Ölpreisverfall: Was heute an die Hypothekenkrise 2007 erinnert

Ölpreisverfall
Was heute an die Hypothekenkrise 2007 erinnert

Banken unterbieten sich mit Öl-Preis-Prognosen. Nun senkt auch die Weltbank ihre Vorhersage deutlich. Die Bank of America zieht Parallelen zum Crash des US-Häusermarktes. Und der mündete in einer globalen Finanzkrise.

DüsseldorfEs gibt viele Ökonomen, die von den Vorteilen der niedrigen Ölpreise schwärmen. Die gängige Meinung lautet, dass es für Öl-Import-Länder wohl kein besseres Konjunkturpaket gebe. Die Ölförderländer ächzen hingegen. Die größte norwegische Bank DNB warnt vor Kreditausfällen. Noch drastischer sieht es die Bank of America Merrill Lynch. Sie erkennt gefährliche Parallelen zur US-Hypothekenkrise 2007, die schließlich die internationale Finanzkrise auslöste.

Erstmals verglich die Bank die beiden Situationen vor einem Jahr. Nun hat sie ihre Ansichten bestätigt. Ein Analystenteam unter der Leitung von Chris Flanagan kommt zu dem Ergebnis, dass das Muster des Ölpreisfalles seit Mitte 2014 erstaunliche Ähnlichkeiten zum Verfall der Preis auf dem US-amerikanischen Häusermarkt zwischen 2007 und 2009 aufweist. Für den Vergleich ziehen sie die Entwicklung des synthetischen Hypothekenindex' ABX heran.

„Sowohl der Zeitraum des Preisrückgangs (ungefähr 1,5 Jahre) als auch dessen Ausmaß ähneln sich“, schreiben die Bank of America-Experten. So sei etwa der ABX innerhalb von nur zwei Jahren auf weniger als ein Drittel seines Ausgangspreises gefallen. Verglichen mit seinem Stand vom Juni 2014 (knapp 114 Dollar), beträgt der Preis für Brent-Öl heute nur noch etwa ein Viertel seines damaligen Wertes (etwa 30 Dollar).

„Sowohl die Häuser- als auch die Ölpreise wurden vor dem Verfall durch massive Kreditausweitung in spektakuläre Höhen getrieben. Deshalb ist es wahrscheinlich mehr als nur Zufall, dass das Muster der beiden platzenden Preisblasen so ähnlich ist“, schreiben die Analysten. Würde sich das Öl wie einst die Häuserpreise weiterentwickeln, wäre eine Bodenbildung im unteren 20-Dollar-Bereich möglich, vermutlich im Zeitraum zwischen März und April 2016.

Die weiter fallenden Preise führt die Bank of America nicht zuletzt auf Marktpsychologie zurück. Zunächst verleugnen Marktteilnehmer den fallenden Preis als wahren Wert der Anlage. Auf den Ölpreis übertragen heißt das: Die Opec fördert immer weiter. Die Organisation selbst will damit Konkurrenten aus dem Markt drängen. Doch die Schieferölproduzenten in den USA haben schon reagiert und die Kosten gesenkt. Zudem können sie schneller an den Markt zurückkehren als dies bei konventionellen Quellen, etwa Ölbohrinseln im Meer, der Fall ist.

Schließlich aber werde der Druck zu groß für die Marktteilnehmer. Unternehmen erhalten keine Kredite mehr und Gläubiger gehen Pleite. „Niedrige Preise beschleunigen in der Regel die Verkäufe von Vermögensanlagen. Welche Gründe auch immer dahinter stehen – irgendwann werden Verkäufe unausweichlich. Rückkopplungen treten ein“, schreibt die Bank of America. Das heißt: Die Pleitewellen weiten sich im schlimmsten Falle auch auf Wirtschaftsbereiche aus, die nicht im direkten Zusammenhang mit der Ölindustrie stehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%