Opec und das Ölmarkt-Chaos
Die Geschichte wiederholt sich

Der Ölpreis ist so tief wie seit Jahren nicht mehr, das Opec-Kartell harrt aus. So sah der Markt schon einmal aus, in den 1990er Jahren. Stimmen die Parallelen, müssen sich Anleger keine Sorgen um billiges Öl machen.

WienDie Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat es anscheinend aufgegeben, ihren Gründungsauftrag einzuhalten und den Ölmarkt über die Ölfördermenge zu regulieren. Zuletzt ließ das die Benchmark-Sorte Brent auf ein Sechsjahrestief abrutschen. Am Donnerstagmorgen stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar um 34 Cent auf 40,45 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der Sorte WTI stieg auf 37,40 Dollar. Das waren 24 Cent mehr als am Vortag. Für Saudi-Arabiens Ali al-Naimi, den mächtigsten und dienstältesten Ölminister des Kartells, könnte das alles wie eine Wiederholung der Geschichte aussehen.

Es gibt mehrere auffällige Parallelen zwischen der derzeitigen Lage der Opec-Staaten und dem Zeitraum von 1997 bis 1999, als die Organisation die Kontrolle über den Markt verloren hatte und der Ölpreis auf weniger als 10 Dollar je Barrel eingebrochen war. Anleger mögen sich fragen, ob der Markt auch dieses Mal einem ähnlichen Kurs folgen wird - doch sollte man dabei nicht vergessen, dass die Opec nach der Krise den Ölpreis bis auf fast 150 Dollar je Barrel hochschießen sah. Sollten die Parallelen anhalten, könnte dem Markt eine Achterbahnfahrt bevorstehen. Die Parallelen in Überblick.

Große OPEC-Mitglieder steigern Förderung

Vor fast zwei Jahrzehnten gab es in Venezuela einen Wachstumsschub, der die Förderung von 2,2 Millionen Barrel am Tag im Jahr 1992 sechs Jahre später auf 3,5 Millionen Barrel am Tag anschwellen ließ. Saudi-Arabien reagierte darauf mit einer Steigerung der eigenen Produktion, was die Märkte flutete.

Dieses Mal hat Saudi-Arabien den Förderrausch angefangen - das Land pumpte Anfang des Jahres ein Rekord-Volumen von 10,6 Mio. Barrel am Tag -, während der Iran nach der Aufhebung der Sanktionen im kommenden Jahr seine tägliche Förderung um bis zu eine Million Barrel steigern will.

Abkühlung in Asien

Als die Opec ihre Produktion 1997 hochfuhr, befand sich Asien auf dem Weg in die wirtschaftliche Kernschmelze. Die Abwertung des thailändischen Baht im Juli desselben Jahres löste eine Finanzkrise aus, die Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand in eine Rezession stürzte. Das Bruttoinlandsprodukt der Gruppe schrumpfte 1998 um 8,3 Prozent, verglichen mit einer Wachstumsrate von 7,5 Prozent im Durchschnitt des vorigen Jahrzehnts, wie Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen. Diesmal kollabiert Asien zwar nicht, doch China erlebt das schwächste Wachstum seit 25 Jahren.

Die Indonesien-Verbindung

Im Jahr 1997 beschloss die Opec bei einem Treffen in der indonesischen Hauptstadt, ihre Förderquote zu steigern - just als die asiatische Wirtschaftskrise begann. Das sorgte bei Rohöl für einen Preiseinbruch auf bis zu zehn Dollar. Opec-Veteranen sprechen noch immer vom „Gespenst von Jakarta”, das ihre Entscheidungen heimsucht. Indonesien ist nun wieder ins Zentrum der OPEC gerückt: Das Land trat dem Erdölkartell vergangene Woche wieder bei, nachdem die Mitgliedschaft 2009 auf Eis gelegt worden war.

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