Öpreise: Experten erwarten kein Ende der Hausse
Ein Fass ohne Boden

Der Ölpreis ist außer Kontrolle. Fast täglich erreicht er einen neuen Rekordwert, und die Auswirkungen auf die Industriestaaten werden immer deutlicher. Ökonomen, Rohstoff- und Aktienanalysten revidieren angesichts des unaufhaltsam scheinenden Preisanstiegs ihre Prognosen.

HB FRANKFURT/LONDON. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl hatte gestern erstmals die Marke von 135 Dollar überstiegen. Und eine Entspannung ist nicht in Sicht. Denn die führenden Produzentenländer zeigen sich unfähig oder unwillig, ihre Fördermengen zu erhöhen. Führende Vertreter der Produzentenorganisation Opec beteuerten einmal mehr ihre Machtlosigkeit. An den Börsen fielen die Aktien von Autoherstellern und Fluggesellschaften.

Es sei gut möglich, dass der Ölpreis, wie von Goldman Sachs vorausgesagt, auf 200 Dollar steige, sagte der libysche Ölminister Shokri Ghanem in Bloomberg TV. „Alle Opec-Länder oder die meisten von ihnen produzieren, so viel sie nur können.“ Spekulanten hätten den Markt jetzt fest im Griff. Ghanems Kollege Abdullah bin Hamad al-Attiyah aus Katar bekräftigte, dass die Opec vor ihrem nächsten Ministertreffen im September nichts unternehmen werde. Die Preise seien weiter gestiegen, obwohl Saudi- Arabien in der vergangenen Woche auf Drängen des US-Präsidenten eine Erhöhung der Produktion um 300 000 Barrel am Tag versprochen habe. Das zeige, dass die Opec machtlos sei. Das Centre for Global Energy Studies in London fordert die Opec jedoch auf, wenigstens zu versuchen, den Markt mit deutlichen Produktionserhöhungen zu beruhigen. „Es ist schwer zu glauben, dass die Welt gut mit Öl versorgt ist, wenn die Industriestaaten im Durchschnitt 800 000 Barrel am Tag aus ihren Reserven entnehmen“, argumentiert das Forschungsinstitut.

Die Opec produziert rund 40 Prozent des weltweit verbrauchten Öls, hat jedoch anders als die Nicht-Opec- Produzenten nennenswerte freie Kapazitäten, vor allem in Saudi-Arabien. In Russland schrumpfte die Produktion hingegen zuletzt, in der Nordsee sinkt sie rapide, und Mexiko meldete zuletzt unerwartete Rückschläge. Die unerwartet niedrige Produktion in mehreren wichtigen Ländern verhindert, dass die konjunkturbedingt schwächere Nachfrage in den USA preisberuhigend wirken kann.

Der Vizechef der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Bill Ramsey, äußerte gestern die Befürchtung, dass die Ölproduktion trotz der hohen Preise nicht so schnell steigen könne wie bisher prognostiziert. „Es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass es ein Problem wird, die Weltproduktion zu steigern.“

Seite 1:

Ein Fass ohne Boden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%