Opec-Konferenz
Unsicherheit hält Ölpreise hoch

Angesichts der unverändert hohen Rohölpreise werden die Ölminister der Organisation Erdöl expotierender Länder (OPEC) die im Juni 2005 festgelegten Förderquoten von 28 Millionen Barrel pro Tag an diesem Mittwoch voraussichtlich unverändert lassen.

HB WIEN. Zwar übertrifft die weltweite Förderung zur Zeit immer noch den weltweiten Verbrauch, doch politische Krisen und die Unsicherheit über die Entwicklung auf den Ölmärkten in den nächsten Monaten erlauben nach Ansicht von Opec-Analysten keine Verringerung der Förderung. Der Atomstreit mit dem Iran, die schweren Unruhen und Proteste in Nigeria, die chaotische Lage im Irak sowie negative Entwicklungen in Lateinamerika werden allenthalben zur Begründung angeführt, wenn es um die anhaltend hohen Preise geht.

„Opec sollte die Produktion nicht senken, denn eine solche Entscheidung würde als Hauptgrund für Preiserhöhungen genannt“, warnte Saudi-Arabiens Ölminister Ali Naimi vor dem Treffen. Auch die Minister anderer Opec-Mitgliedstaaten, darunter der Iran, sprachen sich ausdrücklich gegen eine Drosselung aus. „Eine Quotensenkung ist für die Opec politisch zur Zeit einfach nicht korrekt“, meint Ehsan ul Haq, Opec-Experte beim Internationalen Energie-Berater PVM in Wien. „Niemand will verantwortlich sein, wenn die Preise noch weiter steigen“. Er erwartet angesichts der unsicheren Lage auch keinen Preisverfall für das zweite Quartal.

Die Lage auf dem Ölmarkt ist nach Meinung der Wiener Opec- Analysten „weiterhin von Ängsten geprägt“. Die Ungewissheit über die weitere Entwicklung im Iran sei dabei ebenso wichtig, wie die zum Teil chaotische Lage in Nigeria. „Das Land hat bereits 20 Prozent seiner täglichen Förderung von 3 Millionen Barrel eingebüßt, rund 10,5 Millionen Barrel in diesem Jahr“, sagt Ehsan ul Haq. „Und die Lage dürfte sich in den kommenden Monaten wegen der anstehenden Wahlen noch verschärfen“. Doch auch die Entwicklungen in Lateinamerika trage nicht zur Stabilität bei. „Die überwiegend linken Regierungen in den Ölförderländern Lateinamerikas drängen zunehmend darauf, die Ölindustrie in die eigene Hand zu nehmen.“ Die irakische Ölförderung wird schon seit längerer Zeit bei den Opec-Förderquoten nicht mehr berücksichtigt. Mehr als ein Drittel der Opec-Förderung findet laut PVM in Krisen- und störanfälligen Gebieten statt. Wie der jüngst gescheiterte El Kaida-Anschlag zeigte, ist auch Saudi-Arabien vor möglichen Rückschlägen nicht sicher.

Dennoch haben es die Opec-Mitglieder am Golf geschafft, die Ausfälle anderer Länder auszugleichen. Allein Abu Dhabi hat in jüngster Zeit die Produktion um 200 000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag erhöht. Die Produktion in den übrigen Fördergebieten Europas, Russlands oder der USA habe dagegen nicht mit dem wachsenden Bedarf standgehalten oder ist sogar rückläufig.

Nur so sei es zu erklären, dass die Preise für Rohöl trotz höchster Lagerbestände in den USA und Europa weiterhin über 60 US- Dollar liegen, meint ul Haq. „Und die Preise für Futures im Mai und Juni liegen noch höher“. Angesichts dieser Lage sei es nur verständlich, wenn Raffinerien Überschuss-Öl kauften, „um für alle Fälle gerüstet zu sein“.

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