Opec-Treffen
Ölstaaten rühren Förderquoten nicht an

Nach dem Preisanstieg im laufenden Jahr ist die Organisation Erdöl exportierender Staaten jetzt wieder sehr zufrieden mit dem Ölpreis. An den Förderquoten wollen die Opec-Staaten deshalb nichts ändern. Das stößt bei Rohstoffexperten auf Kritik.
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DÜSSELDORF. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird ihre Förderung nicht verändern. Dies hat das Ölkartell gestern in Luanda, Angola, beschlossen. Die Rohölpreise reagierten kaum, da die Entscheidung erwartet worden war. Allerdings hätten sich Experten eine Erhöhung der Quoten gewünscht. Ein Barrel Brentöl (159 Liter) kostete gestern am Spotmarkt gut 71 Dollar.

Bereits im Vorfeld des Treffens hatte Opec-Präsident José Maria Botelho de Vasconcelos, der zugleich Ölminister Angolas ist, gesagt: „Zurzeit fühlen wir uns mit den Preisen wohl.“ Nach Einschätzung des saudischen Ölministers Ali al-Naimi, sein Land ist weltweit der größte Ölproduzent, seien Preise zwischen 70 und 80 Dollar je Barrel für alle Seiten zufriedenstellend.

Das war nicht immer so. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hatte die Rohölpreise von ihrem Hoch im Juli 2008 bei 150 Dollar bis Ende vergangenen Jahres auf gut 30 Dollar abstürzen lassen. Die zwölf Opec-Mitglieder, die für über 40 Prozent des Weltölangebots stehen, hatten versucht gegenzusteuern und ihre Produktion in mehreren Schritten um über vier Mio. Barrel gekürzt; heute fördert sie täglich knapp 25 Mio. Barrel Rohöl. Problematisch ist allerdings immer wieder die sogenannte Quotendisziplin; die Kartellmitglieder bringen mehr Rohöl an die internationalen Märkte als offiziell abgesprochen. Schätzungen zufolge fördern die Opec-Staaten inzwischen fast 1,7 Mio. Barrel mehr.

Der Spielraum ist begrenzt

„Die Opec ist nicht konsequent", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Eine konsequente Entscheidung wäre angesichts der gestiegenen Preise eine Erhöhung der offiziellen Quoten gewesen. Als problematisch könnte sich die aktuelle Entscheidung erweisen, sollte der Ölpreis – wie von einigen Experten erwartet – im ersten Quartal 2010 unter Druck geraten. „Wenn der Preis fallen sollte, hat die Opec keine Möglichkeit mehr, den Preisrückgang durch Kürzungen zu beeinflussen“, sagt Weinberg.

Das Kartell blickt noch mit einiger Sorge auf die Nachfrage. Bereits zur Eröffnung des Treffens sagte Opec-Präsident Botelho de Vasconcelos: „Es gibt ein gemischtes Bild im Markt.“ Während der Bedarf in den Schwellenländern anziehe, hinke die Nachfrage in den OECD-Ländern noch nach. Erst vor wenigen Tagen hat das Ölkartell seine Prognose für das Wachstum des globalen Bedarfs um 70 000 Barrel pro Tag auf 85,13 Mio. angehoben. Die Internationale Energie-Agentur erwartet sogar 86,3 Mio. Barrel.

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