Art Stellvertreterkrieg zwischen dem mehrheitlich sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran geführt wird. Zudem fürchten die Golfstaaten für den Fall einer Einigung im Atomstreit einen Machtzuwachs für den Iran im Nahen Osten. Laut Börsianern könnte diese Gemengelage zumindest auch das Abwärtspotenzial der Ölpreise in Schach halten. Im vergangenen Jahr hatten sich die Ölpreise halbiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ölpreise: Jemen-Krise macht Öl teurer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Wirtschaft der USA wächst schwächer. Geopolitische Risiken werden größer. Die Börsenkurse brechen weltweit ein. Der Ölpreis steigt dramatisch. Das alles ist nur dem geringen Angebot und der starken Nachfrage geschuldet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%