OPEC
Ölnationen entziehen Märkten Liquidität

Die fallenden Ölpreise machen nicht nur den Haushalten der ölreichen Staaten zu schaffen. Auch den internationalen Anleihenmärkten bereitet der Petrodollar-Schwund Probleme: Sie werden dadurch weniger liquide.
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In den rauschenden Zeiten des Rohstoff-Booms schwammen ölreiche Staaten in Milliarden von Dollar an Reserven. Sie investierten sie in US-Anleihen und andere Wertpapiere und kauften gelegentlich begehrte Trophäen wie Wolkenkratzer in Manhattan, Luxushäuser in London oder den Fußballverein Paris Saint-Germain.

Das ging gut - solange das Öl sprudelte und teuer war. Doch inzwischen hat sich der Preis für das schwarze Gold auf etwa 63 Dollar je Barrel. Zeitweise hatte sich dieser fast halbiert. Den rohstoffreichen Staaten wie Saudi-Arabien bleibt nichts anderes übrig, als ihre „Petrodollar”-Reserven abzubauen. Einige Staaten wie Angola verbraten ihre Rücklagen sogar im Rekordtempo.

Ein Problem der Ölstaaten? Mitnichten. Denn weil sie ihre Reserven aufbrauchen - um beispielsweise ihre einheimischen Haushalslöcher zu stopfen - , können die Staaten nicht mehr in großem Stil in europäische und US-amerikanische Schuldenpapiere investieren - und das wirkt sich auch auf die Anleihenmärkte der westlichen Staaten aus. Eine Quelle der Liquidität fällt weg. „Erstmals seit 20 Jahren werden die OPEC-Länder dem Markt Liquidität entziehen, anstatt sie über Investitionen hinzuzufügen”, sagt David Spegel, Experte für Schwellenmärkte bei BNP Paribas in London.

Saudi-Arabien ist ein Paradebeispiel für die Schnelligkeit und das Ausmaß des Ausverkaufs: die Devisenreserven des größten Ölproduzenten der Welt fielen im Februar um 20,2 Milliarden Dollar, was Daten der saudischen Zentralbank zufolge der stärkste Einbruch seit mindestens 15 Jahren war. Der Rückgang ist fast doppelt so hoch wie n der Finanzkrise 2009, als die Ölpreise nachgaben und Riad 11,6 Milliarden Dollar seiner Reserven innerhalb eines einzigen Monats abschmolz.

Die Zeit der teuren Rohstoffe scheint vorerst vorbei: Der Rohstoffindex des Internationalen Währungsfonds (IWF) - ein breiter Korb natürlicher Ressourcen von Eisenerz über Öl bis hin zu Bananen und Kupfer - erreichte im Januar den niedrigsten Stand seit Mitte 2009. Und obwohl sich der Index seither wieder etwas erholt hat, liegt er noch immer mehr als 40 Prozent unter dem Rekordhoch von Anfang 2011.

Betroffen sind die Staaten, die auf die Ausbeutung ihrer Ressourcen angewiesen sind - so zum Beispiel das Ölförderland Oman, das kupferreiche Chile und der Baumwollanbauer Burkina Faso. Die Reserven gehen schneller zurück als während des letzten Einbruchs der Rohstoffpreise in den Jahren 2008 und 2009.

Ohne Berücksichtigung des Iran, dessen Verkäufe Sanktionen unterliegen, werden die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder in diesem Jahr 380 Milliarden Dollar an ihrem Öl verdienen, schätzen die USA. Das wären 350 Milliarden Dollar weniger als 2014, was den stärksten Rückgang innerhalb eines Jahres in der Geschichte wäre.

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