Opec-Sondertagung
Preisverfall bringt Ölkartell in Bedrängnis

Die Opec will die Förderquoten senken, um den Absturz der Ölpreise zu bremsen. Doch die Mitgliedstaaten der Organisation wandern auf einem schmalen Grat: Sie müssen entschlossen handeln, dürfen die Märkte aber auch nicht verschrecken.

DÜSSELDORF. Die Opec steckt in der Zwickmühle: Heute und morgen berät die Organisation Erdöl exportierender Länder über ihre künftigen Produktionsquoten. Senkt das Ölkartell seine Förderung zu stark, droht ein neuerlicher Preisanstieg. Dies würde der ohnehin angeschlagenen Konjunktur in den Verbraucherländern einen zusätzlichen Dämpfer versetzen. Senkt sie ihre Förderung zu wenig, könnte sich der Preisrutsch weiter fortsetzen. Dies würde die Förderländer ausbremsen.

Im Vorfeld der Tagung hat Opec-Präsident Chakib Khelil bereits eine "substanzielle" Kürzung angekündigt. Im Handel wurde daraufhin über eine Verringerung der Produktion um zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag spekuliert. Jochen Hitzfeld, Rohstoffexperte bei Unicredit, rechnet indes damit, dass die Opec Maß hält: "Eine Senkung um zwei Millionen Barrel würde für die Opec-Länder einen massiven Einnahme-Einbruch bedeuten." Er geht daher von einer Kürzung um nur eine Million Barrel aus.

Dies werde aber wohl keine große Preiserholung auslösen: "Der Markt ist pessimistisch." Zudem werde daran gezweifelt, dass die Kartellmitglieder ihre Förderquoten einhalten werden. In der Vergangenheit haben Opec-Länder immer wieder ihre Produktionsziele überschritten. "Doch längerfristig wird es Quotendisziplin geben", glaubt Hitzfeld. Denn das wichtigste Förderland Saudi-Arabien werde sicher die Produktion zurückfahren und so zur Preisstabilisierung beitragen.

Die Rohölpreise haben sich mehr als halbiert. Noch Anfang Juli kostete Öl in der Spitze bis zu 147 Dollar in den USA und gut 142 Dollar in Europa. Heute sind es weniger als 70 Dollar je Barrel. Ausgelöst wurde der Preisrutsch durch die internationale Finanzkrise und die damit verbundenen Rezessionsängste. Die Märkte sorgen sich um einen weiteren kräftigen Rückgang der Ölnachfrage.

Um diesen Preisverfall aufzuhalten, muss die Opec reagieren. Nach Berechnungen der US-Investmentbank Goldman Sachs benötigen Kartellmitglieder wie Algerien, Angola, Katar und Saudi-Arabien einen Ölpreis von 60 Dollar je Barrel, um ihren Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten. Iran und Venezuela - beide Länder setzen sich in der Hoffnung auf einen neuerlichen Preisanstieg vehement für eine stärkere Produktionsdrosselung ein - benötigen sogar 80 bis 100 Dollar. Den größten Einfluss auf eine Preisuntergrenze sieht Goldman Sachs allerdings bei Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Wir glauben daher, dass die Opec die Marke von 60 Dollar je Barrel verteidigen wird."

Um dieses Ziel zu erreichen, sucht die Opec den engeren Schulterschluss mit Russland. Der stellvertretende Ministerpräsident Igor Setschin lehnte zwar eine Kürzung der Produktion ab, das Land wolle aber eine Reservekapazität aufbauen. Er mahnte zudem an: "Ein fairer Preis würde die Kosten der Produzenten berücksichtigen."

Ungeachtet der ausstehenden Opec-Entscheidung nehmen Analysten inzwischen reihenweise ihre Preisprognosen zurück. Unicredit hatte die Erwartung bereits Ende September auf 105 Dollar reduziert, überdenkt aber aktuell eine weitere Senkung. Bis Ende des Jahres sieht Hitzfeld einen leichten Anstieg der Notierungen auf mehr als 70 Dollar. Die Deutsche Bank rechnet für die US-Richtmarke WTI für dieses Jahr noch mit Durchschnittsnotierungen von 102,56 Dollar, erwartet aber für 2009 nur noch 60 Dollar, 35 Prozent weniger als in der Vorschätzung. Auch Goldman Sachs hat seine Preisprognosen drastisch gesenkt. Bis Ende des Jahres rechnen sie nun ebenfalls mit Notierungen von 70 Dollar nach 115 Dollar in der Vorschätzung. Bis Ende 2009 gehen die Experten von einer weiteren Abschwächung aus und sagen für WTI einen Preis von 107 nach zuvor 125 Dollar voraus. Etwas optimistischer ist die Schweizer UBS. Diese erwartet für dieses Jahr durchschnittlich 112 Dollar und für 2009 immerhin noch 105 Dollar.

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