Opec mit Lage auf Ölmarkt zufrieden
Experten warnen vor baldiger Rohölverknappung

Die Organisation erdölexportierender Länder sieht „keinen Handlungsbedarf“. Trotz des anhaltenden Preisauftriebs bei Rohöl, das sich langsam wieder der 80-Dollar-Marke für ein Barrel (159 Liter) nähert, werden die Ölminister der zwölf Opec-Staaten an diesem Dienstag in Wien vermutlich keine Erhöhung der Förderquoten beschließen. Doch Analysten warnen vor den Folgen.

dpa WIEN. Wenn der gegenwärtige Trend beim Verbrauch anhält, könnte es im vierten Quartal dieses Jahres zu einer Rohölverknappung auf den Märkten kommen, die den Preis dann leicht in neue Rekordhöhen treiben könnte. Der amtierende Opec-Präsident Mohammed al Hamli machte wenige Tage vor der Wiener Opec-Konferenz dennoch deutlich, dass sich das Kartell trotz der angespannten Lage nicht unwohl fühlt. Der Ölmarkt sei doch „sehr ausgeglichen“, meinte der Politiker, der gleichzeitig auch Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate ist. Gemessen an der Kaufkraft und dem niedrigeren Dollarkurs liege der Ölpreis fast auf dem Niveau der siebziger Jahre.

Doch Opec-Experten sehen die Entwicklung nicht ohne Sorge. Ihre Begründung: Angesichts der gesunkenen Ölförderung einiger Opec-und Nicht-Opec-Länder werden zum Beispiel in den USA bereits die - allerdings rekordhohen - Lagerbestände angegriffen. Nach Berechnungen des Wiener Energieberaters PVM produzierte die Opec ohne den Irak und ohne Neumitglied Angola im August 26,93 Mill. Barrel pro Tag. Vor allem die Saudis hätten ihre Förderung deutlich von 9,6 Mill. Barrel auf 8,6 Mill. Barrel gedrosselt, und da auch die Nicht- Opec-Länder weniger produzierten, könne es bei dem weltweit steigenden Verbrauch im vierten Quartal „eng werden“, meint PVM- Experte Ehsan ul-Haq.

„Bis Ende September werden die Lagerbestände um durchschnittlich 700 000 Barrel täglich schrumpfen, und danach um schätzungsweise 1,2 Mill. Barrel“ erwartet PVM. Dies liege vor allem daran, dass sich die Weltwirtschaft insgesamt besser entwickelt habe, als es noch zum Jahresbeginn erwartet wurde. „Die Wirtschaft in Asien ist weiterhin stark, und auch in der EU ist das Wachstum stärker als angenommen.“ Dazu kämen Wartungsarbeiten in einigen großen Raffinerien in den USA. So rechne die Internationale Energie-Agentur IEA für 2008 mit einem Mehrverbrauch von 2,2 Mill. Barrel täglich.

„Noch ist genug Öl da“, mahnt ul Haq, aber die Förderung reiche im Augenblick nicht aus. „Doch bis zum Jahresende könnten so die Lagerbestände stark zurückgehen.“ Ein zusätzlicher Faktor sei die Unsicherheit über die Entwicklung im unruhegeschüttelten Nigeria und im terrorgeplagten Irak. Noch sei keine Krise in Sicht, aber ein langer und harter Winter könne zu einer echten Verknappung beitragen: „Und Verknappung bedeutet immer höhere Preise. Auch wenn die Opec bei einem Preis von mehr als 80 Dollar pro Barrel die Förderung anheben will."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%