Opec und der Preisverfall
Ölpreis auf dem Weg zur 50-Dollar-Marke

Ist das Ende der Ölschwemme in Sicht? Die Aussicht auf eine geringere Überproduktion treibt die Preise weiter in die Höhe. Dabei erreicht ein Land überraschenderweise fast wieder seine alten Rekordmarken.

SingapurDie richtungsweisende Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 47,91 Dollar je Barrel (159 Liter) und näherte sich ihrem Sechs-Monats-Hoch von 48,50 Dollar von Ende April. US-Leichtöl WTI kostete mit 46,63 Dollar 0,9 Prozent mehr. Die Internationale Energiebehörde (IEA) geht von einem geringeren weltweiten Angebot aus, während die Nachfrage nach Öl steigen dürfte. Am Vortag hatten die Ölpreise bereits deutlich zugelegt, nachdem das US-Energieministerium zum ersten Mal seit März sinkende US-Rohölbestände vermeldet hatte.

Die IEA geht davon aus, dass die weltweite Ölproduktion in diesem Jahr um 800.000 Barrel pro Tag fällt. Bisher stellten die Experten einen Rückgang um 710.000 Barrel in Aussicht. Vor allem aus Nigeria, Libyen und Venezuela sei mit einem geringeren Angebot zu rechnen. Zugleich erhöhte die Behörde ihre Prognose für den globalen Ölnachfrage-Anstieg auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag von zuvor 1,16 Millionen. Als einen Grund dafür nannten die Experten eine wachsende Nachfrage nach Benzin in großen Märkten wie Indien und China.

Gleichzeitig hat der Iran seine Öl-Produktion deutlich hochgefahren: Das Land fördert mittlerweile 3,56 Millionen Barrel am Tag. Diese Menge wurde zuletzt im November 2011 erreicht, noch bevor die Sanktionen deutlich verschärft wurden. Die große Menge an Öl aus Iran überrascht: An dem Ziel, bis Ende Juni vier Millionen Barrel pro Tag zu fördern, haben noch vor zwei Monaten viele Experten gezweifelt.

Saudi-Arabien hingegen hat seine Menge ungefähr konstant gehalten. Der weltweit größte Produzent des schwarzen Goldes förderte im vergangenen Monat durchschnittlich 10,2 Millionen Barrel pro Tag.

Bereits am Vortag hatte ein überraschender Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den USA die Ölpreise um jeweils etwa zwei Dollar nach oben getrieben. Experten gehen davon aus, dass ein Ausfall von Öllieferungen aus Kanada wegen starker Waldbrände in der Ölprovinz Alberta dazu geführt hat, dass die USA verstärkt auf die Ölreserven zurückgreifen mussten. Für zusätzlichen Preisauftrieb sorgte ein Rückgang der US-Ölproduktion.

Die Ölpreis ist ein extrem politischer Preis - und schwankt deswegen erheblich. Im Vergleich zu seinem Zwölfeinhalb-Jahres-Tief vom Januar, als Brent noch gut 27 Dollar kostete, ist der Preis um mehr als 50 Prozent gestiegen. Das US-Öl WTI legte ähnlich stark zu. Seit Mitte 2014 ist der Ölpreis wegen des weltweiten Überangebots und der mauen Weltkonjunktur allerdings um 70 Prozent eingebrochen.

Und die Terminmärkte erwarten weiter steigende Preise - sogar über die Marke von 50 Dollar. So kostet der Kontrakt für ein Fass Brentöl, das erst im Juni 2017 geliefert wird, aktuell 50,61 US-Dollar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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