Ölpreise und Opec
Am US-Markt droht ein Preiskrieg

Saudi-Arabien und andere Opec-Staaten erhöhen den Druck auf den Ölpreis am US-Markt. Sie wollen die verlorenen Marktanteile zurückgewinnen. Doch die US-Produzenten kann das kalt lassen.
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FrankfurtDen amerikanischen Schieferöl-Produzenten droht ein Preiskrieg mit Saudi-Arabien. Das Königreich erwägt diese Maßnahme, um Marktanteile zurückzugewinnen. Doch das lässt die US-Produzenten kalt. Sie sind der festen Überzeugung in einem solchen Preiskrieg deutlich mehr Durchhaltevermögen zu haben, als die Produzenten aus Saudi-Arabien. Einige der US-Unternehmen erwägen sogar ihre Produktion auszubauen. „Saudi-Arabien geht hier wirklich ein großes Wagnis ein”, sagt Archie Dunham, Chairman des Schieferölförderers Chesapeake Energy. „Wenn sie den Preis auf 60 oder 70 Dollar je Barrel drücken, dann wird das die Produktion in den USA verlangsamen, aber nicht beenden. Für andere Opec-Länder wären die Konsequenzen sehr viel ernster.”

Der Preisverfall bei der Rohöl-Referenzsorte Brent, die am Mittwoch ein Vier-Jahres-Tief markiert hatte, trug zur Nervosität am Markt bei. Ein Treffen zur aktuellen Situation zwischen Saudi-Arabien und elf anderen Staaten der Opec ist für den 27. November, also am Tag des amerikanischen Thanksgiving geplant. Bereits zuvor hatte Saudi-Arabien den Preis für in die USA verkauftes Rohöl gesenkt. Bislang wurde davon ausgegangen, dass Saudi-Arabien seine Produktion senkt, um so das Angebot auszutarieren damit der Preis fällt.

Nach den aktuellen Maßnahmen wird jedoch vermutet, dass diese Maßnahme ausbleibt. „Für Saudi-Arabien könne die Rechnung aufgehen, weil das Land genug Liquidität und sonstiges Vermögen in der Hinterhand habe, um einen Ölpreis um die 50 Dollar zu verkraften“, sagt Dunham. Doch „die große Mehrheit der Opec-Länder kann bei Preisen unter 80 Dollar je Barrel die Haushaltspläne nicht einhalten und die Bevölkerung nicht zufrieden stellen”.

Anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen in dieser Woche haben die Führungen von Chesapeake, EOG Resources Inc. und anderen großen Schieferölförderern angekündigt, die Produktion aufrecht zu erhalten und sogar zu steigern. Ihre erfolgreichen Kostensenkungen versetzten sie in die Lage, auch bei noch niedrigeren Preisen Gewinn zu machen, ließen sie wissen.

„Uns bei Whiting macht es keine Angst, bei Ölpreisen auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch etwas niedriger im Wettbewerb zu stehen”, sagte James Volker, Chairman and CEO bei Whiting Petroleum in einer Telefonkonferenz letzte Woche. Continental Resource und Pioneer Natural Resources gehören zu den Rohölförderern, die angedeutet haben, dass sie auf den Preisverfall nicht mit einer Drosselung ihrer Produktion reagieren wollen. Dasselbe gilt für ConocoPhillips und Marathon Oil Corp.. Diese Firmen haben erklärt, ihre Ölvorkommen zwischen Texas und North Dakota zählten zu den profitabelsten Investmentmöglichkeiten.

Kommentare zu " Ölpreise und Opec: Am US-Markt droht ein Preiskrieg"

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  • Das erinnert ein wenig an den James Dean Klassiker "Denn sie wissen nicht was sie tun" - nach dem Motto: Wer zuerst bremst, der verliert. Anscheinend wollen alle Parteien demonstrieren, dass sie am längsten mit einem niedrigeren Ölpreis leben können. Das ist aber vielleicht nur ein verzweifelter Bluff, damit die Gegenseite die Preise nicht noch weiter drückt. De facto bleibt abzuwarten, ob bei einem Ölpreis von 70 USD oder niedriger die aufwändigere Schieferöl-Gewinnung tatslächlich noch Gewinne abwirft - es gibt ja auch nicht wenige Experten, die die Zahlen über die überhaupt wirtschaftlich abbaubaren Vorkommen für massiv überzogen halten. Dann wäre dem US Ölboom sicher eine kürzere Laufzeit beschieden als "Jahrzehnte"..

  • Der Ölpreis macht RUS wenig. Das ist Panikmache des Westens. Die Ölgeschäfte mit Asien laufen blendend. Der Gaspreis wird ab 01/2015 kräftig angehoben. Da überkompensiert den Ölpreis.
    Von RUS lernen ... heisst siegen lernen!

  • Wollen die USA, Putin mit niedrigem Öl-Preis in die Knie zwingen?

    Auf Drängen der USA hat Saudi-Arabien seine Öl-Produktion massiv ausgeweitet. Dies hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Ölpreis seit Juni um mehr als 20 Prozent eingebrochen ist.

    Der Preisverfall schadet vor allem Russland, das den Großteil seiner Staatseinnahmen aus dem Export von Öl und Gas bezieht. Sollte Saudi-Arabien den Öl-Krieg fortsetzen, droht Putin erstmals ein deutliches Staatsdefizit.

    Saudi-Arabien hat seine Ölproduktion zuletzt massiv erhöht und dadurch zu dem Verfall des Ölpreises um rund 20 Prozent beigetragen. Grund dafür ist offenbar eine strategische Zusammenarbeit mit den USA, die Russland durch einen Ölkrieg in die Knie zwingen wollen.

    Im Rahmen dieser Verhandlungen erreichte Saudi-Arabien außerdem die Zusicherung der USA, die Ausbildung von Kämpfern gegen Assad zu verstärken, berichtete das Wall Street Journal. Die strategische Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA scheint wieder intakt zu sein.

    Vor einem Jahr war Saudi-Arabiens König Abdullah noch wütend darüber gewesen, dass die USA damals einen Rückzieher machten und Syrien nach wochenlangen Drohungen dann doch nicht bombardierten. Von Anfang an ging es im Syrien-Krieg um den Zugriff auf Erdöl und Erdgas und um die Währung, in der diese Ressourcen bezahlt werden.

    Entscheidend war damals die Rolle Russlands, dass seine Flotte im Mittelmeer in Stellung brachte. Präsident Wladimir Putin konnte auf diese Weise einen Krieg der USA gegen das eng mit Russland verbundene Syrien verhindern.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/11/usa-wollen-putin-mit-niedrigem-oel-preis-in-die-knie-zwingen/

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/das-amerikanisch-saudische-geheime-abkommen-ueber-syrien-eine-grosse-dummheit.html

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