Opec-Generalsekretär El-Badri: „Bei einem Ölpreis von 150 Dollar haben wir fast geweint“

Opec-Generalsekretär El-Badri
„Bei einem Ölpreis von 150 Dollar haben wir fast geweint“

Die Opec will die Welt auf absehbare Zeit weiter mit Öl versorgen. Engpässe seien bisher nicht zu befürchten, sagt Opec-Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri. Er warnt aber vor exzessiver Spekulation mit Rohstoffen. Mit ihm sprachen die Handelsblatt-Redakteure Stefan Menzel und Oliver Stock.
  • 0

Handelsblatt: Ist die Opec eine politische oder eine Wirtschafts-Organisation?

Abdalla Salem El-Badri: Auch schon vor 50 Jahren, als die Opec gegründet wurde, war sie keine politische Organisation. Die wirtschaftlichen Beweggründe standen von Anfang an im Vordergrund. Und es ging natürlich immer darum, die Interessen der Opec-Mitgliedsstaaten und ihre souveränen Rechte zu vertreten. Zudem wollte die Opec auch immer stabile Rohölpreise garantieren und für ein ausreichendes Angebot an Öl sorgen. Spätestens seit sieben oder acht Jahren sind wir wirklich eine durch und durch ökonomisch ausgerichtete Institution. Wir sprechen überhaupt nicht über irgendwelche politischen Fragen...

HB: Das ist aber eine Neuigkeit ...

El-Badri: ...früher mag es auch gegenseitige Konflikte zwischen Opec-Mitgliedsstaaten gegeben haben. Aber diese Zeit ist vorbei.

HB: Liegt der Nahost-Konflikt als Schatten über der Opec?

El-Badri: Ja. Aber das ist nicht nur ein Thema ausschließlich für die Opec. Diese Auseinandersetzung beschäftigt die gesamte Welt. Ich kann nur hoffen, dass dieser Konflikt sehr bald und friedlich ein Ende nehmen wird.

HB: Und wie steht es mit dem Irak? Er wird eine größere Bedeutung in der Opec gewinnen, wenn dort eine Normalisierung eintritt. Ein extrem politischer Aspekt, oder?

El-Badri: Ich denke nicht. Der Irak ist schon heute ein ganz normales Mitglied der Opec und gehörte vor 50 Jahren zum Gründerkreis. Der Irak war in der Opec immer ganz vorn vertreten und gehört zu den Ländern mit großen Ölreserven. Wir dürfen nicht vergessen, dass es in der Opec keine Sonderrolle für einzelne Länder gibt. Wir sprechen immer mit einer Stimme, es gilt das Prinzip der Einstimmigkeit. Es spielt keine Rolle, wie viel Öl ein Land dabei produziert.

HB: Ist das die Hauptaufgabe des Opec-Generalsekretärs: Sie sorgen für Einstimmigkeit?

El-Badri: Meine Hauptaufgabe besteht darin, die Mitgliedsländer mit den nötigen Daten und Informationen zu versorgen. Dann können sie die richtigen Entscheidungen treffen.

HB: Welche Rolle spielen Erzeugerländer wie Russland, die nicht zur Opec dazugehören?

El-Badri: Nicht-Opec-Staaten sind sehr wichtig, das ist keine Frage. Sie sorgen auch dafür, dass es in der Welt ein ausreichendes Ölangebot gibt. Dazu gehört natürlich auch Russland. Aber das hat keinen Einfluss auf die Position und die Bedeutung der Opec. Die Opec-Länder halten 80 Prozent der Welt-Ölreserven, kommen auf einen Marktanteil von 40 Prozent und liefern 60 Prozent aller Öl-Exporte. Wir haben schon heute sechs Millionen Barrel pro Tag an Überschuss-Kapazität, 2014 werden es sieben Millionen Barrel sein. Nur die Opec steht also für das Potenzial, die Welt auf absehbare Zeit mit Öl zu versorgen.

HB: Welche Auswirkungen hat das Öldesaster im Golf von Mexiko?

El-Badri: Tiefseebohrungen bieten wirklich ein Potenzial für die Zukunft. Deshalb hoffe ich, dass diese Art der Förderung nicht eingestellt wird. Aber ich war überrascht und geschockt zu sehen, dass die US-Regierung auf diese Situation nicht vorbereitet war. Und das gilt genauso für die Ölbranche, die auch nicht in der Lage war, dieses große Problem zu bewältigen. Andererseits ist klar, dass die Tiefseeförderungen jetzt ein Stück weit gestoppt werden.

Seite 1:

„Bei einem Ölpreis von 150 Dollar haben wir fast geweint“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Opec-Generalsekretär El-Badri: „Bei einem Ölpreis von 150 Dollar haben wir fast geweint“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%