Opec-Förderung bleibt hoch
Ölpreise weiter auf Talfahrt

Die Opec hält die Förderung hoch, die Ölpreise sinken auch am Dienstag weiter. Das preiswertere Öl könnte sich bald auch für Verbraucher bezahlt machen.
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SingapurDie Ölpreise sind auch am Dienstag gesunken. Händler nannten Signale aus den Reihen des Ölkartells Opec als Grund, wonach Produktionseinschränkungen zusehends unwahrscheinlich werden. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete im frühen Handel 88,14 US-Dollar. Das waren 75 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sank um 66 Cent auf 85,08 Dollar.

Nach einer schnellen Senkung der Produktion durch die Opec zur Stabilisierung der Ölpreise sieht es immer weniger aus. Nachdem dies bereits der größte Opec-Produzent Saudi-Arabien ausgeschlossen hatte, äußerte sich nun das ebenfalls große Förderland Kuwait ähnlich.

Es geben derzeit „keinen Raum“ dafür, sagte Kuwaits Ölminister bereits am Montag. Stattdessen haben schon mehrere Opec-Länder ihre Verkaufspreise gesenkt. Rohstoffexperten der Commerzbank sprechen von einem Preiskampf. „Die Opec-Länder und vor allem Saudi-Arabien scheinen eher die Verteidigung von Marktanteilen als eine Stabilisierung der Preise anzustreben“, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Bislang waren Börsianer davon ausgegangen, dass Saudi-Arabien - wie viele andere Ölförderländer auch - einen Preis von über 100 Dollar je Fass zur Finanzierung seines Haushaltes benötigt und diese Marke daher verteidigen würde. Nun hoffe man in Riad, mit einem hohem Produktionsniveau bei niedrigeren Preisen seine Marktanteile halten zu können. Zudem könnte ein niedriger Preis die Investitionen in die Ölförderung unattraktiver machen und damit der Konkurrenz von US-Schieferöl schaden.

Bis vergangene Woche seien sich alle absolut einig gewesen, dass Saudi-Arabien seine Fördermenge kürzen würde, sagte Robert McNally, ein ehemaliger Berater von US-Präsident George W. Bush und derzeit Chef der Energieberatungsfirma Rapidan Group. Das sei nun aber nicht mehr sicher. „Der Markt erkennt plötzlich, dass er ohne Netz operiert.“ Saudi-Arabien fördert täglich rund 9,7 Millionen Barrel – fast ein Drittel der Opec-Produktion von rund 30,47 Millionen Barrel.

Dem Monatsbericht der Opec zufolge hat Saudi-Arabien im September seine Förderung sogar erhöht - obwohl im September der Brent-Preis unter die 100-Dollar-Marke gerutscht war. Durchschnittlich hat Brent seit 2010 103 Dollar gekostet. Dabei pendelte der Future meist zwischen 100 und 120 Dollar. Charttechnisch orientierte Analysten halten Preisverluste von weiteren zehn Dollar für beide Sorten für möglich. Schließlich habe der Preisverfall seit dem Sommer alle technischen Unterstützungs-Marken gerissen.

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  • Die Situation ist mit 2008 überhaupt nicht vergleichbar. Der Ölpreis 2008 fiel ja erst nach dem Crash und der Lehman Pleite.
    Jetzt fällt der Ölpreis was der Konjungtur ja erstmal hilft. Zumal sich die US Wirtschaft ja robust zeigt.

  • "Das Barrel über 90 Dollar wird so schnell nicht wiederkommen."

    Ich hoffe für uns alle, dass das nicht der Fall ist.

    Das erinnert mich alles irgendwie an 2008 - nur eben umgekehrt. Der Ölpreis sinkt auch deswegen, weil immer katastrophalere Konjunktureinbrüche eingepreist werden. Das wirkt selbstverstärkend.

    Ich gebe all denen recht, die behaupten, irgendetwas merkwürdiges gehe am Ölmarkt vonstatten - aber ich würde US-Geopolitik als Kursdrücker ausschließen.

  • Das sehe ich ähnlich.
    Synthetischer Diesel aus Strom ist ja nichts anderes als das „Power-to-Gas“ Verfahren. Benutzt man eine Stromquelle die stätigen Strom und keinen Zappelstrom liefert wie ein Kernkraftwerk, so sind für das Gesamtverfahren von der kWh Strom zur kWh Diesel Wirkungsgrade von ca. 60% möglich.
    Eine solche Anlage könnte um einen Preis von um einem € pro Liter Diesel produzieren. Allerdings würde dann für den Staat nichts übrig bleiben. Darum ist das eher noch Zukunftsmusik.

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