Ölschwemme der Opec
Viel Lärm um nichts

Die Opec verzichtet auf die Kürzung der Fördermenge. Damit hält die Ölschwemme trotz der niedrigen Preise weiter an. Die Entscheidung über eine Drosselung soll nun frühestens im Juni 2016 fallen.

WienDie wilden Spekulationen um die Opec, die von Fachdiensten im Vorfeld der Wiener Konferenz gestreut wurden, erweisen sich als haltlos. Das Treffen der Öl-Kartells endete so, wie es erfahrene Marktteilnehmer erwartet hatten: Das Ölkartell hat eine Entscheidung über eine preisstützende Drosselung ihrer Förderung bis zum nächsten Jahr vertagt.

Entsprechend reagierte der Ölpreis und rutschte in Europa auf seine wöchentlichen Tiefstände von wenig mehr als 41 Dollar je Barrel (159 Liter) ab. Schon im Laufe des Tages war der Preis unter Druck geraten, nachdem Gerüchte aufkamen, das Ölkartell würde seine offizielle Förderquote sogar anheben. Nach offizieller Lesart fördert die Opec 30 Millionen Barrel Öl am Tag, tatsächlich sind es aber gut 31,5 Millionen Barrel.

Mit dieser Entscheidung hält die Ölschwemme weiter an. Die Politik des billigen Öls, eine wichtige Stütze des Aufschwungs in Europa, endete mit der Opec-Konferenz am Freitag nicht. Legt man die Angaben der Opec zugrunde, hat das Kartell laut Axel Herlinghaus, Energieexperte der DZ Bank, in mindestens vier von fünf Fällen sein eigenes Förderlimit überschritten. „Die offizielle Förderquote sehen wir lediglich als statistischen Papiertiger an“, sagt daher Herlinghaus.

„Die Opec-Länder sind sich einig, dass sie sich uneinig sind“, sagt Eugen Weinberg, Chef des Rohstoffresearchs der Commerzbank, in Anspielung auf die zunehmende Spaltung der Organisation – die Trennlinie verläuft zwischen in Arm und Reich. Zwar sprächen sich die meisten Mitglieder für eine Produktionskürzung aus, sie seien aber nicht bereit, die eigene Produktion zu verringern. „Nachhaltig hohe Ölpreise wird die Opec nur dann erreichen, wenn sie das Vertrauen in ihre Preiskontrollmacht zurückgewinnt“, erklärt Weinberg. „Viel Lärm um nichts“, kommentierte die Commerzbank daher die Aufregung der vergangenen Tage.

Weinberg schließt auch nicht aus, dass sich der „Kampf um Marktanteile“ aufgrund des höheren Angebots des Iraks und des Irans noch verstärken könnte. Die Opec hatte ihre Förderung noch erhöht, um so die Schieferölproduktion in den USA unrentabel werden zu lassen. Mitte 2014 kostete ein Barrel der europäischen Sorte Brent noch rund 115 Dollar. Zu diesen Preisen war die Produktion in den USA kontinuierlich ausgeweitet worden; das Land fiel damit am Weltmarkt als Nachfrager weitgehend aus. Dann war der Ölpreis auf Werte von 50 Dollar und weniger eingebrochen. Als Folge davon wurde ein großer Teil der US-Schieferölförderung unrentabel, über zwei Drittel der Bohrlöcher sind seither geschlossen worden.

In Fachkreisen werden im nächsten halben Jahr keine nachhaltig höheren Preise erwartet. Denn die nächste Opec-Konferenz findet erst am 2. Juni nächsten Jahres statt. Ob es dann zu einer Drosselung kommen wird, hängt nicht zuletzt vom Iran ab. Denn innerhalb des Ölkartells ist unklar, will schnell und in welcher Größe Teheran seine Fördermenge ausbauen kann. Analysten erwarten, dass die Fördermenge innerhalb von zwölf Monaten bis zu einer Million Fass Rohöl steigen könnte. Alles hängt von der Aufhebung der Sanktion nach dem erfolgreichen Atomkompromiss an.

Das Ölkartell erweist sich derzeit als wenig handlungsfähig. In ihrer Abschlusserklärung wollte die Opec ein wenig Zuversicht verbreiten. Die in Wien ansässige Organisation erwartet ein globales Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent im nächsten Jahr. Nach Meinung der Opec mit 13 Mitgliedern – neu ist am Freitag Indonesien hinzugekommen – wird der Rohölbedarf demnach 2016 um 1,3 Millionen Barrel pro wachsen. Experten glauben aber, dass dieser Öl-Durst nicht ausreichen wird, dem bisherigen Ölpreis auf ein deutlich höheres Niveau zu heben. Die Zeit des billigen Öls ist noch nicht vorbei.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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