Online-Shopping mit Bitcoins
„Der Bitcoin ist ein Rohstoff – natürlich ist er volatil“

Kaufen wir bald online mit Bitcoin ein? Stephen Pair ist Chef des Marktführers für digitale Überweisungen, Bitpay. Er erklärt, warum Bitcoin-Transaktionen die Zukunft sein könnten – und woran die Idee scheitern könnte.
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DüsseldorfKann man mit Bitcoins nur spekulieren? Oder lebt die ursprüngliche Idee noch, mit der digitalen Währung eine Alternative zu Dollar, Euro und Co. aufzubauen? Einer, der fest daran glaubt, dass man mit Bitcoins auf Shopping-Tour gehen kann, ist Stephen Pair. Er ist Co-Gründer und CEO von Bitpay. Das US-Unternehmen mit Sitz in Atlanta, Georgia, ist Marktführer bei der Abwicklung von Bezahlvorgängen in Bitcoin für Onlineshops. US-Starinvestor Peter Thiel und Yahoo-Gründer Jerry Yang haben frühzeitig in Bitpay investiert. Mit dem Handelsblatt sprach Stephen Pair über die Zukunft des Online-Bezahlens, den Einfluss von Kriminellen und Regulierern, und darüber, was der Digitalwährung des Genick brechen könnte.

Herr Pair, Onlineshopping ist längst ein Volkssport. Wenn ich als Kunde mit Euro, Dollar oder über Paypal einkaufen kann: Warum sollte ich plötzlich mit Bitcoin bezahlen?
Aus Kundensicht gibt es viele Gründe, mit Bitcoin einzukaufen. Zum einen ist es sicherer als viele andere Zahlungswege. Wenn ich mit Bitcoin bezahle, nutze ich eine Push-Transaktion, ich leite die Überweisung also selbst ein. Das ist etwas vollkommen anderes, als wenn ich einer fremden Firma die Abbuchung von meinem Konto erlaube. Die meisten Betrugsfälle beim Onlineshopping rühren daher, dass Leute ihre Kreditkartendaten herausgeben und Betrüger dann kinderleicht vom Kreditkartenkonto Geld abbuchen. Alle zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen – ein PIN, die Eingabe von Passwörtern – laufen den Betrügern immer hinterher.

Anders ist das bei einer Bitcoin-Transaktion: Hier hat man eine geheime Nummer, die die Überweisung einmalig auslöst. Der Empfänger erhält kein Zugriff auf mein Konto und auf sensible Daten. Ein weiterer Vorteil ist, dass man global mit Bitcoin bezahlen kann. Kunden können rund um den Planeten Geld überweisen, ohne es in eine andere Währung umtauschen zu müssen.

Aber auch bei Digitalwährungen gab es spektakuläre Diebstähle. Und Fakt ist: eine einmal getätigte Bitcoin-Zahlung kann man nicht zurückholen. Ist das nicht ein Risiko?
Das ist richtig. Das ist dieselbe Situation, wie wenn man jemanden in Bar bezahlt. Kunden können nicht einfach eine Bank anrufen und die Transaktion zurückfordern. Der Bitcoin hat heute viele gute, aber auch einige schlechte Eigenschaften. Gut ist, dass es ein Zahlungssystem ist, dem die Leute vertrauen können. Wenn ein Verkäufer Bitcoin erhält, dann weiß er, dass der Bezahlvorgang abgeschlossen ist. Der Absender kann nicht 30 Tage später sein Geld zurückfordern. Schlecht ist, dass man als Kunde aufpassen muss, dass man seine Bitcoins an die richtige Person verschickt, dass man alle Daten richtig eingegeben hat.

Aber da sprechen wir über den Stand von heute. Das Bitcoin-Basisprotokoll könnte in Zukunft um weitere Funktionen ergänzt werden. Es ist nicht schwer, ein System aufzubauen, dass zum Beispiel Rückzahlungen ermöglicht. Zum Beispiel, indem eine dritte Partei hinzugezogen wird, die den Transfer absichert, damit am Ende beide Parteien zufrieden sind. Bisher funktionieren Bitcoin-Überweisungen tatsächlich wie Barzahlungen. Aber das muss nicht so bleiben.

Eine Instanz in der Mitte geht über die Bitcoin-Vision eines vollkommen unabhängigen Systems hinaus. Arbeitet Bitpay an einer solchen Funktion?
Ja, wir arbeiten an einer solchen Lösung, aber ich kann Ihnen noch nicht sagen, wann sie fertiggestellt ist. Unsere Priorität ist aktuell, das Skalierungsthema zu meistern...

... also mit den weiter wachsenden Nutzerzahlen zurecht zu kommen.
Später wollen wir uns dann fortschrittlichen Transaktionen zuwenden, sogenannten Smart Transactions. Dann verschickt das Programm eines Versandhändlers zum Beispiel automatisch ein Produkt, sobald die entsprechende Zahlung eingegangen ist.

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Seite 2:

Warum Kursstürze Teil der Bitcoin-DNA sind

Seite 3:

Was dem Bitcoin das Rückgrat brechen könnte

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