Opec beschließt Aufstockung um 500 000 Barrel am Tag
Ölpreis steigt trotz höherer Förderquoten

Wegen hoher Preise und starker Nachfrage hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am Mittwoch zum fünften Mal in diesem Jahr ihre Förderquoten erhöht. Allerdings gelang es den wichtigen Erzeugerländern nicht, den Preis zu drücken und die Märkte zu beruhigen. Die Ölpreise legten sogar leicht zu.

LONDON/DÜSSELDORF. Europäisches Brentöl kostete bis zu 53 Dollar je Barrel (159 Liter). In den USA wurde die Richtmarke WTI für 55 Dollar gehandelt. Experten schätzen, dass Öl in den nächsten Jahren teuer bleibt, weil die Förderung ausgereizt ist.

Delegiertenkreisen zufolge beschloss das Ölkartell gestern in Wien eine Erhöhung seiner Förderquoten um 500 000 auf nun 28 Mill. Barrel am Tag und eine Option auf weitere 500 000 Barrel. Der Opec-Präsident, Kuwaits Ölminister Scheich Ahmad Fahad al-Ahmad al-Sabah, hatte die Ausweitung der Förderung bereits vor dem Opec-Treffen angekündigt. Auch das größte Förderland Saudi-Arabien unterstützt die Quotenerhöhung. Ölminister Ali al-Naimi sagte: „Wir werden mehr Öl in den Markt geben, wenn die Nachfrage es erfordert. Der Preis hat damit nichts zu tun.“ Das Problem der Ölmärkte liege bei den Raffinerien, deren Kapazitäten nicht ausreichten. Am Rande der Konferenz wurden die Forderungen nach Investitionen lauter

.

An den Märkten wurde die neuerliche Erhöhung nur als ein symbolischer Schritt gewertet, denn tatsächlich fördert die Opec bereits fast 30 Mill. Barrel Öl am Tag. „Die Opec hat nicht mehr die Macht, den Ölpreis zu steuern“, sagt Sandra Ebner, Ölexpertin der Deka-Bank, mit Blick auf die geringen Spielräume des Ölkartells. Die meisten Opec-Mitglieder fördern bereits an der Kapazitätsgrenze. Sorgen bereitete zuletzt auch das nachlassende Wachstum der russischen Ölförderung.

Weder Ölförderländer noch Raffineriebetreiber könnten die Kapazitäten schnell genug ausbauen, um den Markt zu beruhigen. Unter Ölexperten und in der Industrie mehren sich daher die Stimmen, die warnen, dass der Preis für längere Zeit nicht mehr unter 40 Dollar je Barrel sinken werde. Der unerwartete Nachfrageschub 2004 habe bewirkt, dass die Produktionskapazität nur noch um eine Million bis eineinhalb Millionen Barrel am Tag über der Nachfrage liege, sagt Peter Davies, Chefvolkswirt des Energiekonzerns BP. Bei einem Verbrauch von gut 80 Mill. Barrel am Tag liegt die Kapazitätsreserve also unter zwei Prozent. Da ist es verständlich, dass der Markt auf jeden Ausfall von Raffinerien oder Ölquellen nervös reagiert – so etwa Ende vergangener Woche, als im Golf von Mexiko die Mitarbeiter der Ölgesellschaften wegen des ersten Hurrikans des Jahres die Plattformen verlassen mussten.

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