Opec senkt Prognosen
Ölpreis geht in Sinkflug über

Die Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung am Ölmarkt haben einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Das Ölkartell Opec hat seine Prognosen zum weltweiten Verbrauch deutlich nach unten revidiert. Anders als einige Spekulanten erwarten die Ölstaaten eine längere wirtschaftliche Talfahrt. Den Ölpreis wirft das weiter zurück.

WIEN/DÜSSELDORF. Die Ölpreise haben ihre Abwärtsbewegung beschleunigt. Am Mittwoch gab der Preis für ein Barrel WTI-Öl in New York 4,4 Prozent nach und rutschte auf 60,14 Dollar. Es war der sechste Tag mit Verlusten in Folge. In der vergangenen Woche hatte der WTI-Preis zeitweise noch über 73 Dollar gelegen. Im asiatischen Handel konnten sich die Preise nur moderat von den hohen Verlusten erholen und blieben unter 61 Dollar.

Hatten in den vergangenen Wochen, in denen sich der Ölpreis mehr als verdoppelte, Hoffnungen auf eine mit der Konjunktur anziehende Ölnachfrage, die Preise getrieben, lösen sich diese Erwartungen am Ölmarkt inzwischen wieder auf. Wegen der anhaltenden Wirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise wird der Weltölverbrauch in den kommenden Jahren wohl deutlich hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) kommt in ihrem gestern in Wien vorgelegten Jahresbericht zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2013 weltweit am Tag etwa 87,9 Millionen Barrel (159 Liter) verbraucht werden. Vor einem Jahr hatte die Opec den Bedarf um fast sechs Millionen Barrel höher angesetzt. Der Druck auf den Ölpreis bleibt hoch, auch gestern gaben die Notierungen wieder nach.

Die Opec stellt sich darauf ein, dass die wirtschaftliche Erholung länger dauert. „Es wird nur schrittweise vorangehen“, schreiben die Experten im World Oil Outlook, voraussichtlich erst im Jahr 2013 werde die weltweite Ölförderung das Niveau von 2008 erreicht haben. Auch auf längere Sicht wird die Ölförderung nach Einschätzung der Opec deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Im Jahr 2030 rechnet die Organisation mit einem globalen Verbrauch von täglich knapp 106 Millionen Barrel, vor einem Jahr hatte die Opec noch eine Zahl von 113 Millionen Barrel genannt. „Die Gefahr eines neuerlichen Ölpreisschocks ist deshalb sehr gering“, sagte BP-Experte Kevin Goodwin zu den neuesten Prognosen.

Die aktuelle und durch die weltweite Krise ausgelöste Nachfragedelle führt auch zu einem längerfristigen Rückgang der Investitionen in neue Ölfelder. Die Opec schätzt, dass bis zum Jahr 2013 etwa 115 Mrd. US-Dollar in die Erschließung neuer Ölvorkommen investiert werden. Das entspricht einem Abschlag von ungefähr 30 Prozent von den bisher in der Branche gängigen Erwartungen. „Die Kürzung der Investitionen ist ein logischer Schluss“, erläutert die Opec, „damit wären zusätzliche Kapazitäten geschaffen worden, die niemand braucht.“

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