Ölreiches Nigeria
Konzerne wagen sich nicht ins Nigerdelta

Angriffe auf Öleinrichtungen, Entführungen von Mitarbeitern: Die Lage in Nigeria sit weiter angespannt. Das hat für einen beträchtlichen Rückgang der Ölexporte gesorgt. Mehr als Fünf Milliarden Dollar sind dem Land dadurch allein im vergangenen Jahr verloren gegangen.

KAPSTADT. Auch ein Jahr nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Nigeria bleibt die Lage im ölreichen Nigerdelta angespannt. Militante Gruppen, die offiziell eine gerechtere Verteilung der Öleinnahmen fordern, aber oft kriminell agieren, halten die in der Region tätigen Konzerne mit Angriffen auf Öleinrichtungen und durch die Entführung von Mitarbeitern in Atem.

Allerdings hat sich die Zahl der Übergriffe zuletzt leicht verringert. Dies hat Godsday Orubebe, Nigerias Minister für spezielle Dienste, dazu veranlasst, die vor den Angriffen geflohenen Konzerne zu einer sofortigen Rückkehr ins Delta zu bewegen. Seine Regierung halte die Lage dort nun für sicher genug, um die Produktion umgehend wiederaufzunehmen, sagte Orubebe. Viele der in Nigeria ansässigen Unternehmen sind inzwischen aus Port Harcourt, der Pforte ins Nigerdelta, in die Wirtschaftshauptstadt Lagos geflüchtet.

Die Ölkonzerne selbst haben die Aufforderung der Regierung mit Skepsis aufgenommen. Einige ihrer Vertreter, die anonym bleiben wollten, meinten, die Regierung könne schon deshalb niemanden zur Rückkehr zwingen, weil die Unternehmen kein Gesetz gebrochen hätten. Nach eigenen Angaben sind die Ölfirmen nicht bereit, das Leben ihrer Angestellten zu gefährden, zumal sich die Regierung als unfähig erweisen habe, die Übergriffe militanter Gruppen nachhaltig zu stoppen,

Sicherheitsexperten sind der Meinung, dass der nigerianische Staat trotz der hohen Öleinnahmen nicht die Mittel besitzt, um die Rebellen im Delta mit seinen vielen Schlupflöchern effektiv zu bekämpfen. Die meisten glauben, dass der westafrikanische Staat etwa 200 Patrouillenboote brauchte, um das Delta, das etwa die Größe von Bayern hat, ausreichend zu überwachen.

Die anhaltend unsichere Lage im Nigerdelta hat einen beträchtlichen Rückgang der nigerianischen Ölexporte zur Folge gehabt. Besonders hart ist davon der Ölkonzern Shell betroffen. Nach einer Reihe von Anschlägen hat das Unternehmen seine Produktion in Nigeria vor zwei Jahren um fast die Hälfte reduziert. Noch härter leidet jedoch Nigeria selbst unter den Produktionsausfällen. Nach Regierungsangaben hat das Land rund ein Viertel seiner Gesamtproduktion von 2,4 Mill. Barrel am Tag geschlossen. Dadurch sind dem Land allein im letzten Jahr mehr als fünf Mrd. Dollar an Öleinnahmen verloren gegangen.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%